Grabenbruch 2 - Reaktionen

Am Fest Maria Lichtmeß, dem 2. Februar dieses Jahres, gab der Vorsitzende der „Piusbruderschaft“ bekannt, daß seine Gemeinschaft für den kommenden 1. Juli die Weihe neuer Bischöfe plant. Erste Reaktionen sind bereits da, und wie wir vermutet hatten, bleiben die großen seismischen Katastrophen aus.

„Internationale Föderation Una Voce“

Die „Internationale Föderation Una Voce“ (FIUV) gab eine offizielle Stellungnahme ab, unterzeichnet von ihrem „Präsidenten“ Joseph Shaw, ihrer „Vizepräsidentin“ und Schatzmeisterin Monika Rheinschmitt und ihrem „Sekretär“ Andris Amolins. Darin heißt es: „Una Voce International und die Latin Mass Society“ hätten „mit Besorgnis die Ankündigung des Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X.“ vernommen, „daß die SSPX am 1. Juli dieses Jahres Bischofsweihen durchführen wird“. Ihr „inniger Wunsch“, der von vielen „Katholiken guten Willens“ geteilt werde, sei eine „kanonische Regularisierung der Piusbruderschaft, damit ihre zahlreichen guten Werke die größtmöglichen Früchte tragen können“. Doch nach der Ankündigung vom 2. Februar müsse man vermuten, daß „dieses Ergebnis in weiterer Ferne liegt, als es viele Jahre lang schien“. Das war freilich von Anfang an eine Illusion, denn dazu hätte die „Piusbruderschaft“ bereit sein müssen, sich zu bewegen statt zu „bleiben, wie wir sind“.

Weiter schreibt die „FIUV“, die angegeben wird als die „größte internationale Organisation von diözesanen Katholiken, die der traditionellen Messe anhängen“: „Wir teilen das Ziel der Piusbruderschaft, daß die alte Liturgie der Kirche zum Wohl der Seelen so weit wie möglich zugänglich gemacht werden soll. Wir teilen jedoch nicht die Analyse der Piusbruderschaft hinsichtlich der Krise der Kirche in allen Einzelheiten. Insbesondere kennen wir viele Katholiken, die mit allen erforderlichen Genehmigungen der kirchlichen Hierarchie die traditionelle Messe besuchen können und es daher nicht nötig haben, sie in einem irregulären Umfeld zu suchen.“ Tja, das ist der Erfolg von Ratzingers „Summorum Pontificum“, das die „Piusbruderschaft“ ihres Monopols beraubte und ihr damit einen Teil ihrer Existenzberechtigung nahm. Die „alte Messe“ konnte man fortan auch im „legalen“ Rahmen finden.

Andererseits wissen die Damen und Herren von der „Föderation“ aber auch, daß für einige andere der Zugang zur „traditionellen Messe“ recht schwer gemacht worden sei, und das trotz des Wunsches „qualifizierter Priester“, sie für die Gläubigen zu feiern, und bisweilen sogar trotz der Bereitschaft des Ortsbischofs, dies zu erlauben. Das dürften die Früchte von „Franzls“ Bemühungen sein, die „TLM“ wieder einzudämmen. „Das schafft eine Umgebung, in welcher das Argument der Piusbruderschaft von einem ‚Notstand‘ auf Sympathie stößt.“ Das war der Grund, warum selbst wenig „traditionsfreundliche“ „Bischöfe“ Bergoglio bei seiner Befragung für „Traditionis custodes“ geantwortet hatten, man solle die Dinge lieber im gewohnten Rahmen weiterlaufen lassen, um die Gläubigen nicht in die Arme der „Piusbruderschaft“ zu treiben.

Die „Una Voce“ schließt mit einem Aufruf an „unsere Bischöfe“ und „vor allem Seine Heiligkeit Papst Leo XIV.“, sich „dieser pastoralen Realitäten bewußt zu sein, die derzeit eine Krise heraufbeschwören, deren Folgen niemand vorhersagen kann“. Schließlich, so endet die Epistel, sei das, was „Katholiken, die dem ‚früheren Messbuch‘ verbunden sind, wünschen“, keine „schädliche oder neuartige liturgische Form“, habe doch „Papst Johannes Paul II.“ ihr „Verlangen nach diesem Messbuch“ in „Ecclesia Dei“ von 1988 als „berechtigtes Anliegen“ abgesegnet, „und später beschrieb Papst Benedikt XVI. es als Quelle des ‚Reichtums’ (Brief an die Bischöfe, 2007)“.

