Eine „Challenge“ für Lefebvristen hat „Novus Ordo Watch“ ersonnen und stellt einige „unbequeme Fragen“ an die Anhänger der „Piusbruderschaft“.
Eine Art „Dubia“
Anläßlich der neuerlich bevorstehenden Bischofsweihen der „Piusbruderschaft“ hat „Novus Ordo Watch“ eine ältere „Challenge“ für die Anhänger der „Piusbruderschaft“, Kleriker wie Laien, wieder ausgegraben und leicht modifiziert und auf den neuen Stand gebracht, die vor ein paar Jahren bereits erschienen war. Sie enthält eine Reihe unangenehmer, aber wichtiger Fragen, eine Art „Dubia“, wenn man so will, die jeder, der guten Glaubens der lefebvristischen „Recognize-and-Resist“-Position anhängt, ohne weiteres beantworten können sollte. Dabei sollten die Antworten, wie auch bei den Fragen der Fall, sich auf autoritative katholische Lehrquellen stützen wie päpstliche Enzykliken, die Dekrete ökumenischer Konzilien oder approbierte Katechismen oder theologische Lehrbücher aus der Zeit vor dem 9. Oktober 1958, als Pius XII. starb. (NB: Ein einzelner emeritierter Bischof wie z.B. DER Erzbischof (Lefebvre) gilt in diesem Sinne nicht als Lehrautorität.)
Weiter bestimmen die Spielregeln: Neue Konzepte wie eine „teilweise Gemeinschaft – volle Gemeinschaft“ oder der Gegensatz „Ewiges Rom – heutiges Rom“ sind nicht zugelassen. Auch werden keine Ausflüchte in vage Formulierungen und mehrdeutige Ausdrücke geduldet gemäß der Anweisung Christi: „Es sei aber eure Rede: Ja, ja; nein, nein! Was aber darüber hinaus geht, ist vom Bösen“ (Mt 5, 37). Es wird gebeten, „klar, direkt und unmißverständlich“ zu antworten. Antworten seien an „Novus Ordo Watch“ zu richten oder auf dem eigenen „Blog“ zu veröffentlichen. Ob ein Preis für die besten Antworten ausgelobt ist, wird nicht gesagt. Nun also die Fragen.
Die Liste der zu beantwortenden Fragen
Lieber Kleriker der „Piusbruderschaft“ oder ihr anhangender Laie!
- Sind Sie in Gemeinschaft mit Leo XIV. und seiner Religion oder nicht?
- Stimmen Sie zu, dass es letztendlich allein Sache des Papstes ist, zu entscheiden, wer mit ihm in Gemeinschaft steht und wer nicht, wie es Papst Pius IX. lehrt? Wie Pius XII. in seiner Enzyklika „Quartus Supra“ über die Armenier schreibt: „Die meisten Menschen sind der Überzeugung, daß das Oberhaupt und der Hirte der Kirche entscheiden sollte, wer katholisch ist und wer nicht“ (Nr. 15).
- Stimmen Sie zu, wie das (Erste) Vatikanische Konzil im Anschluß an das vierte Konzil von Konstantinopel lehrt, daß „beim Apostolischen Stuhl … stets die katholische Religion unversehrt bewahrt und die heilige Lehre in Ehre gehalten“ wurde (DZ 1833, DH 3066)? (NB: „Stets“, das bedeutet auch bei „Franziskus I.“ und „Leo XIV.“)
- Stimmen Sie zu, wie ebenfalls das Vatikanische Konzil lehrt, daß Leo XIV., den Sie unbedingt als Papst der katholischen Kirche anerkennen, „der höchste Richter der Gläubigen“ ist, zu denen Sie sich selber zählen, und daß man „in allen Rechtsfragen, die der kirchlichen Prüfung unterliegen, sein Urteil einholen kann; das Urteil des Apostolischen Stuhles aber, über dessen Autorität hinaus es keine größere gibt, … von niemandem [auch nicht der „Piusbruderschaft“] neu erörtert werden“ darf und es keinem [auch nicht der „Piusbruderschaft“] erlaubt ist, „über sein Urteil zu urteilen“ (Dz 1830, DH 3063)?
- Unterwerfen Sie sich Papst Leo XIV. in derselben Weise, wie Sie sich auch Papst Pius X. unterworfen hätten, wenn Sie unter seinem Pontifikat gelebt hätten? [Wir fürchten in der Tat, daß die Lefebvristen einem Pius X. ebenso wenig gehorcht und ihn ebenso kritisiert hätten, z.B. für seine Brevierreform, wie es ja einige „Traditionalisten“ heute ganz offen tun und den heiligen Papst einen „liturgischen Modernisten“ (Kwasniewski) nennen.]
