Das Licht von La Salette - 4

Zum heutigen 180. Jahrestag der Erscheinung unserer Lieben Frau in La Salette wollen wir uns erneut ihrer „Großen Botschaft“ zuwenden und den angeblichen „Verurteilungen“ derselben durch Rom.

Die Verurteilungs-Versuche

Wir haben zuletzt von den Machenschaften der französischen Bischöfe gehört, die in Rom darauf drangen, daß man die Broschüre von Lecce, welche die „Große Botschaft“ Unserer Lieben Frau von La Salette enthielt, verbieten müsse. So kam es zum „ersten Versuch einer Verurteilung“ durch Kardinal Caterini im Jahr 1880. Wie die „Fatima-Freunde“ in ihrem Brief schreiben, forderte Kardinal Bartolini von der „Kongregation der Inquisition“ Bischof Zola auf, die Broschüre von Mélanie zurückzurufen und sich für das „Imprimatur“ zu rechtfertigen, das er ihr gegeben hatte. Überdies hielt er Mgr. Sarnelli, den neuen Bischof von Castellammare, dazu an, Mélanie weitere Kommentare zum „Geheimnis“ zu verbieten. Mehrere Kardinäle, durch die heftige Polemik beunruhigt, baten Papst Leo XIII., die im Vatikan vorliegenden Dokumente zu veröffentlichen, welche bestätigten, daß sie in voller Übereinstimmung mit der Broschüre von 1879 waren. Am 27. März 1880 bestätigte der Papst gegenüber Kardinal Ferrieri und Pater Fusco, daß dies geschehen solle.

Doch der Widerstand ließ nicht nach. Zahllose Briefe erreichten den Vatikan und den Bischof von Castellammare. Der Bischof von Troyes beschwerte sich, daß diese Broschüre in Frankreich große Unruhe verursache und verlangte von der Indexkongregation ihre Verurteilung. Im Juni jedoch erklärte sich die Indexkongregation für nicht zuständig, denn es sei nicht eine Frage des Glaubens, sondern der Fakten, festzustellen ob „der Klerus und die religiösen Orden korrupt“ seien oder nicht. Daher verwies man den Bischof an die Inquisition. Die Indexkongregation nämlich hatte die Broschüre einige Monate vor ihrer Drucklegung genau untersucht und nichts daran zu beanstanden gehabt. Übrigens hatte auch die Ritenkongregation die Ordensregel der Mélanie problemlos anerkannt.

Salomonische Lösung

Der Bischof von Troyes drohte daraufhin mit dem Entzug des Peterspfennigs, wenn nichts in seinem Sinn geschehe. Kardinal Caterini von der heiligen Kongregation der Inquisition richtete daher ein Schreiben an ihn, im welchem sie ihm mitteilte, „daß der Heilige Stuhl die Veröffentlichung dieser Schrift mit größtem Mißfallen zur Kenntnis genommen hat und daß es sein ausdrücklicher Wille ist, daß die Exemplare [der Broschüre], die bereits unter den Gläubigen verbreitet sind, ihnen überall dort, wo dies möglich ist, aus den Händen genommen werden“, daß sie „jedoch im Besitz des Klerus“ behalten werden solle, „damit dieser davon profitieren kann“. Die französischen Bischöfe, muß man wissen, hatten vor allem mit dem Skandal argumentiert, der bei den einfachen Gläubigen durch den in der Botschaft enthaltenen deutlichen Hinweis auf die Sittenverderbnis im Klerus entstehen könnte, und wollten lieber die Broschüre verboten wissen als die Sittenverderbnis selber, die eigentliche Ursache des Skandals, zu beheben. Da schien es eine wahrhaft salomonische Lösung zu sein, welche die Inquisition hier fand, nämlich einerseits den Gläubigen die Broschüre und somit den Skandal aus der Hand zu nehmen und sie andererseits dem Klerus als Hinweis auf seine Fehler und Aufruf zur Besserung zu belassen.