Das Anliegen der „Una Voce“ ist klar. Sie wollen vor allem für sich selber Gewinn herausschlagen. Für die schlichten Tradis vom Schlage eines Mr. Shaw sieht die Sache ganz einfach aus. Man muß nur jenen, welche die „TLM“ wünschen, ein möglichst breit gestreutes Angebot an solchen Messen in allen „Diözesen“ der „Konzilskirche“ liefern, dann sind sie zufrieden. Dieses Ziel verfolgt die „FIUV“ von Anfang an, und das versucht sie nun einmal mehr aus „Papst“ und „Bischöfen“ herausholen. Dann braucht sich nur noch die „Piusbruderschaft“ in diesen Zirkus zu integrieren, und schon gibt es kein Schisma und kein „Notstands“-Gerede mehr. Ob Prevost die Dinge auch so simpel sieht, darf bezweifelt werden.

„WM Review“

Die lefebvristische, zwischen „Pius-Widerstand“ und dem seltsamen Phänomen des „Lefebvre-Sedisvakantismus“ oszillierende „WM Review“ zeigte sich von der Ankündigung des „Pius-Oberen“ begeistert und fühlte wohlige Erinnerungen an die legendäre „Operation Überleben“ von 1988 (und deren Ableger von 1991, wie eigens betont, als drei der „Pius“-Bischöfe für die Priestergemeinschaft des verstorbenen Bischof de Castro Mayer einen Bischof weihten) wach werden. Auch die „WM Review“ hält es für wenig wahrscheinlich, daß es deswegen zu größeren Abspaltungen kommen wird, wie dies noch vor 38 Jahren der Fall war.

Obwohl der Autor S.D. Wright die „Argumente dafür, Bischöfe gegen päpstliches Mandat zu weihen“, für „nicht völlig überzeugend“ hält, so muß er doch darauf bestehen, daß „Leo XIV.“ nicht „der legitime römische Pontifex“ sei und eine Vakanz des Heiligen Stuhles seit „ungefähr der Zeit von Paul VI.“ bestehe. Das ist unsicher und vage genug. Einige Personen, so weiß Mr. Wright, seien der Ansicht, daß Bischofsweihen, die ohne oder gegen den Willen des Mannes vorgenommen werden, der fälschlich als Papst angesehen werde, moralisch gleich zu werten seien wie jene, die ohne oder gegen den Willen eines wahren Papstes durchgeführt werden. Damit, so sagen diese Leute, seien solche Konsekrationen mit dem Makel des Schisma behaftet, zumindest in einem subjektiven Sinn.

Er aber sage: Unter „normalen Umständen“ könne man dies schwerlich bestreiten. Doch – zum Glück – befinden wir uns nicht in „normalen Umständen“, sondern in „extrem verwirrenden Umständen“. Und da scheine es nun angebracht, daß man – „ungeachtet der Möglichkeit, daß wichtige Punkte der katholischen Lehre rund um das Papsttum verschleiert werden“ – denjenigen, die das Notwendige tun wollen, „Spielraum“ einräume, „auch wenn man mit wesentlichen Teilen ihrer Begründung nicht einverstanden ist“. Ja, Mr. Wright ist ein wahrer briitscher „Sportsman“, dem „Fairneß“ mit dem Gegner über alles geht.

