Lange, lange Zeit war die besondere Verehrung Unserer Lieben Frau von Fatima ein Kennzeichen „traditioneller“ Katholiken. Allüberall hatte man ihre Statuen aufgestellt oder eigene Kapellen errichtet, hielt ihr zu Ehren Andachten und Prozessionen an den Fatima-Tagen (am 13. des Monats oder am Vorabend), sang das Fatima-Lied, weihte sich dem Unbefleckten Herzen und hielt die Herz-Mariä-Sühneandachten.
Das Pendel
Bisweilen kam es auch zu Übertreibungen und nahm die Verehrung ungesunde Züge an. Für einige galten die Botschaften von Fatima fast mehr als das Evangelium, aus der Seherin Lucia wurde ein unfehlbares Orakel und man lauschte auf jedes ihrer Worte, als wäre es direkt vom Himmel gegeben. Vor allem fixierte man sich auf die „Weihe Rußlands“, und während man einerseits immer wartete, bis einer der „konziliaren Päpste“ diese Weihe endlich vollziehen würde, und enttäuscht war, wenn sie es nicht taten, preschte man andererseits voran und unternahm selber Weiheakte, wie es Erzbischof Lefebvre und die „Piusbruderschaft“ vormachten, und meinte sogar, einen gewissen Erfolg derselben zu sehen. Und auf jeden Fall war Rußland oder wahlweise der Kommunismus der große Feind, von dem man alles Übel erwartete – was heute wieder überraschend „zeitgemäß“ ist (wenigstens was Rußland betrifft).
Allmählich trat eine Erschlaffung ein, weil die Dinge sich nicht so entwickelten, wie man erwartet hatte. Seit einigen Jahren beobachten wir nun das seltsame Phänomen, daß das Pendel in die andere Richtung ausschlägt und man anfängt – v.a. in „sedisvakantistischen“ Kreisen – die Erscheinungen von Fatima zu verpönen, sie für unecht, ja für diabolischen Betrug zu erklären. Das hat neuerdings zu einer öffentlichen Kontroverse im „Internet“ geführt, in die sich jetzt der „Introibo“-Blog mit einem, wie wir finden, recht sachlichen und vernünftigen Beitrag einschaltete.
Verachtung der Kirche
„Ich habe oft gesagt (und daran halte ich auch weiterhin fest), daß Traditionalisten sich nicht mit dem Studium privater Offenbarungen aufhalten sollten, sondern sich auf fundierte Theologie und die Lektüre der Werke anerkannter Theologen konzentrieren sollten“, gibt „Introibo“ eingangs bekannt. Das sehen wir ähnlich. Denn auch wenn wir es durchaus für lohnend halten, sich mit kirchlich anerkannten Erscheinungen zu befassen, so muß doch das Fundament die katholische Lehre und Theologie sein. Oft genug begegnet man dem Phänomen, wie wir oben schon andeuteten, daß „Traditionalisten“ ihr gesamtes Glaubenswissen nur oder bevorzugt aus „Privatoffenbarungen“ schöpfen – wobei sie nicht einmal wählerisch sind, aus welchen.
Doch, so fährt „Introibo“ fort, wenn die Leute anfangen, Zweifel zu hegen an anerkannten Privatoffenbarungen oder sogar diese zu verleumden, dann diene dies zu nichts anderem als dazu, Zweifel in der Kirche zu säen in jener Zeit der „Großen Apostasie“, in welcher wir keinen Papst haben, der die Fragen beantworten und die Auseinandersetzungen schlichten könnte. Zwar sei er einverstanden, daß es „keine Streitereien darüber geben sollte, was von einer anerkannten Erscheinung ‚wirklich‘ gesagt wurde“, und stimme auch zu, „daß private Offenbarungen nicht geglaubt werden müssen, solange keine Mißachtung der kirchlichen Autorität vorliegt“.
Wenn jedoch Fatima als „des Teufels“ attackiert werde, so sei dies „blasphemisch und unmöglich“, da der Heilige Geist den Heiligen Vater mit Sicherheit davon abhalten würde, irgendetwas als „glaubwürdig“ zu beurteilen, was aus der Hölle stammt. Fatima aber sei von Papst Pius XII. bestätigt worden. Es nun als teuflischen Betrug zu betrachten, bedeute eine indirekte Leugnung der Indefektibilität der Kirche, denn diese könne ihren Gliedern nichts geben, was übel oder irrig wäre. Es sei nicht möglich, eine approbierte Privatoffenbarung zurückzuweisen, ohne eine Sünde der Mißachtung der kirchlichen Autorität zu begehen. Wenn also jemand Fatima zurückweise, auch ohne gleich teuflischen Betrug zu wittern, so gehe dies kaum ohne Verachtung der Kirche ab.
Glaubwürdigkeitsmotive: Bestätigung durch Pius XII.