Der Bischof von Troyes, Mgr. Cortet, war mit dieser Entscheidung ausgesprochen unzufrieden, wie man sich denken kann. Sie belegt jedoch einmal mehr, daß der Vatikan das Dokument nicht nur nicht verurteilt hat, sondern sogar in gewisser Weise seinen übernatürlichen Ursprung oder doch seinen sittlichen Wert bestätigte, da er es als nützlich für den Klerus eingestuft hat, was kaum der Fall gewesen wäre, wenn es sich um eine reine oder gar gefährliche Einbildung einer schwärmerischen Seherin gehandelt hätte. Cortet schickte das Schreiben der Kongregation an seinen Kollegen von Nîmes, der es veröffentlichen ließ, allerdings ohne den letzten Zusatz mit dem Klerus, sodaß es mit den Worten endete, daß man den Gläubigen die Broschüre aus der Hand zu nehmen habe. Er erweckte damit den Anschein, als sei die Broschüre generell verurteilt, zumal er unrichtig angab, der Brief stamme vom Präfekten der Inquisition – der jedoch zu jenem Zeitpunkt der Papst selber war, nicht Caterini, der nur als Sekretär der Kongregation fungierte – und es handle sich um eine amtliche Verurteilung. Tatsächlich war es jedoch ein einfacher, „privater“ Brief des Kardinals, ohne Briefkopf der Kongregation, ohne Registrierungsnummer und offiziellen Stempel, also ohne kanonischen oder offiziellen Wert. Auch war er lediglich an Bischof Cortet gerichtet, nicht an die ganze Kirche.

Der Ausdruck des „Mißfallens“ ist alles andere als eine formelle Verurteilung. Mélanie und Bischof Zola bezweifelten, daß das Schreiben des Kardinal Caterini dem Willen des Papstes entsprach. Sie fragten daher bei zwei Kardinälen von der Inquisitionskongregation nach, die von dem Brief Caterinis nichts wußten. Tatsächlich hatte es sich um ein privates Schreiben von diesem gehandelt, weshalb er sich später auch bei Mgr. Zola entschuldigte mit dem Hinweis, seine Hände seien „gebunden“ gewesen. In einem Brief vom 5. März 1896 stellte Mgr. Zola klar: „Tatsächlich wurde Mélanies Schriftstück nie auf den Index gesetzt: Es wurde lediglich der Wunsch geäußert, daß es nicht in die Hände der Gläubigen gelangen solle, gerade wegen des Teils, der den Klerus betraf; doch gab es in diesem Brief [von Kardinal Caterini] kein einziges Wort, das die Echtheit dieses Geheimnisses oder den Wert der Prophezeiungen, die es enthielt, hätte widerlegen können.“ „Somit war der Brief von Kardinal Caterini nur die Reaktion auf den Druck eines Teils bestimmter französischer Bischöfe und zielte vor allem darauf ab, die Heftigkeit ihres Widerstands zu mildern“, fassen die „Fatima-Freunde“ zusammen.

Die Bücher des Abbé Combe

Doch die Gegner von La Salette gaben nicht auf. Ihr zweiter Versuch richtete sich gegen die Bücher des Abbé Combe. Dieser Abbé Combe, Priester der Diözese von Moulins, hatte zwei Bücher geschrieben über das Geheimnis von La Salette, die auf dem Index landeten. Das eine war 1894 veröffentlicht und 1901 verurteilt worden, das andere, 1906 publiziert, wurde 1907 auf den Index gesetzt. Dies nahmen die interessierten Kreise zum Anlaß zu insinuieren, das „Geheimnis“ selber sei ebenfalls verurteilt. So verkündete das Bulletin der Diözese von Reims am 25. Mai 1912: „Das unter dem Titel ‚Geheimnis von La Salette’ usw. … oder ‚Geheimnis von Mélanie‘ usw. … veröffentlichte Werk voller Unflätigkeiten und Unsinn war am 7. Juni 1901 und am 12. April 1907 auf den Index gesetzt worden.“ Als der Erzbischof von Reims durch einen hochstehenden Laien aufgefordert worden war, die Darstellung zu präzisieren und klarzustellen, daß lediglich die genannten Bücher, nicht aber das Geheimnis selber auf dem Index stehe, antwortete er nur: „Die Artikel des Bulletins spiegeln meine eigene Einschätzung gut wider.“

