Das Licht von La Salette - 3

In diesem Monat September des Jahres 2026 jähren sich zum 180. Mal die Ereignisse von La Salette, die für uns Katholiken, die zur „Kirche in der Zerstreuung“ geworden sind, von großer Bedeutung sind. Das weiß auch der Böse Feind, der deshalb versucht, uns dieses Mittel aus der Hand zu nehmen. Es lohnt sich daher, sich anläßlich des Jubiläums erneut und intensiv mit der Botschaft Unserer Lieben Frau von La Salette zu beschäftigen.

Die „Entdeckung“

In den Jahren 1998 bis 2000 weilte ein französischer Priester, Abbé Michel Corteville, in Rom, um seine theologische Doktorarbeit für das „Angelicum“ fertigzustellen, die über den Orden der „Missionare der Muttergottes“ von La Salette handelte. Zu diesem Zweck durchforschte er die vatikanischen Archive und stieß auf etliche Dokumente, welche die Botschaft von la Salette betreffen, insbesondere auch auf handschriftliche Belege von Mélanie. Das Ergebnis wurde in einem Buch dargelegt, das er im Jahr 2002 zusammen mit René Laurentin herausgab unter dem Titel: „Découverte du secret de La Salette“ – „Entdeckung des Geheimnisses von La Salette“.

Dieses Entdeckung bestätigte nicht nur, daß alle Berichte über das „Geheimnis von La Salette“ auf Wahrheit beruhten, sondern auch die Authentizität der „Großen Botschaft“, wenngleich es zwischen 1851 und 1879 verschiedene „Redaktionen“ derselben gegeben hat.

Die „Redaktionen“

Das „Geheimnis“ wurde mehrfach niedergeschrieben, von beiden Kindern separat, von Maximin insgesamt drei Mal, von Mélanie öfter, und jede Fassung entstand neu auf besondere Veranlassung, sodaß nicht notwendig eine auf die andere aufbaut. Demnach gab es insgesamt elf „Redaktionen“ des „Geheimnisses“ von den Seherkindern Maximin und Mélanie, von denen acht noch erhalten sind und von Corteville eingesehen wurden. Die ersten beiden, welche von Maximin und Mélanie 1851 verfaßt worden waren, wurden absichtlich zerstört, nachdem jedoch eine beglaubigte Abschrift angefertigt worden war. Die erste ausführlichere handschriftliche Version von Mélanie an Papst Pius XI. von 1858 ging verloren, jedoch hat Mélanie zwischen Ende 1859 und September 1861 eine neue angefertigt. Das war die siebte „Redaktion“. Die achte von 1878 ist eine wörtliche und vervollständigte Abschrift davon, in der Anordnung allerdings ein wenig umgestellt. Es ist diese, welche das Imprimatur von Bischof Zola erhielt und letztlich den „Stein des Anstoßes“ bildete.

Acht „Redaktionen“ sind erhalten und werden in dem Buch von Laurentin und Corteville dokumentiert: 1. Die Redaktion des Geheimnisses durch Maximin vom 3. Juli 1851, 2. die Fassung der Mélanie, ebenfalls vom 3. Juli 1851, 3. eine weitere Version von Maximin vom 11. August 1851. Auf Bitten von Bischof Ginoulhiac entstanden weitere Redaktionen: 4. eine von Maximin am 5. August 1853, 5. u. 6. zwei von Mélanie am 12. und 14. August 1853. Danach folgen die längeren Fassungen von Mélanie: 7. die verlorengegangene Version für Pius IX. vom September 1858, die jedoch von Mélanie 1860 erneut niedergeschrieben wurde, und schließlich 8. die endgültige Ausgabe von Lecce.