- Stimmen Sie der Lehre von Papst Pius XII. zu, wonach „Christus Jesus am Kreuz seiner Kirche den Quell göttlicher Gaben eröffnete. So ward sie instandgesetzt, den Menschen eine stets unfehlbare Lehre zu künden, sie durch die von Gott erleuchteten Hirten heilbringend zu leiten und mit himmlischen Gnaden zu überschütten“ (Enzyklika Mystici Corporis, Nr. 31)?
- Stimmen Sie der Lehre von Papst Leo XIII. zu, daß die „Kirche die Fortsetzung der Sendung des Erlösers“ ist und daß sie „keine Kompromisse mit Irrtümern“ eingeht, sondern „den Geboten treu“ bleibt, „die sie erhalten hat, um die Lehre Jesu Christi bis an die Grenzen der Welt und bis zum Ende der Zeit zu tragen und sie in ihrer unantastbaren Integrität zu schützen“ (Apostolisches Schreiben Annum Ingressi)?
- Stimmen Sie der Lehre des heiligen Papst Pius X. zu, wonach das „erste und wichtigste Kriterium des Glaubens, der ultimative und unanfechtbare Test der Rechtgläubigkeit“ besteht im „Gehorsam gegenüber der Lehrautorität der Kirche, die immer lebendig und unfehlbar ist….“ (Ansprache Con Vera Soddisfazione, 10. Mai 1909)?
- Wer hat das letzte Urteil darüber, was rechtgläubige Lehre ist: Rom oder das „Pius“-Hauptquartier in Menzingen in der Schweiz? Wenn Rom in unserer heutigen Zeit nicht das letzte Urteil zusteht, warum sollte es im Jahr 1910 (beispielsweise) so gewesen sein, und wann war der Übergang von „immer das letzte Wort“ zu „manchmal das letzte Wort, je nachdem, wie sie entscheiden, nach Einschätzung von Menzingen“, und wer entscheidet darüber?
- In seiner Enzyklika „Satis Cognitum“ schreibt Papst Leo XIII.: „Der heilige Augustinus legt ebenfalls Zeugnis ab dafür, ‚daß in der römischen Kirche der Vorrang des apostolischen Stuhles stets bestanden habe‘. Das sei kein Katholik, der vom römischen Glauben abweiche: ‚Man glaubt dir nicht, daß du den katholischen Glauben besitzest, da du nicht lehrst, man müsse den römischen Glauben befolgen‘“ (Nr. 13). Befolgen und lehren Sie den „Glauben von Rom“? [Und bitte keine spitzfindigen Unterscheidungen wie die zwischen dem „ewigen Rom“ und dem „Rom der neoprotestantischen und neomodernistischen Tendenz“!]
- Glauben Sie, daß die katholische Kirche, die Braut Christi, mit „aufrichtigem Ernst“ jene „Handlungs- und Lebensweisen“ der nichtchristlichen Religionen betrachtet, „jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet“ („II. Vatikanum“, Nostra Aetate, Nr. 2)? Glauben Sie, daß „Papst“ Paul VI. dies mit seiner „Apostolischen von Christus übertragenen Gewalt“ „im Heiligen Geist approbiert, beschlossen und festgesetzt“ und „zur Ehre Gottes zu promulgieren befohlen“ hat, wie es in der lateinischen Schlußformel des Dokuments heißt? [„Haec omnia et singula quae in hac Declaratione edicta sunt, placuerunt Sacrosancti Concilii Patribus. Et Nos, Apostolica a Christo Nobis tradita potestate, illa, una cum Venerabilibus Patribus, in Spiritu Sancto approbamus, decernimus ac statuimus et quae ita synodaliter statuta sunt ad Dei gloriam promulgari iubemus.“]
- Nehmen Sie für einen kurzen Augenblick an, Paul VI. sei kein gültiger Papst gewesen, wie wir „Sedisvakantisten“ behaupten. Würden Sie dann beipflichten, daß alle sakramentalen Riten, die er „promulgiert“ hat und in welchen die wesentliche Materie oder Form verändert wurde, ungültig sein könnten?
- Wenn Sie auf die vorige Frage mit „Ja“ geantwortet haben, stimmen Sie dann zu, daß der „Sedisvakantismus“ der sichere einzuschlagende Weg ist, falls sich herausstellen sollte, daß Paul VI. tatsächlich kein gültiger Papst gewesen ist (was Erzbischof Lefebvre bekanntlich nicht ausschließen wollte)?
- Wenn es einen Disput zwischen „Pius“-Priestern in diesen Dingen gibt und diskutiert wird, wie man die Fragen zu beantworten hat, warum ist das so und wer entscheidet darüber, welche Antworten die „wahre traditionelle katholische Position“ bezeichnen?
- Wenn Ihnen einige dieser Fragen unangenehm sind, warum ist das so?
„Novus Ordo Watch“ ermuntert uns, diese Fragenliste gerne an solche Leute weiterzureichen, die lefebvristische Kapellen besuchen oder Teil von deren Organisation sind.