Pater Lépidi, ein Mitglied sowohl der Indexkongregation als auch der Kongregation der Inquisition, schrieb deshalb am 12. Dezember 1912 an den Kardinal Luçon von Reims: „Im Folgenden fasse ich zusammen, was ich anhand seriöser Informationen über die Angelegenheit des Geheimnisses von La Salette im Hinblick auf die römischen Kongregationen, den Index und das Heilige Offizium in Erfahrung bringen konnte: 1. Das Geheimnis von La Salette wurde von den Heiligen Kongregationen in Rom niemals direkt und formell verurteilt. 2. Zwei Bücher von Herrn Gilbert-Joseph-Émile Combe wurden vom Index verurteilt (…). Diese Verurteilungen betreffen unmittelbar und ausdrücklich die beiden von Herrn Combe verfaßten Bücher und keineswegs das Geheimnis.“ Die Verurteilung bezog sich lediglich auf die Kommentare des Abbés, nicht das Geheimnis selbst. In der Tat hatte der Abbé sich zu einigen sehr unklugen Aussagen und unseriösen Auslegungen hinreißen lassen; so hatte er beispielsweise nach Art der „ernsten Bibelforscher“ ein genaues Datum angegeben, wann die prophezeiten Ereignisse eintreten würden, und war damit ebenso gescheitert wie diese. Solche Dinge bergen immer die Gefahr, die Prophetie selber unglaubwürdig zu machen. Das Verbot der Bücher war demnach ganz im Sinne der wahren Botschaft, nicht gegen sie.

Der dritte Versuch

Die Gegner starteten also einen dritten Versuch im Jahr 1915. Kardinal de Cabrières, der Erzbischof von Nîmes, weilte in Rom und nutzte die Gelegenheit, erneut auf eine Verurteilung der Broschüre von 1879 zu dringen. Daraufhin erschien in den „Acta Apostolicae Sedis“ ein Dekret des Heiligen Offiziums mit Datum vom 21. Dezember, welches alle Gläubigen aufforderte, „das betreffende Thema nicht zu behandeln und zu erörtern, und zwar unter keinem Vorwand und in keiner Form, sei es in Büchern, Broschüren oder Artikeln – ob namentlich oder anonym verfasst – oder auf sonstige Weise“. Für Widersetzlichkeit wurde die Strafe des Interdikts bzw. der Suspension angedroht (vgl. Verbotene Bücher). Das Dekret trägt keine Signatur eines Kardinals, sondern nur die des „Notars“ Louis Castellano. Eigentlich hätte es zumindest vom Sekretär des Heiligen Offiziums, Kardinal Merry del Val, oder einem stellvertretenden Bischof unterzeichnet sein müssen. Es weist noch einige andere „Formfehler“ auf.

Vor allem aber verurteilt dieses Dekret in keiner Weise die Broschüre von 1879 im allgemeinen noch das „Geheimnis“ im besonderen. Wie Henri Dion, ein Historiker, festgestellt hat: „Das Dekret, das in keiner Weise an die eher empfehlenden als verbindlichen Vorschriften von Kardinal Caterini erinnert, verbietet weder die Verbreitung noch das Lesen des Geheimnisses, noch gar die Darstellung der Entstehungsgeschichte dieses nicht verurteilten Textes. Es verbietet lediglich, die Frage zu behandeln und zu diskutieren, das heißt, so scheint es, dem Text selbst irgendeine Erklärung oder einen Kommentar hinzuzufügen.“ „Genau diese Haltung hatte Abbé Combe die Verurteilung seiner beiden Bücher eingebracht“, fügen die „Fatima-Freunde“ hinzu. Jacques Maritain, damals Professor am Katholischen Institut von Paris, verfaßte eine Studie über den Geist und Inhalt des Dekrets, die er am 2. April 1918 bei einer Privataudienz Papst Benedikt XV. überreichte. Der Papst soll ihm bei dieser Gelegenheit anvertraut haben: „Das Geheimnis muß im wesentlichen göttlichen Ursprungs sein.“ Jedenfalls hatte das Dekret von 1915 das Verdienst, dem Mißbrauch von Publikationen und Interpretationen des Geheimnisses von La Salette ein Ende zu setzen. Der Liebe Gott schreibt eben auch auf krummen Zeilen gerade.

Die Fälschung

Weniger zufrieden waren naturgemäß die Gegner Unserer Lieben Frau von La Salette und ihrer Botschaft. Um dem ganzen Streit endgültig ein Ende zu machen, erschien im Jahr 1922 ein kleines Bändchen, das den Titel trug: „Die Erscheinung der Allerheiligsten Jungfrau auf dem heiligen Berg von La Salette am Samstag, dem 19. September 1846 – Einfacher Nachdruck des vollständigen Textes, der von Mélanie mit dem Imprimatur Seiner Exzellenz, Monsignore Sauveur-Louis, Graf Zola, Bischof von Lecce, im Jahr 1879 veröffentlichten vollständigen Textes, gefolgt von einigen Belegen – Das Ganze veröffentlicht mit dem Imprimatur von P. A. Lépidi, O.P., Leiter des Päpstlichen Palastes, ständiger Assistent der Indexkongregation, erteilt in Rom am 6. Juni 1922.“ Wie der Titel bereits andeutet, bestand das Büchlein aus der Broschüre der Mélanie von 1879, sechs Briefen von Mgr. Zola, einem Brief von Mgr. Petagna sowie einigen Erläuterungen zum Brief von Kardinal Caterini, zu den Indexierungen von 1901 und 1907 sowie zum Dekret vom 15. Dezember 1915.

