Im Mai des Jahres 2017, zum hundertjährigen Jubiläum von Fatima, hat unser leider zu früh verstorbener ehemaliger Erster Vorsitzender, P. Hermann Weinzierl (R.I.P.), begonnen, für das „St.-Josefs-Blatt“, das er in Wigratzbad monatlich herausgab, eine Serie über die „Große Botschaft“ Unserer Lieben Frau von La Salette zu verfassen. Wir haben die dabei entstandenen Texte zwischen dem 2. Mai 2017 und dem 6. Mai 2018 auch im Internet auf unserer Seite dokumentiert. Anläßlich des 180. Jubiläums der Erscheinungen von La Salette in diesem Jahr und diesem Monat wollen wir uns ausführlicher damit beschäftigen.
Leider ist es inzwischen in „traditionellen“ Kreisen Mode geworden, im Zuge des Pendelausschlags von einem übertriebenen „Apparitionismus“ zu einer an sich berechtigten, aber übergroß geratenen Vorsicht gegenüber „Privatoffenbarungen“ zu wechseln, die sogar so weit geht, kirchlich anerkannte große Erscheinungen wie Fatima oder La Salette zu leugnen oder lästerlicherweise gar dem Teufel zuzuschreiben. Daß daran nur einer seine Freude haben kann, steht fest: der ewige Widersacher der seligsten Jungfrau, die „Alte Schlange“ selbst. Das ist sehr bedauerlich, denn gerade die Botschaften von La Salette und Fatima, die übrigens ganz in einer Linie liegen, sind offensichtlich dazu gedacht, uns Katholiken in dieser verwirrenden und nicht anders als apokalyptisch zu nennenden Zeit als Hilfe und Orientierung zu dienen. Daß der Böse Feind, der stets im Trüben und in der Verwirrung fischt, uns diese Klarheit rauben will, kann uns nicht verwundern.
Prophetenlose Zeit
„Leben wir nicht in einer prophetenlosen Zeit? Einer Zeit, in der die Stimme Gottes verstummt scheint?“ Mit dieser Frage begann P. Weinzierl seine Serie und fuhr fort: „Je mehr aber Gott schweigt, desto mehr drängt sich der Teufel in den Vordergrund. Die wahren Propheten scheinen ausgestorben, die falschen Propheten dagegen schießen wie die Pilze aus dem Boden. Wie viele Botschaften werden unter den Gläubigen herumgereicht, Botschaften, die das Durcheinander nur immer größer machen und noch den letzten Rest von gesundem Menschenverstand zum Verschwinden bringen?“ Heute haben die falschen Propheten die Taktik gewechselt und versuchen die wahre Prophetie nicht nur durch ihr Unkraut zu überwuchern, sondern greifen sie direkt an unter dem Vorwand besonders frommer Glaubens- und Kirchentreue. Der Diabolos, der „Durcheinanderwerfer“, hat seine helle bzw. dunkle Freude daran, wenn man seine eigenen finsteren Machenschaften für göttliche Offenbarung, echte himmlisches Erscheinungen hingegen für sein Werk hält.
„Als Katholik fragt man sich darum häufig: Woher darf ich noch Hilfe erwarten? Wo finde ich noch die göttliche Wahrheit unverfälscht? Wie notwendig wären gerade in dieser Situation kirchliche Entscheidungen, die inmitten all der vielen Irrtümer, die den hl. Glauben zerstören, dem Katholiken ein sicheres Urteil schenken. Aber genau das fehlt uns heute, da der Stuhl Petri leer ist. Die Gefahr der geistigen Verwirrung und Verirrung in dieser papstlosen Zeit ist ungeheuer groß. Es bleibt uns Katholiken nur eine Möglichkeit, wir müssen uns auf das allzeit Bewährte stützen und auf das von der Kirche Anerkannte und Abgesicherte zurückgreifen.“ Und eben das will der Feind alles Guten uns nun auch noch wegnehmen.
Die große Botschaft von La Salette
„Eine der bedeutendsten Prophetien für unsere Zeit ist die große Botschaft von La Salette. In dieser hat die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf die entscheidenden Gefahren für den Glauben und das ewige Leben aufmerksam gemacht, die ihren Kindern in der anbrechenden apokalyptischen Zeit bevorstehen. Die Prüfungen in diesen kommenden Jahrzehnten werden immer größer werden, die Versuchungen immer versteckter und allgemeiner, so daß schließlich nur noch ein ganz kleiner Rest an treuen Katholiken übrigbleiben wird.“ Das ist zweifellos bereits der Fall, wobei dieser Rest in den seither vergangenen knapp zehn Jahren noch erschreckend abgenommen hat, zumal sich immer mehr die Spreu vom Weizen trennt.
„Die große Botschaft von La Salette ist ohne Schwierigkeit als eine Lese- und Verstehenshilfe der Geheimen Offenbarung des hl. Johannes zu erkennen. Die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria gibt uns selbst in dem Augenblick den Interpretationsrahmen für das letzte Buch der hl. Schrift, da diese furchtbare Zeit anbricht. Auffallend ist nun aber schon vorneweg, daß dies fast niemand erkannt hat, ja daß der ganzen Botschaft eine weitgehende Zurückweisung entgegengebracht wurde, vor allem vom Klerus der Kirche.“ Wie viel mehr gilt das heute, da selbst die „traditionellen“ Gläubigen diese Zurückweisung teilen.
