Das Licht von La Salette - 6

180 Jahre ist es her, seit Unsere Liebe Frau in La Salette erschienen ist und uns eine dringende Botschaft gegeben hat. Leider sind ihre Worte bis heute kaum auf fruchtbaren Boden gefallen. Vielmehr wurden sie abgelehnt, verdrängt und bekämpft. „Nicht alle nehmen diese himmlische Erscheinung oder die Worte Marias an, und doch sind sie eine Bekräftigung der katholischen Wahrheit“, schreibt Bischof Ullathorne (1805-1889; von 1850 bis 1888 Bischof von Birmingham, England) im Jahr 1854. „Wie den Rat unseres Herrn nehmen nicht alle dieselben an, sondern nur jene, welchen es gegeben ist“ (Der heilige Berg von La Salette, S. 182).

„Ihr werdet es meinem ganzen Volk bekannt machen“

„Nicht nur, daß das Geheimnis von La Salette vom Heiligen Stuhl niemals verurteilt wurde, Papst Leo XIII. verlangte sofort Mélanie zu sehen, als er es im Oktober 1878 erhielt“, teilen uns die „Freunde von Fatima“ in ihrem Rundbrief Nr. 91 vom 28. Februar 2019 mit. Nachdem der Papst mit ihr gesprochen hatte, forderte er sie auf, einige Zeit in Rom zu bleiben, um die Konstitutionen des Ordens der Muttergottes auszuarbeiten gemäß der Regel, die sie von ihr empfangen hatte. Etwas später ließ Leo XIII. die verschiedenen Texte von Mélanie durch die Index-Kongregation untersuchen und ebenso durch die Kongregation für die Bischöfe und die für die Ordensleute. M. Amédée Nicolas, einen Anwalt aus Marseille und intimen Kenner der Vorgänge von La Salette, bat er darum, ein Buch zusammenzustellen, um das Geheimnis den Gläubigen zu erklären.

„Deshalb ist es wichtig, dieses Geheimnis zu kennen, umso mehr, als die Muttergottes beim Abschied Mélanie und Maximin die Anweisung gab: ‚Ihr werdet es meinem ganzen Volk bekannt machen‘“, betont Yves de Lassus, der Autor des Rundbriefs. Wenn die Muttergottes sich solche Mühe macht und so sehr darauf insistiert, daß ihr „ganzes Volk“, also die gesamte Kirche, mit ihrer Botschaft bekannt gemacht werden soll, dann kann es sich nur um etwas von größter Bedeutung und Wichtigkeit handeln. Das bestätigen indirekt auch die Gegner, denn warum hätten sie sich sonst solche Mühe gegeben, gerade diese Botschaft zum Verstummen zu bringen?

Vier Typen von Elementen

Wir haben im letzten Beitrag begonnen, uns mit wahrer Prophetie auseinanderzusetzen, und haben festgestellt, daß La Salette sich ganz harmonisch in die unzweifelhaft echten Prophetien fügt, die wir aus der Heiligen Schrift kennen. Wir haben auch den Rahmen der Botschaft abgesteckt und die zentralen Themen gesehen. Nach den „Fatima-Freunden“ enthält sie „vier Typen von Elementen“, nämlich zunächst „Prophetien über die Kirche“, dann „Prophetien über die Welt, besonders Frankreich und Italien“, drittens „Vorwürfe an die Gläubigen“ und endlich „Vorhaltungen an den Klerus und die Ordensgemeinschaften“.

Man müsse zugeben, meint de Lassus, daß „die Prophezeiungen ziemlich beunruhigend“ seien. „Insbesondere kündigen sie schreckliche Strafen an.“ Doch darin gleiche das Geheimnis „vielen biblischen Prophezeiungen“. Abbé Paul Gouin, ein „bedeutender Historiker von La Salette“, sage sogar, daß „die Prophezeiungen von La Salette die Quintessenz der biblischen Prophezeiungen sind, eine vorweggenommene Geschichte der Kirche bis zum Jüngsten Gericht“. Ähnliches hatten wir auch bereits festgestellt.