Einige Monate später erfolgte die Verurteilung eines Büchleins mit demselben Titel, aber einigen bemerkenswerten Abweichungen: Statt der Jahreszahl der Erscheinung 1846 wurde 1845 angegeben, das Imprimatur von P. Lépidi wurde weggelassen. Das Dekret, ebenfalls nur von „Louis Castellano, Notar des Heiligen Offiziums“ unterzeichnet und datiert vom 10. Mai 1923, wurde in den „Acta Apostolicae Sedis“ veröffentlicht. Tatsächlich wurde damit nicht die Broschüre von 1922 verurteilt, sondern eine Fälschung des Doktor Grémillon. Dieser hatte tausend Exemplare im selben Format und mit demselben Inhalt wie das ursprüngliche Büchlein von 1922 drucken lassen, hatte diesem jedoch einen Text von einem guten Dutzend Seiten hinzugefügt, welcher vom 2. Februar 1923 stammte, etliche absurde Thesen über die Kirche vertrat und mit dem Pseudonym „Dr. Henry Mariavé“ unterzeichnet war. Er hatte seine verfälschte Broschüre einem großen Teil des französischen Klerus zugesandt, was einige Aufregung verursachte. Die Versammlung des Heiligen Offiziums, auf welcher jenes Buch verurteilt wurde, fand in Abwesenheit des erkrankten P. Lépidi statt, der die Sache sonst sicherlich richtiggestellt hätte. Dieser jedoch hielt sein Imprimatur von 1922 stets aufrecht.

Fünfte und letzte Attacke

So erfolgte endlich die fünfte und letzte Attacke im Jahr 1957. Am 8. Januar jenes Jahres schickte Kardinal Pizzardo, Sekretär des Heiligen Offiziums, einen Brief an P. Francesco Molinari, den Generalprokurator der Kongregation der Missionare von La Salette. Darin schrieb er, wobei er sich auf das Dekret vom Mai 1923 stützte: „Ich halte es für meine Pflicht, Ihnen mitzuteilen, daß diese Oberste Kongregation die oben genannte Schrift ‚Die Erscheinung der Allerheiligsten Jungfrau auf dem Berg La Salette‘, das die Fassung des Geheimnisses von 1879 enthält und von der Gesellschaft des Heiligen Augustinus herausgegeben und verbreitet wurde, durch das zitierte Dekret geprüft und verurteilt hat. (Heiliges Offizium, 8, I, 1957).“ Er fügte hinzu, daß diese Verurteilung auch „ohne den Brief des Doktor Mariavé“ Geltung habe. Damit bestätigt er im Grunde, daß die Verurteilung nicht der ursprünglichen Broschüre, sondern der gefälschten Ausgabe des Doktors galt. Gründe dafür, warum dies nun rückwirkend auch für die eigentliche Broschüre gelten solle, nennt er keine. Er erklärt auch nicht, warum das Büchlein im Jahr 1922 ein Imprimatur erhalten hatte, das nie widerrufen wurde.

„Der Brief kann nicht als ein kanonisches Urteil betrachtet werden“, statuieren die „Fatima-Freunde“. Das ist richtig. Es handelt sich um einen privaten Brief des Kardinals und seine persönliche Einschätzung, die sich lediglich auf ein früheres Urteil über ein anderes Buch stützt. Um Gesetzeskraft zu erhalten, hätte ein offizieller Beschluß auf einer Versammlung der Kongregation des Heiligen Offiziums gefaßt werden müssen, der schließlich als Dekret in den Akten des Apostolischen Stuhles veröffentlicht worden wäre. Das war nicht der Fall. „Dieser Brief von Kardinal Pizzardo gibt also lediglich eine private Einschätzung wieder, die im Widerspruch zu all den positiven Bewertungen steht, die das Geheimnis anderweitig erhielt.“