Dies alles vorausgeschickt, will der Autor uns darlegen, warum er an Fatima glaubt, und die Gründe darlegen, die auch andere „Traditionalisten“ von der Glaubwürdigkeit dieser Erscheinungen überzeugen können. Der erste und wichtigste Grund ist für ihn die Bestätigung durch Papst Pius XII. In seiner Enzyklika „Saeculo Exeunte Octavo“ zur 800-Jahrfeier der Unabhängigkeit Portugals vom 13. Juni 1940 geht der Papst direkt auf Fatima ein. Er mahnt dort zum Gebet um Berufungen und preist dafür besonders den „von der seligsten Jungfrau von Fatima so warm empfohlenen Rosenkranz“. An einer anderen Stelle der Enzyklika spricht er von der „seligsten Jungfrau vom Rosenkranz, die in Fatima verehrt wird und dieselbe mächtige Gottesmutter ist, die den großartigen Sieg von Lepanto erfleht hat“. In seiner Enzyklika „Humani Generis“ vom 12. August 1950 hat derselbe Papst erklärt, daß dasjenige, was Päpste in ihren Enzykliken entscheiden, nicht länger in Frage gestellt werden kann. Daraus entnimmt „Introibo“, daß es sich um keine offene Frage mehr handelt, ob Fatima echt ist oder nicht.
Weitere Zeugnisse sind eine Radioansprache Pius’ XII. vom 31. Oktober 1942 und die Erhebung der in der Cova da Iria in Fatima errichteten Kirche zur „Basilica minor“ im Jahre 1954. Im zugehörigen Begleitbrief dazu nennt der Papst das Heiligtum von Fatima jenen Ort, „an welchem die Gottesmutter in jüngster Zeit als Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz“ erschienen sei und in welcher die Leiber von Franziskus und Jacinta Marto begraben liegen, „die das Privileg hatten, die wunderbare Erscheinung der Gottesmutter zu schauen“. Auch sonst zeigte Pius XII. eine große Verehrung für Unsere Liebe Frau von Fatima. Ja, er nannte sich sogar den „Papst von Fatima“, zumal er just am 13. Mai 1917, dem Tag der ersten Erscheinung in Portugal, in Rom seine Bischofsweihe empfangen hatte.
… und Anerkennung des Bischofs
Ein weiteres wichtiges Autoritätszeugnis ist die offizielle Anerkennung der Erscheinungen durch den zuständigen Bischof da Silva von Leiria, zu dessen Diözese Fatima gehörte, die am 13. Mai 1930 nach dreizehn Jahren sorgfältiger Prüfung erfolgte. Darin heißt es: „Aufgrund der dargelegten Erwägungen sowie weiterer, die wir aus Gründen der Kürze hier auslassen; unter demütiger Anrufung des Heiligen Geistes und unter dem Schutz der Allerheiligsten Jungfrau sowie nach Anhörung der Meinungen unserer ehrwürdigen Berater in dieser Diözese beschließen wir hiermit: Die Erscheinungen der Hirtenkinder in der Cova da Iria, Pfarrei Fatima, in dieser Diözese, vom 13. Mai bis zum 13. Oktober 1917 für glaubwürdig zu erklären.“
Diese Erklärung scheint uns die entscheidende zu sein, denn für Privatoffenbarungen ist an sich nicht der Heilige Stuhl zuständig, sondern der verantwortliche Bischof. Seine Entscheidung gilt, auch wenn sie nicht vom Papst bestätigt wurde (sofern sie nicht von diesem widerrufen wird). Zwar ist ein einzelner Bischof natürlich nicht unfehlbar, doch in seiner Diözese ist er die zuständige Autorität und der kompetente Richter in Sachen des Glaubens und der Sitten, und es gehört zur Indefektibilität der Kirche, daß er darin nicht so grob versagt, daß die Gläubigen in Irrtum und Sünde geführt würden (jedenfalls nicht, ohne von Rom korrigiert zu werden).
Auf das Urteil des Bischofs kann man sich verlassen, vor allem wenn es so sorgfältig getroffen wurde. Auch die heilige Pönitentiarie unter Pius XI. hat diesem Spruch des Bischofs vertraut und am 1. Oktober 1930 einen Teilablaß bewilligt für all jene, welche das Heiligtum von Fatima besuchen und dort nach der Meinung des Heiligen Vaters beten, sowie einen vollkommenen Ablaß einmal im Monat für jene, die in einer Gruppe dorthin wallfahren. „Würde der Heilige Geist zulassen, daß die Kirche Ablässe auf eine falsche oder nicht vorhandene Erscheinung verleiht?“ fragt „Introibo“. Die Antwort kann sich jeder selber geben.
Das Sonnenwunder
Der zweite Glaubwürdigkeitsgrund ist das Sonnenwunder, das sich am 13. Oktober 1917 zugetragen hat in Anwesenheit von etwa 70.000 Zeugen, die trotz heftigen Regens in Fatima ausharrten. Plötzlich brachen die Wolken auf, die Sonne erschien, begann sich zu drehen und verschiedene Farben zu zeigen, sie bewegte sich im Zickzack am Himmel und drohte auf die Erde zu stürzen, was manche mit großem Schrecken erfüllte, ehe sie wieder an ihren Ort zurückkehrte und das Spektakel endete. Skeptiker behaupteten, es habe sich um eine „Massensuggestion“ gehandelt, um ein seltenes atmosphärisches Ereignis oder etwas dergleichen. „Introibo“ will nur einige wenige Punkte nennen, die derlei Einwände vollkommen entkräften.