Bezug zu Isaias

„Es stimmt, daß das Geheimnis zum großen Teil eine Anspielung auf die Heiligen Schriften ist, insbesondere auf Isaias und die Offenbarung“, bestätigt de Lassus – wobei wir noch einmal die Parallele zu den Endzeitreden Christi in erster Linie hervorheben wollen, die er hier beiseite läßt. Hingegen sieht er die „Parallele zu Kapitel 24 des Buches Isaias … besonders deutlich“. In der Tat gibt es da erstaunliche Entsprechungen. So heißt es bei Isaias: „Siehe, der Herr wird die Erde leer machen und kahl, wird ihr Angesicht verstören und ihre Bewohner zerstreuen. Und es wird wie dem Volk, so dem Priester ergehen; wie dem Knechte, so dem Herrn; wie der Magd, so der Herrin; wie dem Käufer, so dem Verkäufer; wie dem Verleiher, so dem Entlehner; wie dem Gläubiger, so dem Schuldner. Die Erde wird verheert und verwüstet, beraubt und ausgeplündert werden; denn der Herr hat dies Wort gesprochen.“ (Is 24, 1-3). Und wie heißt es in La Salette? „Gott wird in beispielloser Weise zuschlagen. Wehe den Bewohnern der Erde! Gott wird Seinem ganzen Zorne völlig freien Lauf lassen, und niemand wird sich so vielen vereinten Übeln entziehen können.“

Wiederum bei Isaias: „Die Erde ist befleckt von ihren Bewohnern; denn sie haben die Gesetze übertreten, das Recht verkehrt, den ewigen Bund gebrochen. Darum wird Fluch die Erde verschlingen und ihre Bewohner werden die Schuld büßen, daher wird Wahnsinn seine Bebauer erfassen und nur wenige Menschen werden übrigbleiben“ (Is 24, 5-6). Und in La Salette: „Die Unordnungen und die Liebe zu fleischlichen Genüssen werden auf der ganzen Welt verbreitet sein. (…) Mehrere große Städte werden niedergebrannt und durch Erdbeben verschlungen werden. Man wird glauben, alles sei verloren. Man wird nur Menschenmord sehen. Man wird nur Waffengetöse und Gotteslästerungen hören. (…) Plötzlich werden die Verfolger der Kirche Jesu Christi und alle der Sünde ergebenen Menschen zugrunde gehen, und die Erde wird wie eine Wüste werden.“

Einwände bestätigen den Befund

Einmal mehr sehen wir bestätigt: Die große Botschaft von La Salette bewegt sich ganz im Rahmen der biblischen Prophetie und ist daher auch nach deren Regeln zu lesen und zu interpretieren. Wenn einer der Vorwürfe, die gegen die Geheimnisse erhoben werden, lautet, daß „die Abfolge der vorhergesagten Ereignisse nicht immer schlüssig“ sei, so ist das in der Heiligen Schrift ebenso. De Lassus zitiert den heiligen Hieronymus, einen der „großen Ausleger der Heiligen Schrift“, aus seinem Kommentar zum Buch Isaias (Kap. 16): „Jede Prophezeiung ist von Rätseln und verschlüsselten Bedeutungen umhüllt; der Prophet springt von einem Thema zum anderen, damit er durch die Einhaltung der Reihenfolge der Ereignisse nicht eher eine Geschichte als eine Prophezeiung verfaßt.“ Wir haben diese Eigenschaft wahrer Prophetie bereits gesehen, die sie ganz wesentlich von menschlicher Geschichtsschreibung unterscheidet.

Ein weiterer Einwand lautet, daß gewisse angekündigte Ereignisse nicht so eingetreten sind, wie es vorausgesagt war. Dazu weist de Lassus darauf hin, daß in der Prophetie vieles bedingt gesagt ist. So hat Unsere Liebe Frau von La Salette zu Maximin ausdrücklich gesagt: „Wenn mein Volk so weitermacht, wird das, was ich euch sagen werde, früher eintreten; wenn es sich ein wenig ändert, wird es etwas später eintreten.“ Und zu Mélanie: „Wenn ihr den Leuten mitgeteilt habt, was ich euch soeben gesagt habe und was ich euch noch sagen werde, und wenn sie sich danach nicht bekehren (wenn man keine Buße tut, wenn man nicht aufhört, am Sonntag zu arbeiten, und wenn man weiterhin den Heiligen Namens Gottes lästert), kurz gesagt, wenn sich das Antlitz der Erde nicht ändert, wird Gott Rache an dem undankbaren Volk nehmen, das ein Sklave des Teufels ist. Mein Sohn wird seine Macht entfesseln!“