Ablehnung und Zurückweisung
Vor einigen Jahren wandte sich ein führender lefebvristischer Vorzeige-„Ekklesiologe“ – ganz entgegen der Haltung seines großen Meisters Lefebvre, der fest an Unsere Liebe Frau von La Salette glaubte und sich mehrfach in öffentlicher Rede auf die Worte ihrer Botschaft berief – vehement gegen die „Große Botschaft“ von La Salette, nannte ihre Formulierung, wenn man sie im strikten Sinne nehme, zumindest „verwegen“ und „beleidigend“, wenn nicht sogar zur Häresie führend, suggeriere sie doch die Leugnung des Dogmas von der Indefektibilität der Kirche. Ja, er verstieg sich so weit, unter Berufung auf den heiligen Thomas von Aquin, der davor warnte, Ausdrücke von Häretikern zu verwenden, damit man nicht deren Häresie zu begünstigen scheine, daran zu erinnern, daß Luther der erste gewesen sei, der Rom als „Sitz des Antichristen“ bezeichnet habe, weshalb der im Geheimnis der Mélanie verwendete Ausdruck inakzeptabel und unzulässig sei. Man möchte kaum glauben, wie impertinent „Theologen“ selbst der Muttergottes gegenüber werden können, wenn sie sich für allzu gescheit halten. Wir hingegen können nur sagen, daß es wohl keine Beschreibung unserer heutigen Situation gibt, die präziser, tiefer und theologischer wäre als die Botschaft von La Salette, ja keine, die uns überhaupt solche Klarheit vermittelt oder geben kann.
Kein Wunder, daß sich so großer Widerstand der Finsternis gegen dieses helle Licht erhob, wie P. Weinzierl bemerkt: „Blickt man nach nunmehr fast 171 [heuer 180!] Jahren auf die Erscheinungen von La Salette, so muß man vor allem eines feststellen, die Botschaft von La Salette wurde wie keine andere von den meisten abgelehnt.“ Er bezieht sich auf den Schriftsteller Léon Bloy, der „sein ganzes Leben lang aufmerksam machte“ auf die „Verleumdungen der Seherkinder, besonders Melanies“. „Der letzte Grund für all die Feindseligkeiten den Seherkindern gegenüber war der Unglaube. Die Botschaft von La Salette ist kein Zuckerschlecken, sondern die Beschreibung einer unvorstellbaren Tragödie, die sich am Ende der Zeiten ereignen wird, weil die Menschen Gott und Seine Gebote vollkommen vergessen.“ Der Pater gibt zu bedenken: „Es ist doch erschreckend und zugleich entlarvend: Die himmlische Mutter weint und ihre Kinder beschweren sich darüber, daß sie gar so ernste, ja drohende Worte spricht.“ Der Grund ist der, daß sich leider „die Bereitschaft zu Buße und Umkehr nur noch selten in den Herzen der Katholiken“ findet, heute weniger denn je. „Die Botschaft von La Salette findet deswegen vielfach nur noch taube Ohren und wird weitgehend einfach ignoriert [wenn nicht bekämpft] werden, so daß sich die angekündeten Strafgerichte Schlag auf Schlag erfüllen werden.“ Einiges davon ist inzwischen schon in Erfüllung gegangen, denken wir nur an die beiden Weltkriege.
Am Ende der Zeiten
„Durch die Botschaft von La Salette wissen wir, wir stehen inzwischen am Ende der Zeiten. All die gewaltigen und beängstigenden Ereignisse, die in der Geheimen Offenbarung des hl. Johannes, wenn auch verschlüsselt, so doch überaus deutlich angekündigt werden, werden vor unseren Augen mehr und mehr Wirklichkeit. Schon vor nunmehr fast 171 [bzw. 180] Jahren hat unsere himmlische Mutter uns darauf aufmerksam gemacht, das Ende der Zeiten ist angebrochen. Wir stehen inzwischen inmitten dieser größten Prüfungszeit der Heilsgeschichte. Aber, wie wir gehört haben, wollte fast niemand auf die weinende himmlische Mutter hören“ und wollen es immer weniger. Der Grund liegt in dem, „was uns Maria sagen möchte: Nur derjenige wird siegen, der bereit ist, den vollen Einsatz zu bringen, denn Gott fordert alles“. Kurz, es werden Opfer von uns verlangt, und zum Opfern ist der Mensch, zumal der „moderne“, höchst ungern bereit. Deswegen mußte ja in der „konziliaren“ Menschheitskirche das Meßopfer abgeschafft und durch eine „Mahlfeier“ ersetzt werden.
Es ergeht dem Wort der Muttergottes, wie es dem Wort Gottes selber erging: „In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht erfaßt. Es war das wahre Licht, welches jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht worden, und die Welt hat ihn nicht erkannt. Er kam in sein Eigentum, und die Seinigen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, denen nämlich, die an seinen Namen glauben, welche nicht aus dem Geblüte, auch nicht aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind“ (Joh 1, 4-5. 9-13). So kam auch Unsere Liebe Frau von La Salette in die „Finsternis“, um ihrem Volk das Licht zu bringen, doch die „Ihrigen nahmen sie nicht auf“. Die sie aber aufnahmen, denen gibt sie die „Macht, Kinder Gottes zu werden“.
Fortsetzung folgt