Nun ist – ganz gleich ob unter „normalen“ oder „extrem verwirrenden Umständen“ – ein Schisma leider ein Schisma und bleibt das auch, selbst wenn es im guten Glauben vollzogen wird, „das Notwendige“ zu tun. Wie E. Michael Jones einmal in einer Diskussion mit Michael Davies – der vor einigen Jahrzehnten der Vorgänger des Mr. Shaw als „Präsident“ der „Una Voce“ gewesen ist und bei jener Diskussion ähnliche Argumente vorbrachte wie Mr. Wright – sehr richtig ausführte: „Die subjektiven Absichten Erzbischof Lefebvres mögen ihm vor dem Richterstuhl Gottes mildernde Umstände eintragen, (…) aber das ändert nicht die objektive Schwere dessen, was er hienieden getan hat. Es ändert nicht die Tatsache, daß sein Handeln schismatisch war nach was immer für einer vernünftigen Definition des Begriffs.“ Dabei spielt es auch keine Rolle, ob die Person, die er für den Papst hielt, tatsächlich Papst war oder nicht. Allein die Tatsache, daß er sich dem Befehl dessen widersetzt hat, den er für den Papst hielt, macht das Schisma aus, und zwar im objektiven, nicht „im subjektiven Sinn“. Das einzige, was Lefebvre vom Vorwurf des Schisma hätte befreien können, wäre sein Bekenntnis gewesen, daß „Johannes Paul II.“ gar nicht Papst war und er in diesem Bewußtsein gehandelt habe.

Mr. Wright aber zeigt sich alles in allem höchst erfreut über den geplanten Schritt der „Piusbruderschaft“, freilich unter der Voraussetzung, daß die für das Episkopat vorgesehenen Männer im Besitz einer zweifellos gültigen Priesterweihe seien. Denn es sei bekannt, daß eine kleine Anzahl von „Pius“-Priestern oder -Mitarbeitern nach dem „neuen Ritus“ von „Paul VI.“ (ist er sich da sicher, daß es nicht „ungefähr Paul VI.“ war?) oder von nach den „reformierten Riten“ desselben „konsekrierten Bischöfen“ geweiht worden sei. Aber da meinen wir ihn beruhigen zu können, denn die „Piusbruderschaft“ zieht für derlei wichtige interne Positionen in der Regel ihre im eigenen Pflanzhaus gezüchteten „Gewächse“ vor.

Die „WM Review“ ruft abschließend die Leser zum Gebet für alle Beteiligten auf und bietet Lefebvre-Fan-Becher zum Verkauf an, die neben einem Bild des frommen Prälaten mit einigen seiner „sedisvakantisierenden“ Sprüche geziert sind, und deren Erlös einen willkommenen Beitrag zum Erhalt der „Review“, deren Emblem die andere Seite des Bechers ziert, leisten dürfte. Den „Lovely Lefebvre Mug“ gibt es in verschiedenen Größen zum Preis von 10,24 bis 14,16 EUR. Unbedingt zugreifen, solange der Vorrat reicht!

Der „Remnant“

Michael Matt vom „Remnant“ hegt die Befürchtung, daß viele Gläubige „fast alles“, was mit der Entscheidung des „Pius-Generaloberen“ zusammenhängt, „mißverstehen“ könnten. Dabei müsse „denjenigen, die die Position der Piusbruderschaft ehrlich verstehen wollen, eines ganz klar werden: Die Entscheidung wurde durch die fromme Absicht motiviert, zum Wohl der Seelen und der Kirche zu handeln“. Das mag sein, aber mindestens ebenso ausschlaggebend dürfte die Absicht gewesen sein, den Fortbestand der „Piusbruderschaft“ als „Eigenkirche“ zu sichern.

Mr. Matt greift einige „Perlen“ aus den Worten des „Pius-Generals“ auf, als erste die, daß die katholische Kirche nicht „in den Wolken“ existiere. Man dürfe sich nicht in eine abstrakte Vision der Kirche flüchten, sondern müsse das „wirkliche Leben der Katholiken“ betrachten, um die Notwendigkeit von Bischofsweihen „ohne die Approbation Roms“ zu evaluieren. Da stelle man nun fest, daß „Rom“ für alle Platz habe, nur eine Gruppe sei nicht willkommen: „Jene, die aufrichtig den katholischen Glauben praktizieren wollen, wie er vor dem II. Vatikanum praktiziert wurde.“ Das sei eine völlige Verdrehung der Ordnung und müsse jedem unvoreingenommenen Beobachter als gänzlich ungerecht und unsinnig erscheinen. Finden wir nicht. Für uns ist es ein ganz klares Indiz, daß dieses „Rom“ nicht das katholische ist, sondern in betrügerischer Weise dessen Platz einnimmt, weshalb es alles haßt und fürchtet, was daran erinnern könnte. Für Matt aber ergibt sich daraus, daß man dem „Pius“-Vorsitzenden schlecht widersprechen könne, „ohne implizit einen Realitätszustand zu billigen, der selbst unermeßlich problematischer ist als die Reaktion der Piusbruderschaft auf diese Realität“. Das Schisma als geringeres Übel sozusagen.