Bedingte Vorhersagen und in Erfüllung gegangene

Es gibt einige berühmte analoge Beispiele für derlei bedingte Prophetien in der Heiligen Schrift. Im Buch Jonas erfahren wir, wie das Wort des Herrn an den Propheten ergeht: „Mache dich auf und begib dich nach Ninive, der großen Stadt, und verkünde daselbst die Botschaft, welche ich dir mitteile!“ (Jon 3, 2). Wir hören weiter: „Da machte sich Jonas auf und ging nach Ninive dem Worte des Herrn gemäß; Ninive aber war eine große Stadt, drei Tagreisen im Umfange. Und Jonas begann in die Stadt zu gehen eine Tagreise weit und rief und sprach: Noch vierzig Tage, so wird Ninive zerstört“ (V. 3-4). Und siehe: „Da glaubten die Leute von Ninive an Gott und riefen ein Fasten aus und zogen Bußkleider an, groß und klein“ (V. 5). Der Erfolg: „Da sah Gott auf ihr Tun, daß sie sich bekehrten von ihrem bösen Wandel, und Gott erbarmte sich und wandte das Übel ab, das er ihnen angedroht hatte, und ließ es nicht hereinbrechen“ (V. 10). Die Reaktion des Jonas war typisch menschlich: „Dies verdroß Jonas sehr und er ward zornig“ (Jon 4, 1). Er nahm Anstoß daran, daß das nicht eingetreten war, was er vorhergesagt hatte. Und doch wäre es eingetreten, wenn die Einwohner von Ninive nicht Buße getan hätten. Es war eine bedingte Prophezeiung, wie auch vieles in La Salette bedingt vorhergesagt ist.

Andererseits gibt es in La Salette Vorhersagen, die sich eindeutig erfüllt haben, wie etwa jene über Napoleon III. und Pius IX., die etwa zehn Jahre vor den Ereignissen angekündigt worden war und sich auf verblüffende Weise bewahrheitet hat. Beides, bedingte Vorhersagen und solche, die sich genau erfüllen, gehört zur Prophetie und bestätigt die Echtheit von La Salette. Andernfalls müßte man auch etliche Prophetien aus der Heiligen Schrift für unecht erklären.

Nicht „Sache eigener Auslegung“

Freilich muß man sich bei dem Versuch hüten, auf eigene Faust Prophetien zu verstehen. Wenn der heilige Petrus betont, daß „keine Weissagung der Schrift Sache eigener Auslegung ist“ (2 Petr 1, 20), so gilt das auch für nachbiblische echte Prophetien. De Lassus beruft sich auf das V. Laterankonzil, 11. Sitzung vom 19. Dezember 1516, das in Gegenwart von Papst Leo X. statuierte: „Daß sie [die Prediger] niemals die Anmaßung haben mögen, einen bestimmten Zeitpunkt für kommende Übel, das Kommen des Antichristen oder einen festgelegten Tag für das Gericht zu predigen oder anzukündigen, da die Wahrheit sagt: ‚Es steht euch nicht zu, die Zeiten und Zeitpunkte zu kennen, die der Vater in seiner eigenen Vollmacht festgelegt hat.‘ (…) Wir verbieten allen (…) fortan, in ihren öffentlichen Predigten mit Bestimmtheit alles vorherzusagen, was die Zukunft gemäß der Heiligen Schrift betrifft. (…) Andererseits: Wenn der Herr einigen von ihnen durch eine Art Eingebung bestimmte Dinge offenbart, die in der Kirche Gottes geschehen sollen, (…) wie Paulus, der Apostel der Prediger, sagt: ‚Löscht den Geist nicht aus, verachtet die Prophezeiungen nicht’ (…) Wir möchten klarstellen, daß fortan die Prüfung dieser angeblichen Inspirationen dem Apostolischen Stuhl vorbehalten sein wird, bevor sie veröffentlicht oder dem Volk gepredigt werden.“

Der Papst habe dazu „präzisiert, daß den Zuwiderhandelnden ‚zusätzlich zu den gesetzlich gegen sie vorgesehenen Strafen eine Exkommunikation droht, von der sie nur durch den Papst freigesprochen werden können’“. Andere Päpste hätten dies bestätigt oder ergänzt, so beispielsweise Papst Urban VIII., der in seinem Dekret „Sanctissimus Dominus Deus noster“ vom 13. März 1625 die Priester und die Gläubigen auffordert, „sich in Bezug auf das, was als Offenbarungen dargestellt wird, dem Ordinarius zu unterwerfen, andernfalls drohten Sanktionen“. Das gilt übrigens mutatis mutandis auch für jene, welche gegen die Entscheidung des Ordinarius oder der Kirche daran festhalten, daß eine von ihm anerkannte Offenbarung unecht oder gar des Teufels sei.