Fazit

Fünfmal also haben die Gegner von La Salette versucht glauben zu machen, daß das Geheimnis der Mélanie, wie es in der Broschüre von 1879 mit dem Imprimatur des Bischofs von Lecce enthalten ist, verurteilt worden sei. Eine genaue Analyse der entsprechenden Dokumente zeigt jedoch die Nichtigkeit dieses Vorwurfs. „Einzig die Kommentare über das Geheimnis, die ohne Anordnung des Heiligen Stuhls oder ohne dessen Zustimmung gemacht wurden, werden verurteilt, wie es bei den Veröffentlichungen von Abbé Combe und Dr. Mariavé der Fall war. Das Geheimnis von Mélanie hingegen erhielt die Zustimmung von mindestens drei Päpsten (Pius IX., Leo XIII. und Benedikt XV.) sowie einer großen Zahl von Kardinälen oder Bischöfen, von denen einige inzwischen seliggesprochen wurden.“ So schließt der Verfasser Yves de Lassus den Brief der „Fatima-Freunde“.

Es ist erstaunlich, wie hartnäckig sich solche falschen Anschuldigungen (vulgo „fake news“) halten. Noch nach hundert Jahren und mehr tauchen sie ganz unverändert bei einem Mann wie Herrn Neidhart wieder auf, als ob es nie irgendwelche Untersuchungen, Präzisierungen und Widerlegungen gegeben hätte. Noch erstaunlicher ist, daß es heute ausgerechnet die „traditionellen Katholiken“ sind, die sich auf die Seite der Gegner von La Salette stellen. Bei den „Traditionalisten“ wundert es uns nicht, sind sie doch die legitimen Nachfahren der „liberalen Katholiken“, und noch weniger bei den Lefebvristen mit ihrem unleugbar gallikanischen Erbe (obwohl Erzbischof Lefebvre selber, wie wir noch einmal betonen wollen, ein Befürworter von La Salette war). Sehr bemerkenswert aber ist, daß sich neuerdings auch „Sedisvakantisten“ zu dieser feindlichen Front schlagen.

Wichtigkeit der Botschaft

Einige der erbittertsten Gegner von La Salette haben ein merkwürdiges Schicksal gehabt, wie P. Weinzierl aufgefallen ist. Doch nicht das ist der Grund, warum wir als Katholiken festhalten an der Botschaft, die Unsere Liebe Frau von La Salette uns in ihrer Barmherzigkeit durch Mélanie hat zukommen lassen. Wir stützen uns dabei wie immer nur auf die Sicherheit, welche die Kirche uns gibt. Erstens wissen wir dank der kirchlichen Anerkennung mit Gewißheit, daß die Erscheinung vom 19. September 1846 echt war und es wirklich die Muttergottes gewesen ist, die sich den Kindern zeigte und zu ihnen sprach. Zweitens haben wir einen authentischen und durch kirchliches Imprimatur doppelt bestätigten Bericht der Seherin Mélanie über das geoffenbarte „Geheimnis“. Drittens wäre es vollkommen abwegig zu glauben, daß die Himmelskönigin auf diese Erde herabkommt und sich ausgerechnet einem Mädchen mitteilt, das sich dann mit einer erfundenen Geschichte von „verschiedenen teilweise fantastischen Ausschmückungen, die später als die angeblichen Geheimnisse veröffentlicht oder genannt wurden“, wichtigtun würde. Wenn die Erscheinung echt war, ist auch die Botschaft im Wesentlichen echt. Das ist die einzig logische Konklusion, zumal sich in dem „Geheimnis“ nur Aussagen von einer solchen Tiefe und einem so profunden prophetischen Gehalt finden, wie sie ein Mädchen wie Mélanie oder ein Junge wie Maximin sich unmöglich hätten ausdenken können.

Wenn es aber so ist – und es kann kein Zweifel bestehen, daß es so ist – dann wollte die Muttergottes, daß wir ihre Botschaft hören. Wieso käme die Königin extra vom Himmel und würde so viele Worte machen (uns scheint, sie habe nie so viel gesprochen wie in jener „Großen Botschaft“ von La Salette), wenn es nicht für die Katholiken von größter Wichtigkeit wäre, was sie uns zu sagen hat? Gerade für uns, die wir in diesen apokalyptischen Zeiten voller Schrecken und Verwirrung leben und fast niemand mehr weiß, wo unten oder oben ist! Als treue Kinder Unserer Lieben Frau wollen wir daher versuchen, anhand der Schriften von Hw. P. Weinzierl tiefer in ihre Botschaft einzudringen und ein wenig zu verstehen, was unsere himmlische Mutter uns sagen will.

Fortsetzung folgt