Die nächste „Perle“ – wir hätten darauf wetten können – ist das „höchste Gesetz der Kirche: das Heil der Seelen“. Nichts anderes als dies habe bereits Lefebvre bei seinen schismatischen Weihen 1988 im Sinn gehabt. Das „Heil der Seelen“ stehe über allen anderen Gesetzen. Das ist richtig, aber nicht in dem Sinn, daß man um des „Heils der Seelen“ willen alle übrigen Gesetze verachten kann. Vielmehr dienen diese Gesetze alle dem Heil der Seelen und sind daher streng einzuhalten. In einigen besonderen Fällen – besonders in einer Notsituation wie heute – kann oder muß vielleicht „Epikie“ angewendet werden, d.h. man muß eine Gesetzeslücke auffüllen; das ist aber nur dann statthaft, wenn der Gesetzgeber nicht gefragt werden kann, wie in diesem speziellen Fall zu verfahren sei. Lefebvre aber konnte seinen „Papst“ fragen und hat es auch getan und seine Antwort bekommen. Trotzdem hat er im Ungehorsam Bischöfe geweiht. Ein Schisma aber ist nie zum „Heil der Seelen“.

Dritte „Perle“: der „Notstand“, der „noch heute“ existiere. Leider hat sich die „Piusbruderschaft“ bis heute keine Mühe gegeben, diesen „Notstand“ genau zu definieren. Matt sieht den „Notstand“ dadurch bestätigt, daß „Rom“ immer noch nicht bereit sei, die „Bitten der Piusbruderschaft, ihre unverzichtbare Arbeit im Dienste der Kirche fortzusetzen“, zu gewähren. Der „Notstand“ besteht demnach darin, daß „Rom“ nicht willens ist, die „Piusbrüder“ einfach machen zu lassen, was diese wollen. Ein solcher „Notstand“ endet logischerweise im Schisma, rechtfertigt es aber nicht.

In der vierten „Perle“ wird es vollends geschmacklos. Es ist der Bezug, den der „Pius“-Vorsitzende zwischen ihrem schismatischen Vorhaben und dem für dieses geplanten Datum zieht, dem 1. Juli, Fest des Kostbaren Blutes Christi. (So wie die „Piusbrüder“ auch seinerzeit, am 07.07.07, als Joseph Ratzingers „Motu aller proprios“ erschien, sofort die Verbindung zum „Monat vom Kostbaren Blut“ herstellten.) Mr. Matt hat keinen Zweifel daran, daß die „Piusbruderschaft“ mit ihren Weihen nichts anderes im Sinn habe, als das Kostbare Blut den Seelen zu bringen, „wie es die Kirche seit zweitausend Jahren getan hat“. Wer sich in den kommenden Monaten ihrem Vorhaben kritisch entgegenstelle, müsse wissen, daß er sich mit jenen gemein mache, die derzeit in „Rom“ eine völlige Verachtung für das Kostbare Blut des Heilands zeigten.