Katechetische Lehrstunde

Die Beurteilung und Interpretation der Weissagungen muß man also der Kirche überlassen oder jenen, welche sie dazu autorisiert hat. Leider gibt es bislang keine authentische Auslegung der Botschaft von La Salette durch die Kirche, weshalb wir in vielem – sofern es nicht bereits eingetreten ist – nur spekulieren können, was die Kirche nicht gerne sieht. Deshalb wurden ja einige der Schriften über La Salette verboten oder gewisse Diskussionen unterbunden. Doch enthält das „Geheimnis“ nicht ausschließlich Weissagungen, sondern tadelt auch gewisse Verhaltensweisen, welche die Züchtigung herausfordern. Diese Vorwürfe müssen nicht interpretiert werden. Die seligste Jungfrau ruft uns das göttliche Gesetz in Erinnerung und weist auf die Folgen hin, wenn man es nicht beobachtet. Den Gläubigen gilt der erste Vorwurf: Sie halten nicht die Gebote Gottes und der Kirche.

Die Botschaft von La Salette ist zu einem guten Teil „eine wahrhaft katechetische Lehrstunde“. Sieben Punkte sind es, die Yves de Lassus an anderer Stelle besonders herausgearbeitet hat:

  1. Die Forderung des Ersten Gebots: „Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ Dazu die Jungfrau in La Salette: „Wenn mein Volk sich nicht unterwerfen will, bin ich gezwungen, den Arm meines Sohnes fallen zu lassen. Er lastet so schwer, daß ich ihn nicht länger zurückhalten kann.“ Die alte Sünde der Menschheit: die Auflehnung gegen Gott, die Verweigerung der Unterwerfung, wie es schon bei Adam und Eva war.
  2. Das dritte Gebot: „Gedenke, daß du den Sabbat (Sonntag) heiligst!“ Und was sagt die Muttergottes in La Salette? „Ich habe euch sechs Tage zum Arbeiten gegeben, den siebten aber mir vorbehalten. Man will ihn mir nicht zugestehen. Das ist es, was den Arm meines Sohnes so schwer macht.“
  3. Das zweite Gebot: „Du sollst den Namen Gottes nicht eitel nennen“, d.h du sollst heilige Namen nicht verunehren. Doch wie klagt Unsere Liebe Frau von La Salette: „Die Kärrner reden nur, wenn sie meinem Sohne fluchen. Das sind die beiden Dinge, die den Arm meines Sohnes so schwer machen.“
  4. Das erste und zweite Kirchengebot: „Du sollst alle Sonn- und Feiertage eine heilige Messe mit Andacht hören!“ In La Salette aber hören wir: „Im Sommer gehen nur ein paar ältere Frauen zur Messe. Die anderen arbeiten sonntags den ganzen Sommer hindurch. Im Winter, wenn sie nicht wissen, was sie tun sollen, gehen sie zur Messe und das nur, um sich über die Religion lustig zu machen.“
  5. Das dritte Kirchengebot: „Du sollst die gebotenen Fast- und Abstinenztage halten!“ Die Muttergottes aber beklagt: „In der Fastenzeit laufen sie wie Hunde in die Metzgerei.“
  6. Das tägliche Gebet. Das schärft Unsere Liebe Frau den beiden Kindern ein: „Verrichtet ihr fleißig eure Gebete meine Kinder? – Oh, meine Kinder, ihr müßt es morgens und abends sorgfältig tun.“
  7. Wenigstens ein Vaterunser und ein Ave Maria sind dazu notwendig: „Wenn es nicht anders geht, dann betet ein Vaterunser und ein Ave Maria; und wenn ihr genügende Zeit habt und fleißiger sein könnte, dann betet mehr.“