Erstens ist da der Zeitpunkt des Wunders, das von den Seherkindern exakt für diesen Tag angekündigt worden war. Überaus unwahrscheinlich, daß ein „zufälliges atmosphärisches Ereignis“ sich so genau an ein Datum hält. Zweitens, und das sei vor allem denjenigen gesagt, die das Sonnenwunder für diabolischen Ursprungs halten, gab es gewisse physikalische Abnormalitäten, die das vollkommen ausschließen. So waren etwa der Boden und die Kleider der Anwesenden, die vollkommen durchnäßt gewesen waren, nach nur etwa 15 Minuten, die das Sonnenwunder gedauert hatte, restlos trocken. So etwas bringt selbst der Teufel mit seinem Höllenfeuer nicht zuwege, jedenfalls nicht ohne alle und alles einzuäschern. Drittens gab es Berichte über dieses Ereignis in allen großen weltlichen Zeitungen, sogar in einem prominenten antiklerikalen und freimaureraffinen Blatt wie dem „O Seculo“ von Lissabon, wo ihm sogar der Chef und Gründer den Leitartikel widmete.
Viertens konnten selbst die größten Gotteshasser und Atheisten die Wahrheit des Wunders nicht leugnen. Richard Dawkins, der große „Neue Atheist“, erwähnt das Sonnenwunder in seinem von Gotteshaß inspirierten Buch „The God Delusion“ und schreibt, es sei „nicht leicht zu erklären, wie siebzigtausend Menschen dieselbe Halluzination teilen“ könnten. Noch unerklärlicher sei, wie so viele Menschen auf der ganzen Welt, auch außerhalb von Fatima, zur gleichen Zeit das Wunder sahen, und es nicht nur sahen, sondern auch gleichsam den Zusammenbruch des Sonnensystems spürten. Fünftens bekannte Papst Pius XII., das Sonnenwunder selber mehrmals gesehen zu haben, und zwar am 30. und 31. Oktober, am 1. und am 8. November 1950, im Zusammenhang mit seiner Proklamation des Dogmas von der Aufnahme Mariens in den Himmel.
Heiligkeit der Seher
Der dritte Grund für die Glaubwürdigkeit ist die „Heiligkeit der Seher“, welche diese auf folgende Weise gezeigt haben: Einmal durch ihren Bußgeist. Nach der schrecklichen Höllenvision fühlten sie ein intensives Mitleid mit den Sündern und weihten ihren Alltag als Sühnopfer für die Rettung der Seelen, indem sie auf ihr Essen verzichteten, Durst ertrugen und rauhe Stricke trugen etc. Zum zweiten durch ihre Devotion zum heiligen Rosenkranz, den sie auf die Aufforderung der Muttergottes hin täglich – meist mehrmals – für den Frieden in der Welt und die Bekehrung der Sünder beteten. Drittens endlich ertrugen sie alle Leiden mit Freude, darunter die Verfolgungen durch die zuständigen Behörden inklusive Gefängnis und Todesandrohung sowie die Grippe-Epidemie von 1918.
Anders als die sogenannten „Seher“ von Garabandal oder Medjugorje, führten die Kinder von Fatima ein heiliges Leben. Francesco und Jacinta starben als Kinder und mußten viel ertragen, was sie alles für die Rettung der Sünder aufopferten. Lucia (die echte!) wurde eine heiligmäßige Nonne. Niemals haben die drei irgendeinen materiellen Vorteil gesucht, sich im Ruhm gesonnt, Geld gemacht oder ein weltliches Leben geführt wie die „Seher“ bei falschen, von der Kirche nicht bestätigten „Erscheinungen“. Auch wenn die „Heiligsprechung“ von Francesco und Jacinta, die durch Bergoglio erfolgte, keine Gültigkeit hat, und ebenso wenig der Titel „ehrwürdige Dienerin Gottes“ für Lucia, so kann man doch die Heiligkeit dieser Personen kaum in Frage stellen.
Katholizität der Botschaft
Ein vierter und sehr wichtiger Grund ist die „Katholizität der Botschaft von Fatima“. Tatsächlich sind die Mitteilungen allesamt theologisch solide begründet und löblich. Der Teufel dürfte kaum seine Freude daran gehabt oder gar solches ersonnen haben. Da ist zum einen das tägliche Rosenkranzgebet. Die Muttergottes forderte die Kinder auf, täglich den Rosenkranz zu beten für den Frieden in der Welt und die Bekehrung der Sünder, was diese auch eifrig taten. Tatsächlich wird Fatima in erster Linie mit dem Rosenkranz in Verbindung gebracht und war der Beginn und Auslöser einer ganz neuen Rosenkranz-Bewegung unter den Katholiken.