Tut uns leid, zu diesen frevelhaften Gesellen gehören auch wir. Wir glauben nicht so recht an den Ernst der „Piusbrüder“ und ihren Eifer für das Kostbare Blut. Wenn ihnen wirklich etwas daran läge, so müßten sie beispielsweise größtes Interesse daran haben, daß auf ihren Altären wirklich das Kostbare Blut Christi fließt, indem dort nur von zweifellos gültig geweihten Priestern die Messe gefeiert wird. Tatsächlich lassen sie jedoch auch höchst zweifelhaft „geweihte“ Priester in ihren Kapellen zelebrieren und weigern sich konstant, die Zweifel der Gläubigen, mögen sie noch so theologisch einwandfrei vorgebracht werden, ernstzunehmen und stichhaltig zu beantworten. Abgesehen davon, daß sie ihre Messen „una cum“ jenen „Päpsten“ feiern, die sie zwar so nennen, aber nicht so behandeln. Damit stellen sie ihre Messen in doppelter Hinsicht außerhalb der Kirche. „Aber unser römisch-katholischer Glaube lehrt, daß eine solche Meßfeier kein Gottesdienst, sondern ein Gottesraub sei, nicht eine unblutige, sondern gewissermaßen eine blutige Erneuerung des Kreuzesopfers, nicht eine Quelle des Segens, sondern eine Quelle des Verderbens für den Darbringer wie für die Teilnehmer“ (Bischof Martin von Paderborn; vgl. Gemeinden ohne Seelsorger, Antimodernist Nr. 47 vom Oktober 2025; Hervorhebung von uns). Wie verträgt sich so eine „blutige Erneuerung des Kreuzesopfers“ mit der Verehrung für das Kostbare Blut?

Herr Matt gibt zu bedenken, daß man nicht unbedingt mit der Entscheidung des „Pius“-Generals übereinstimmen müsse, um wenigstens zu verstehen, daß das dahinterstehende Motiv kein anderes sei als das „Heil der Seelen und der katholischen Kirche“, weshalb man lieber die Übel bekämpfen solle, die den „Notstand“ ausmachen statt das „Pius“-Vorhaben zu kritisieren. Seiner Rolle als Versöhnungs-Apostel gemäß schließt er seine Erwägungen mit dem frommen Aufruf: „Es gibt sicherlich Katholiken, die für hohe Plätze im Himmel bestimmt sind und sich in diesen Fragen uneinig sind, aber Menschen guten Willens sollten sich alle einig sein, daß die wahren Feinde nicht diejenigen sind, die enorme Opfer bringen, um den Seelen zu dienen, wie es die Kirche seit jeher getan hat. Unbeflecktes Herz Mariens, bitte für uns!“ Ganz im Sinne des alten Rufs des „Remnant“: „Vereint die Clans!“ „Tradis aller Richtungen, vereinigt euch!“ Wer von nur halbwegs „gutem Willen“ könnte einem so vor Versöhnungseifer triefenden Aufruf widerstehen?

„OnePeterFive“

Am konstruktivsten äußerte sich T.S. Flanders auf „OnePeterFive“. Er hakt bei den vom „Pius-General“ erwähnten _„Verhandlungen mit dem Heiligen Stuhl“ ein und bemerkt, daß man nicht wissen könne und auch nicht müsse, was da genau „verhandelt“ worden sei, doch seien verschiedene Positionen ausreichend bekannt und gebe es gewisse Bereiche, die von den „geistlichen Theologen“ beider Seiten näher zu behandeln seien. Obwohl er selber kein „geistlicher Theologe“ sei, sondern nur ein Laie, dem die Kompetenz fehlt, will er einige dieser Punkte vorlegen und dann hoffen und beten, daß die „Theologen“ diese ausarbeiten. Da wird er viel „hoffen und beten“ müssen.

Was er uns als bescheidener Laie darlegen will, sind einige „negative Positionen“ seitens der „Piusbruderschaft“ und andererseits einige ebensolche „negative Positionen“ seitens des Vatikan, die eine Einigung verhindern. Die „Pius“-Positionen sind folgende: Erstens warne die Piusbruderschaft vor der Teilnahme selbst an einer „würdig gefeierten“ „Novus-Ordo-Messe“ mit der Begründung, diese enthalte ein „für den Glauben gefährliches Gift“. Dies geht Herrn Flanders eindeutig zu weit. Als Vater lehre er seine Kinder stets folgendes: „Mein Sohn, die sakramentale Gnade ist dein ganzes Leben. Die sakramentale Gnade ist ALLES. Sie ist dein ganzes Leben.“ Usw. Wir kennen dies als „Sakramentismus“. Die „Realpräsenz Jesu Christi“, so Flanders weiter, sei das Entscheidende bei der Messe, sie sei der „metaphysische Abgrund“, gegen den sämtliche vom Menschen begangenen „Mißbräuche“ verblassen. Ganz offensichtlich hat der Mann die wahre Problematik des „Novus Ordo“ nie studiert. Außer bei „Bischof Schneider“, der für ihn einen „nuancierteren Blick auf diese Tradi-Kontroversen“ hat, ser mehr „im Einklang mit der Wahrheit“ stünde, wie ihm scheint. Bei solchen „geistlichen Theologen“ wie „Bischof Schneider“ ist er als armer Laie in den besten Händen, oder nicht? Uns fällt dazu das Diktum des Heilands ein: „Wenn ein Blinder einen Blinden führt, fallen beide in die Grube“ (Mt 15, 14). Hätte er seriösere Quellen bemüht, dann wüßte er, daß es der Ritus dieser Aftermesse selber ist, der die Realpräsenz tilgt, nicht erst irgendwelche „Mißbräuche“