Beichtspiegel und konkretes Programm

Da haben wir einen prächtigen Beichtspiegel für unsere Gewissenserforschung und können uns fragen, inwieweit wir selber mit daran schuld sind, daß die drohenden Strafgerichte auf uns zukommen. Zugleich haben wir ein konkretes Programm, was wir unsererseits tun können, um dem Willen der Muttergottes zu entsprechen und das Strafgericht, wenn nicht abzuwenden, so doch aufzuhalten oder zu mildern: Beten und die Gebote Gottes und der Kirche mit größerer Treue beobachten als bisher. Dies wird uns in gewisser Weise erschwert und zugleich erleichtert durch die Strafen, die bisher bereits eingetreten sind. Denn für uns ist es nicht mehr so einfach, beispielsweise das Sonntagsgebot zu erfüllen, wie es für die Gläubigen war, als noch in jedem Dorf die Heilige Messe gefeiert wurde. Weil sie sich diese Gnade nicht zu schätzen wußten, hat Gott es zugelassen, daß uns die Heilige Messe mehr und mehr entzogen wurde und wir jetzt oft nur unter großem Aufwand und Mühen eine wahre Sonntagsmesse besuchen können. Dafür ist jedoch das Verdienst umso größer, wenn wir diese Beschwernis auf uns nehmen. Wer dies tut, zeigt damit eine größere Liebe zu Gott und ruft Sein Erbarmen herab.

Es fällt auf, daß die Muttergottes die Gebote der zweiten Tafel gar nicht erwähnt, die uns spontan zuerst in den Sinn kommen, wenn es um schlimme Sünden geht. „Ich habe doch niemanden umgebracht“, heißt es dann gleich. Das fünfte Gebot in einer sehr groben und verzeichneten Form ist in der Regel das einzige, was den Menschen heute noch einfällt. Unsere Liebe Frau von La Salette aber redet nur von der ersten Gebotstafel und dazu von den Kirchengeboten. Im 19. Jahrhundert, als die Muttergottes diese Worte spricht, wurden sie „nur“ vernachlässigt. Und doch sind es gerade diese Sünden, die viel schwerer wiegen als die gegen die Gebote der zweiten Tafel. Sie sind es, „die den Arm meines Sohnes so schwer machen“.

„Wer die ersten drei Gebote nicht hält, hält auch die übrigen sieben nicht“

„Gott hat durch zehn Gebote unser Leben geordnet, und aus diesen Geboten kann nicht beliebig eines weggenommen werden“, schreibt ein Priester aus Altötting. „Der Dekalog ist wie ein festgefügter Bau. Wird aus diesem Bau ein Stein entfernt, stürzt der ganze Bau zusammen, zum Schaden des Menschen. Wer nicht betet, den Namen Gottes nicht heilig hält und am Sonntag zu keiner Messe geht, der glaubt auch nicht an den Segen der übrigen Gebote.“ „Wer die ersten drei Gebote nicht hält, hält auch die übrigen sieben nicht, schon deswegen nicht, weil ohne Gebet der Mensch gar nicht die innere Kraft dazu hat“ (K.M. Harrer, Die schönsten Mariengeschichten Bd. 2, 2. Aufl. Jestetten 2000, S. 262). Inzwischen hat der „moderne Mensch“ diese Gebote vollkommen abgeschafft. Er übertritt sie gewohnheitsmäßig, fortwährend, ohne sich irgendetwas dabei zu denken. „Sie trinken die Sünde wie Wasser.“ Und das soll ohne verheerende Folgen sein?

Wir sehen, daß die Botschaft Unserer Lieben Frau von La Salette keineswegs so „abgehoben“ und geheimnisvoll ist, wie manche glauben. Sie wird hier sehr konkret, anschaulich und praktisch, wie ein Katechismus oder ein Beichtspiegel. Sie zeigt uns, wo unsere Fehler liegen und was wir tun können, sie zu korrigieren. Jeder von uns ist dabei direkt angesprochen. Und wir können damit wirklich „etwas bewegen“, nicht nur für uns, sondern für die ganze Kirche, für die ganze Welt! Wir müssen nur darauf eingehen, den Tadel gerne annehmen, statt ihn zu scheuen, und uns bessern; dann werden wir erfahren, wieviel Licht und Segen wir daraus empfangen.

Fortsetzung folgt