Es entstanden großartige Initiativen wie der „Rosenkranz-Sühnekreuzzug“ in Österreich, der bis zum Mai 1955 über eine halbe Million Beter vereinigte, darunter zwei Bundeskanzler, und das mit offensichtlichem Erfolg. „So ist es nicht verwunderlich, dass in der unerwarteten Zustimmung der Russen zum Staatsvertrag im Jahre 1955 viele eine Erfüllung ihrer Bitten an die Gottesmutter sahen“, heißt es auf einer Internetseite. „Dazu Bundeskanzler Raab: ‚Wenn nicht soviel gebetet worden wäre, so viele Hände in Österreich sich zum Gebet gefaltet hätten, so hätten wir es wohl nicht geschafft.‘“ (Was für ein anderes „Wir schaffen das“, als das einer späteren deutschen Bundeskanzlerin!)
Zum zweiten fordert die Erscheinung von Fatima die Darbringung von Opfern für die Sünder. Sie ermutigte die Kinder, kleine Opfer für die Bekehrung der Seelen zu bringen und ihre Leiden mit den Leiden Christi zu vereinen. Das ist ausgezeichnete, gut katholische Spiritualität! Zum dritten zeigte sie ihnen eine Vision der Hölle und erinnerte sie an die dringende Notwendigkeit der Buße und des Gebetes für jene, die fern von Gott sind. Die Hölle ist eine Realität, und wir müssen unsere Seele retten, indem wir um jeden Preis die ewige Abwendung von Gott vermeiden.
Das „Gebet von Fatima“
Es sei hier eine kleine Anmerkung zu dem „Gebet von Fatima“ eingefügt, das heute vielfach heftig kritisiert wird. Das Gebet lautet in seiner am meisten verbreiteten Fassung, so, wie es Unsere Liebe Frau nach Lucias Erinnerung die Kinder gelehrt hat: „Wenn ihr den Rosenkranz betet, dann sagt nach jedem Gesätz: O mein Jesus, verzeihe uns unsere Sünden, bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen“ (Schwester Lucia spricht über Fatima, Stein am Rhein 1987, S. 176). Wie wir sehen, bringt dieses Gebet exakt den Wunsch der Muttergottes zum Ausdruck: „Betet, betet viel und bringt Opfer für die Sünder dar, denn viele Seelen kommen in die Hölle, weil niemand für sie opfert und betet.“ Papst Pius XII. schreibt in „Mystici Corporis“ (29. Juni 1943): „Es ist ein wahrhaft schaudererregendes Mysterium, das man niemals genug betrachten kann: daß nämlich das Heil vieler abhängig ist von den Gebeten und freiwilligen Bußübungen der Glieder des geheimnisvollen Leibes Jesu Christi, die sie zu diesem Zweck auf sich nehmen, und von der Mitwirkung, die die Hirten und Gläubigen, besonders die Familienväter und -mütter, unserm göttlichen Erlöser zu leisten haben.“
Dennoch meinen viele sauertöpfische neue Fatima-Kritiker, an diesem Gebet Anstoß nehmen zu müssen, genauer am zweiten Teil desselben. Dieser lehre, so behaupten sie, die modernistische Allerlösung und insinuiere die „Apokatastasis“-Lehre, wonach am Ende der Zeiten auch die Verdammten noch gerettet werden. Das wollen diese Leute aus den Worten herausgehört haben: „führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen“. Wir geben zu, daß man diese Passage so interpretieren kann, wenn man unbedingt will, wären aber selber nie auf diese Idee gekommen und haben sie selbstverständlich immer im rechtgläubigen Sinne aufgefaßt. Denn wenn wir Gott darum bitten, er möge „alle Seelen in den Himmel führen“, ist damit nicht gesagt, daß auch tatsächlich alle gerettet werden, schon gar nicht jene aus der Hölle, vor der bewahrt zu werden wir eben noch gebetet haben. Selbstverständlich sind nur die Seelen im Pilgerstand gemeint, vor allem die hartnäckigen Sünder, die Gottes Barmherzigkeit „am meisten bedürfen“. Was soll daran falsch sein? Entspricht dies nicht dem allgemeinen Heilswillen Gottes, der will, „daß alle Menschen gerettet werden“ (1 Tim 2, 4)? Auch wenn die Rettung nicht bei allen gelingt, und das nicht zuletzt deswegen, weil „niemand für sie opfert und betet“.
Wir dürfen darauf hinweisen, daß sich auch in alten kirchlichen Gebeten bisweilen Wendungen befinden, die mißverständlich sein können. Ja, sogar im Gebet des Herrn, das die Kirche überall seit Jahrhunderten und sogar in ihrer Liturgie verrichtet, kann man fündig werden, wenn man will. Wir erinnern uns an einen Gläubigen, der sich entsetzlich aufregte über den Satz: „und führe uns nicht in Versuchung“, aus dem „Vaterunser“. Dies sei blasphemisch, eine reine Gotteslästerung, so schimpfte er. Gott sei doch nicht der Teufel, der uns in Versuchung führe! Und doch steht es so in der Heiligen Schrift und wird von der Kirche gebetet: „Et ne nos inducas in tentationem.“ Man muß diese Worte nur richtig verstehen, so wie die Kirche sie versteht, dann gibt es keine Probleme. So auch mit dem Gebet von Fatima.