Zweite problematische „Pius“-Position: „Wenn ein Novus-Ordo-Priester eine mangelnde Intention hat, weil sein Glaube verdorben ist, ist der Novus Ordo Missae ungültig.“ Zwar kenne er, Flanders, die offizielle Position der „Piusbruderschaft“ in dieser Sache nicht, aber das sei das, was Erzbischof Lefebvre in seinem berühmten „Offenen Brief an die ratlosen Katholiken“ gesagt habe. Tatsächlich gibt es keine offizielle „Pius“-Position in dieser Sache, aber was „DER Erzbischof“ gesagt hat, gilt natürlich immer. Dagegen weiß Flanders als „Laien-Theologe“ einzuwenden, daß nach der klaren Lehre der Kirche auch ein Häretiker gültig die Sakramente spenden kann. Er belegt das diesmal nicht mit „Bischof Schneider“, sondern mit einigen Zitaten aus Texten des Heiligen Offiziums und des heiligen Robert Bellarmin. Er hat ganz recht. Ein mangelnder Glaube des Zelebranten würde eine korrekt nach dem Ritus der Kirche gefeierte Messe nicht ungültig machen. Das Problem liegt nicht beim Zelebranten, sondern beim Ritus selber. Der „Novus Ordo Missae“ ist ein akatholischer und ungültiger Ritus. Das aber wollte Lefebvre nie zugeben, und so hält es die „Piusbruderschaft“ bis heute.

Beide uns vorgelegten „Pius“-Positionen hält Flanders für unhaltbar, und er hat recht damit, wenngleich wenigstens im ersten Fall aus falschen Gründen („Sakramentismus“). Damit kommt er zu den „römischen Positionen“, die behandelt werden müßten. Eigentlich handelt es sich dabei nicht um „römische Positionen“, sondern um Forderungen der Tradis an „Rom“. Erste Forderung: „Die Lateinische Messe muß für immer freigegeben werden“, ganz im Geiste von „Summorum Pontificum“. Zweite Forderung: „Die umstrittenen Lehren des II. Vatikanums“ seien als „nicht dogmatisch“ anzusehen. Dazu müßte freilich geklärt werden, welche diese „umstrittenen Lehren“ sind und wer entscheidet, welche es sind. Aber für die Tradis ist das klar: Sie sind es, die darüber zu bestimmen haben. Dritte Forderung: Schluß mit dem „zweierlei Maß“! Während man einerseits die „Piusbruderschaft“ ausgrenze, übertrage man andererseits ganze Pfarreien an Kinderschänder. Dann doch lieber an einen „Piusbruder“, oder? Na, das sind Vergleiche…

Gütliches Übereinkommen

Nichts Neues also unter der Tradi-Sonne und nichts Welterschütterndes. Kein Erdbeben. Unterdessen wurde verlautbart, daß „Papst Leo“ sich „in Sachen Piusbruderschaft“ mit seiner „Vatikanbehörde“ bespricht und für nächste Woche ein Treffen zwischen „Kardinal“ Fernández vom „Glaubensdikasterium“ und dem „Pius“-Generaloberen „anberaumt“ worden ist. Wir empfehlen, daß bei diesem Treffen die von Flanders aufgezählten, eine Einigung verhindernden Positionen von beiden Seiten auf den Tisch gebracht und ausgeräumt werden. Dann stünde einem gütlichen Übereinkommen nichts mehr im Weg.