Es mögen diese verschiedenen „Redaktionen“ gewesen sein, welche einfache Geister wie Herrn Neidhart verwirrten und dazu veranlaßten, herablassend von „verschiedenen teilweise fantastischen Ausschmückungen“ zu faseln, „die später als die angeblichen Geheimnisse veröffentlicht oder genannt wurden (teils von den Kindern selbst)“. Tatsächlich läßt sich anhand der Texte leicht feststellen, daß es sich zweifellos um dasselbe Geheimnis handelt, nur eben in verschiedenen Versionen, die ja nach Autor, Anlaß und Auftrag bald gedrängter und bald ausführlicher ausfielen. (Wie es übrigens auch bei den vier Evangelien ist, die ja im Grunde nur ein Evangelium sind, aber in vier Varianten, was miesepetrige Kritiker wie die Modernisten ebenfalls ausgenutzt haben, unter Hinweis auf Verschiedenheiten und angebliche „Widersprüche“ die Evangelien als der Phantasie der Evangelisten bzw. der „Gemeinde“ entsprossen abzutun.)

Die Opposition der französischen Bischöfe

Wie wir schon hörten, stieß die „Große Botschaft“ von La Salette von Anfang an auf Widerstand, besonders beim französischen Klerus. Gleich nach der Herausgabe der Broschüre, im Jahr 1880, erhob sich in Frankreich eine „heftige Polemik“, wie wir dem „Lettre de liaison“ der Fatima-Freunde weiter entnehmen. Mehrere französische Bischöfe erhoben Klage gegen die Schrift der Mélanie und unternahmen Schritte, um vom Vatikan eine Verurteilung zu erwirken. „Die Veröffentlichung von Lecce, eine anspruchslose, kleine Broschüre, löste in der Tat – ebensowenig wie die Ordensregel – keinerlei Opposition bei den kirchlichen Behörden in Rom aus“, schreibt Paul Gouin in seinem Buch „Mélanie, die Hirten von La Salette“ (Stein am Rhein 1982, S. 161). Er zitiert Mélanie aus einem Brief vom 20. Juli 1894 mit den Worten: „Französische Bischöfe, unter anderen der Bischof von Nîmes, und ein weiterer, ich weiss nicht mehr von welcher Diözese, schrieben an die Heilige Kongregation der Bischöfe und Ordensleute und machten darauf aufmerksam, dass es unbedingt notwendig sei, diese Bücher (die Broschüre von Lecce) aus den Händen der Gläubigen zu nehmen und die Propaganda für solche Bücher zu verhindern, da sonst ganz Frankreich den Peterspfennig nicht mehr entrichten würde“ (ebd.).

Freilich, fügt Gouin hinzu: „Es wäre gar nicht nötig gewesen, die römische Kurie den französischen Bischöfen gegenüber milde zu stimmen; man weiss, dass das damalige Losungswort ‚Aussöhnung‘ [„Ralliement“] hiess, die Aussöhnung mit den republikanischen Regierungen und ganz besonders mit der französischen, mit Frankreich, das so lange und hartnäckig gallikanisch gewesen war [und im Grunde immer blieb] und dessen Episkopat nur durch einen Seidenfaden mit der römischen Kirche zusammenhing“ (S. 162). An anderer Stelle berichtet Mélanie über ein Erlebnis bei einem „Kongreß“, zu dem sie 1878 auf Veranlassung des Bischofs Fava von Grenoble in den Vatikan bestellt worden war, und schildert das ungebührliche Verhalten dieses Bischofs, der den zuständigen Kardinal einfach stehenließ und ging: „Allein geblieben, verlieh ich Kardinal Ferrieri gegenüber meinem Erstaunen Ausdruck über die offensichtliche Rebellion von Mgr. Fava gegen den Beschluss des Heiligen Vaters. Darauf antwortete er mir: ‚Was wollen Sie? Die französischen Bischöfe sind alle Päpste! Wir sind gezwungen, sie sachte zu behandeln, um kein Schisma heraufzubeschwören. Sie sind keine römischen Papisten. Wir nehmen sie, wie sie sind, um grosses Unheil zu vermeiden. Ach, wenn Sie wüssten, was wir mit ihnen auszustehen haben.‘“ (S. 153). Das ist der Hintergrund, auf dem die römischen „Verurteilungen“ zu betrachten sind, die – wie wir bereits andernorts angedeutet haben – rein politisch motiviert waren.

Fortsetzung folgt