Die Andacht zum Unbefleckten Herzen Mariens
Zum vierten endlich ist da die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens. Bekanntlich wünschte Unsere Liebe Frau von Fatima, der Papst möge im Verein mit allen Bischöfen der Welt Rußland ihrem Unbefleckten Herzen weihen. Das werde der Welt den Frieden schenken, andernfalls große Übel über sie kommen werden. Das ist aber nur ein Teil der Botschaft, welche die Kinder am 13. Juli 1917 im Anschluß an die Höllenvision erhielten. Gemäß Lucias Bericht sprach Unsere Liebe Frau „voll Güte und Traurigkeit“: „Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder kommen. Um sie zu retten, will Gott in der Welt die Andacht zu meinem Unbefleckten Herzen begründen. Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele Seelen gerettet werden, und es wird Friede sein“ (S. 112). Sie spricht dann von der Strafe, die kommen wird, wenn man „aber nicht aufhört, Gott zu beleidigen“, sie kündigt für diesen Fall einen weiteren Weltkrieg an und die Bestrafung der Welt „für ihre Missetaten durch Krieg Hungersnot, Verfolgungen der Kirche und des Heiligen Vaters“. „Um das zu verhüten, werde ich kommen, um die Weihe Rußlands an mein Unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen des Monats zu verlangen.“
Es geht also um viel mehr als nur die „Weihe Rußlands“. Es geht um die besondere Andacht zum Unbefleckten Herzen Mariens, die Gott in der Welt begründen will, und die der „letzte Rettungsanker“ sein soll, wie Lucia an anderer Stelle einmal sagt. Diese Andacht fügt sich harmonisch in die göttliche Heilsökonomie. Bekanntlich erschien der Heiland persönlich in den Jahren 1673-1675 der heiligen Margareta Maria Alacoque, einer einfachen Ordensfrau, um durch sie die Menschheit zur Verehrung Seines heiligsten Herzens anzuspornen, ganz ähnlich wie das, was gut 250 Jahre später durch die Muttergottes geschah. Es war dies eine Zeit, in welcher der Abfall vom Glauben sich immer mehr ausbreitete und die „Liebe der vielen“ erkaltete. Mit der Verehrung Seines heiligsten Herzens, dieses „Thrones“ Seiner unendlichen und barmherzigen Liebe, wollte der Heiland dem entgegenwirken.
Er erschien deshalb der heiligen Margareta Maria mehrmals und „zeigte ihr sein von der Lanze durchbohrtes Herz, das durchsichtig wie Kristall war und Feuerflammen und Lichtstrahlen von sich warf, mit einer Dornenkrone umflochten war (wegen der Schmach, die die Sünder dem gütigen Heiland antun) und auf dem sich ein glänzendes Kreuz befand“ (Spirago, Volkskatechismus, S. 538-539). Er „verlangte, daß derartige Bilder des hl. Herzens zur Verehrung ausgestellt werden, um die gefühllosen Herzen der Menschen zu rühren, und versprach die Fülle der Gnaden und Segnungen allen, die das hl. Herz verehren“ (S. 539). Auch sollte die Feier eines Herz-Jesu-Festes am Freitag nach der Fronleichnamsoktav eingeführt werden, „an welchem Tage man die hl. Kommunion empfangen und dem Heiland Abbitte leisten soll für die ihm zugefügten Unbilden“. Dazu kam die Forderung, „daß man den ersten Freitag eines jeden Monats der Verehrung seines Herzens weihe und dem Bilde seines Herzens in der Wohnung einen Ehrenplatz einräume“ (ebd.). Für diese Verehrung Seines heiligsten Herzens hat Christus „die Fülle der Gnaden versprochen“.
„Im Jahr 1689 ließ Christus durch die selige Margareta dem französischen König Ludwig XIV. (1643-1715) sagen, er solle dem göttlichen Herzen Jesu eine Kirche bauen und sich mit seinem ganzen Hofe in dieser Kirche dem Herzen Jesu weihen. Dann solle er das Bild des göttlichen Herzens auf seine Fahne setzen und außerdem beim hl. Apostolischen Stuhle in Rom eine besondere Messe zu Ehren des Herzens Jesu zu erlangen suchen. Wenn er das tut, dann werde das göttliche Herz der Beschützer seiner Person und seines Reiches gegen alle Feinde sein. Der Wunsch Christi fand bei dem hochmütigen König keine Beachtung. Und sieh, was geschah ein Jahrhundert später? Wie die Weltgeschichte berichtet, wurde im nächsten Jahrhundert sein zweiter Nachfolger, König Ludwig XVI., von der Nationalversammlung seines Titels als ‚König von Frankreich’ verlustig erklärt und samt seiner Familie hingerichtet (1793), womit damals die Monarchie in Frankreich endete“ (Spirago, Beispielsammlung, S. 571).
Auf diesen Vorgang bezog sich der Heiland, als Er im Jahr 1931 einem Bericht zufolge Schw. Lucia von Fatima erschien und ihr mitteilte, „daß das Papsttum gleich den Bourbonen untergehen wird, da es sich geweigert habe, Rußland zu weihen“. „So wie letztere sich in der Gestalt Ludwigs XIV. 1689 geweigert hatten, ihr Land auf den Hinweis der hl. Margareta Maria Alacoque hin dem Heiligsten Herzen Jesu zu weihen - und einhundert Jahre später ihres Thrones verlustig gingen -, so würde auch das Papsttum aufgrund seiner Weigerung, Rußland dem Unbefleckten Herzen zu weihen, untergehen“ (Signum magnum apparuit – mit dem Unterschied freilich, daß das Papsttum niemals wirklich „untergehen“, wohl aber eine Zeitlang durch eine außergewöhnliche Sedisvakanz von langer Dauer „verfinstert“ sein kann.
Wir sehen hier genügend Parallelen, um die Andacht zum Unbefleckten Herzen Mariens als die folgerichtige Fortsetzung der Herz-Jesu-Verehrung zu erkennen. Da die Liebe zum heiligsten Herzen Jesu, des Erlösers und Gottmenschen, die Menschheit nicht auf ihrem abschüssigen Weg aufhalten konnte, versucht Gott nun ein letztes Mittel mit dem Herz der „Mutter der Barmherzigkeit“. Wenn dies nichts fruchtet, wird die Welt dem Zorn Gottes nicht mehr entgehen können. Von den neuen Gegnern Fatimas werden oft kleinliche und dümmliche Einwände vorgetragen wie etwa der, es sei mit der Demut der Muttergottes nicht vereinbar, wenn sie sich selber dermaßen in den Vordergrund stelle, oder der, daß sie den Kindern von Fatima angeblich ihr Herz gezeigt habe, wie sie es auf ihrer Hand trägt, was physisch unmöglich sei.
Nun, dieselben „Einwände“ müßte sich auch der Heiland selber gefallen lassen. Stellt Er sich nicht ebenfalls ungebührlich in den Vordergrund mit der Forderung der Herz-Jesu-Verehrung? Und das noch mit den Worten: „Lernet von Mir, denn ich bin sanft und demütig von Herzen“! Und ist nicht auch die Art, wie Er Sein Herz der heiligen Margareta Maria zeigte, „physisch unmöglich“? Nein, beide, der Heiland wie die Muttergottes, erfüllen nur demütig den Willen Gottes, der sowohl die Herz-Jesu- als auch die Herz-Mariä-Andacht in dieser Welt einführen wollte. Und selbstverständlich sind die Erscheinungen bei allem Realismus bildhaft, wie es bei Visionen grundsätzlich zu sein pflegt. Sie sollen eine geistige, nicht eine physische Wirklichkeit zum Ausdruck bringen.
Unterstützung durch die Kirche
Kommen wir zum fünften Glaubwürdigkeitsgrund, den „Introibo“ nennt: Die Kirche unterstützt die Botschaften anerkannter Privatoffenbarungen. Die Kirche hat aufgrund oder auf Veranlassung privater Offenbarungen mehrere Feste eingeführt, darunter das Hochfest Fronleichnam, das Herz-Jesu-Fest, das Fest vom Unbefleckten Herzen Mariens oder das Fest der Erscheinungen Unserer Lieben Frau von Lourdes. Sie approbierte Andachten wie die Herz-Jesu-Freitage oder die Herz-Mariä-Sühnesamstage und verlieh Ablässe. Der Tadel derer, die diese Privatoffenbarungen kritisieren, fällt auf die Kirche selber zurück.
„Introibo“ zitiert mehrere Theologen, welche belegen, daß es eine Verpflichtung der Gläubigen gibt, den bestätigten Privatoffenbarungen ihre Zustimmung zu geben. „Es ist nicht Häresie, aber sündhaft, das zurückzuweisen, was bekanntermaßen von Gott in einer Privatoffenbarung mitgeteilt wurde“, schreibt Slater in seiner Moraltheologie (1925). „Enthält eine Privatoffenbarung eine Botschaft für andere und wurde sie als authentisch anerkannt, dann haben diese Personen eine Verpflichtung, die Wahrheit der Offenbarung anzuerkennen und darauf zu reagieren“, heißt es bei Marin (1954). Van Noort (1961) sagt, daß eine solche Offenbarung sowohl von demjenigen, der sie empfängt, als auch von denjenigen, für den sie bestimmt ist, zu glauben sei, und auch die übrigen Gläubigen könnten sie nicht schlechthin leugnen, ohne „irgendeine Art von Sünde“ zu begehen.
Fügen wir hinzu, was Spirago in seinem „Volkskatechismus“ über Privatoffenbarungen schreibt. Diese geschehen, „um den Glauben zu heben“, auch „werden sie oft jenen Menschen zuteil, die sehr nach Vollkommenheit streben“. „Privat-Offenbarungen geschehen zum Nutzen der Kirche. (…) Wenn der Glaube in Gefahr ist, pflegt Gott durch Privat-Offenbarungen einzugreifen.“ Ferner: „Die Päpste haben manche Privatoffenbarungen gutgeheißen (approbiert) und auf Grund von Privatoffenbarungen Feiertage und kirchliche Andachten eingeführt und Ordensgemeinschaften errichtet.“ (S. 22). Daher haben wir nicht das Recht, Privatoffenbarungen geringzuschätzen.
Allerdings ist zu beachten: „Die Privatoffenbarungen unterscheiden sich wesentlich von der allgemeinen, an die Menschheit ergangenen Offenbarung, insbesondere dadurch, daß bei ihnen Irrtümer unterlaufen“ (S. 23). Das wird leider sowohl von Anhängern als auch von Gegnern oft nicht berücksichtigt. Beide glauben oft, Privatoffenbarungen seien ebenso unfehlbar wie die allgemeine Offenbarung, weshalb die einen alles gläubig annehmen wie das Evangelium und die anderen alles zurückweisen, weil sie einen Fehler entdeckten. Jedoch: „Die Empfänger und Vermittler der allgemeinen Offenbarung, wie z.B. die hl. Apostel, waren vom Heiligen Geiste derart erleuchtet, daß sie in Sachen des Seelenheiles nicht irren konnten. Die Empfänger der Privat-Offenbarungen sind gegen Irrtum nicht gesichert; sie können eine an sie ergangene Mitteilung unrichtig auffassen oder ungenau wiedergeben. Sie können zuweilen auch etwas für göttliche Erleuchtung ansehen, was ihrer Phantasie entsprungen ist“ (ebd.). Wenn also bei verschiedenen Berichten über Privatoffenbarungen gewisse Widersprüche oder Ungereimtheiten auftauchen, so ist das nichts Außergewöhnliches.
Einwände
Am Schluß geht „Introibo“ noch auf einige spezielle Einwände ein, von welchen uns vor allem der letzte interessiert. Lucia, so heißt es da, habe falsche Voraussagen gemacht, die nicht eingetroffen seien. Dies gilt im allgemeinen als sicheres Zeichen unechter Prophetie. So habe sie etwa das Ende des Krieges und den Beginn des Zweiten Weltkriegs falsch angekündigt und behauptet, daß in Portugal „das Dogma des Glaubens erhalten“ bleiben werde, obwohl der Verfall des Glaubens in Portugal kein anderer war als überall sonst in der Welt nach dem „II. Vatikanum“.
Am 13. Juli 1917 sagte die Erscheinung gemäß Lucias Erinnerungen zu den Kindern: „Der Krieg geht seinem Ende entgegen. Wenn man aber nicht aufhört, Gott zu beleidigen, wird unter dem Pontifikat von Pius XI. ein anderer, schlimmerer Krieg beginnen“ (S. 176). Stimmt nicht, rufen die Kritiker. Der Erste Weltkrieg endete erst 1918 und der Zweite Weltkrieg begann nicht unter Pius XI., sondern unter Pius XII. Doch erstens sagte die Jungfrau nicht, der Krieg werde nun gleich enden, sondern er gehe seinem Ende zu. Das war im Juli 1917 zweifellos der Fall. Im Frühjahr 1917 hatten die USA ihren Kriegseintritt erklärt, im gleichen Jahr gab es Entwicklungen wie die russische Revolution, die das Ende des Krieges beschleunigten. „Am 5. Dezember wurde ein später mehrfach verlängerter zehntägiger Waffenstillstand zwischen den Mittelmächten und Russland vereinbart und am 22. Dezember in Brest-Litowsk die zunächst ergebnislosen Friedensverhandlungen eröffnet, die am 3. März 1918 mit dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk endeten“ (Wikipedia). Was wäre also falsch gewesen an der Ankündigung der Muttergottes?
Was den II. Weltkrieg betrifft, so gilt heute allgemein der 1. September 1939 mit Hitlers Invasion in Polen als dessen Beginn. Das war gut sechs Monate nach der Übernahme des Pontifikats durch Pius XII. Doch teilen viele Historiker den Krieg in vier Phasen ein, und während er im Westen 1939 begann, so habe er im Osten mit der Invasion Chinas durch Japan begonnen im Jahre 1937, also während des Pontifikats von Pius XI. „Wikipedia“ schreibt: „In Europa begann der Zweite Weltkrieg am 1. September 1939 mit dem von Adolf Hitler befohlenen Überfall auf Polen. In Ostasien befand sich das Kaiserreich Großjapan unter Kaiser Hirohito bereits seit Juli 1937 im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg mit der Republik China und ab Mitte 1938 in einem Grenzkrieg mit der Sowjetunion.“ Auch in Europa hatte dieser Krieg seine Vorgeschichte, zu welcher der Spanische Bürgerkrieg (1936-39) ebenso gehörte wie der „Anschluß“ Österreichs oder die Annektierung des Sudetenlandes (beides 1938). Man kann also mit Fug und Recht sagen, daß der II. Weltkrieg bereits unter dem Pontifikat von Pius XI. begann, auch wenn heute allgemein der 1. September 1939 als Kriegsbeginn gilt.
Ähnlich verhält es sich übrigens auch mit anderen historischen Ereignissen, die ja in der Regel länger laufende Prozesse sind, denen man dann irgendein prägnantes Ereignis als symbolträchtigen Anfang setzt, um irgendwie den Beginn zu markieren. So etwa bei der Staatsgründung der USA, deren rechtliche Grundlage erst 1787/88 entstand, und die dennoch den 4. Juli 1776 als Gründungstag feiert, oder bei der Französischen Revolution, in deren Verlauf der „Sturm auf die Bastille“ nur eines von vielen Ereignissen war und trotzdem „als symbolischer Auftakt und Geburtsstunde der Französischen Revolution interpretiert“ wird. Es kommt bei solchen Daten immer sehr auf die jeweilige Sichtweise an. Sie können nicht als Beweis für die Unrichtigkeit prophetischer Aussagen dienen.
Portugal und das „Dritte Geheimnis“
Was aber ist mit der Voraussage über Portugal? Die Passage findet sich in derselben Botschaft vom 13. Juli 1917. Die Jungfrau gibt hier einen Ausblick in die Zukunft: „Am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren. Der Heilige Vater wird mir Rußland weihen, das sich bekehren wird, und eine Zeit des Friedens wird der Welt geschenkt werden. In Portugal wird sich immer das Dogma des Glaubens erhalten usw.“ (ebd.). Diese Worte waren es, welche die „Traditionalisten“ besonders beeindruckt und bewegt haben. Immer wieder ermunterte man sich gegenseitig mit dem „Triumph des Unbefleckten Herzens“ und sah sogar den „Sedisvakantismus“ widerlegt, denn schließlich erfolge die Weihe durch den „Heiligen Vater“, also müsse auch immer ein solcher vorhanden sein. Besonders aber elektrisierte sie der letzte Satz, dessen „usw.“ auf das sog. „Dritte Geheimnis“ deuten sollte.
Wir zweifeln nicht, daß das Unbefleckte Herz am Ende triumphieren wird. Auch sehen wir kein Problem darin, daß auch nach einer langen „Sedisvakanz“ wieder ein „Heiliger Vater“ da sein wird, der die Weihe Rußlands vollzieht. Schwieriger ist es mit dem „Dogma des Glaubens“ in Portugal. Da mit dieser Aussage, wie das „usw.“ andeutet, ein Satz beginnt oder sogar eine längere Passage, die wir nicht kennen, können wir sie leider nicht einordnen. Wir wissen nicht, in welchem Zusammenhang das gesagt ist. In der Regel wurde das „Dritte Geheimnis“ auf den allgemeinen Glaubensabfall und die „Kirchenkrise“ infolge des „II. Vatikanums“ ausgelegt, und dann interpretierte man den Satz so, daß Portugal davor verschont sein würde.
Das ist natürlich Unsinn und eine rein willkürliche Lesart. Wenn man den Abschnitt schon auf die „Kirchenkrise“ bezieht, könnte damit genauso gut gemeint sein, daß sich in Portugal ebenso wie in den anderen Ländern eine „Kirche in der Zerstreuung“ erhalten wird, in welcher das „Dogma des Glaubens“ bewahrt bleibt. Daß hier Portugal betont wird, mag daran liegen, daß sich die Botschaft an portugiesische Kinder richtet. Letztlich wissen wir nicht und können es auch nicht wissen, was diese Worte wirklich bedeuten, solange wir nur dieses Fragment haben. Keinesfalls ist es irgendein Beweis für die Falschheit der Aussage, nur weil eine willkürliche Deutung nicht funktioniert.
Schluß
In seiner Konklusion stellt „Introibo“ die Frage: „Ist Unsere Liebe Frau in Fatima erschienen?“ und antwortet: „Mit Sicherheit ja.“ Man könne Fatima ebenso wenig leugnen wie die Erscheinungen des Heilands an die heilige Margareta Maria Alacoque. Auch wenn man Privatoffenbarungen nicht zum Dreh- und Angelpunkt des Glaubens machen solle, könne man Fatima oder irgendeine anerkannte Offenbarung nicht einfach zurückweisen, ohne die Kirche zu verachten und eine Sünde zu begehen. Was wäre der Sinn eines Lehramts, dem wir nicht vertrauen können, wenn es uns sagt, was wir glauben dürfen? Könnten wir je falsch liegen, wenn wir etwas glauben, was uns die Kirche als „glaubwürdig“ vorlegt? Nein. Oder können wir jemals falsch liegen, wenn wir nicht glauben, was uns die Kirche als „glaubwürdig“ vorlegt? Leider ja.
Bedauerlicherweise ist das gerade die Krankheit der „Traditionalisten“ (und nicht nur dieser), daß sie der Kirche und dem Lehramt nicht trauen. Lieber glauben sie jeder Erscheinung – ob falsch oder echt – und sind dann enttäuscht, wenn sie sich nicht bestätigt sehen. Als Katholiken halten wir uns an die Kirche und an das Lehramt und können daher nicht fehlgehen, auch bei Privatoffenbarungen. Sind sie von der Kirche approbiert, dann nehmen wir sie als echt an, sind sie nicht approbiert, dann lassen wir sie beiseite. An Fatima gibt es für uns Katholiken keinen Zweifel.