Die Bischofsweihen von Erzbischof Lefebvre aus dem Jahre 1988 haben sich als außerordentlich fruchtbar erwiesen. Wir erinnern uns: Damals weihte er am 30. Juni, unterstützt von Bischof de Castro Mayer, vier „Pius“-Priester zu Bischöfen, gegen das ausdrückliche Verbot seines „Papstes“, was allen sechs Bischöfen – den weihenden und den neugeweihten – die „Exkommunikation latae sententiae“ eintrug. Das hinderte sie nicht, munter als Bischöfe zu agieren, und am 28. Juli 1991 konsekrierten drei der „Pius-Weihbischöfe“ ihrerseits einen Bischof als Ersatz für den im selben Jahr verstorbenen Bischof de Castro Mayer, wieder im Ungehorsam gegen ihren „Papst“. Dieser Bischof fungierte wiederum am 18. August 2002 vor seinem nahenden Hinscheiden als „Mitkonsekrator“ bei der Weihe seines Nachfolgers, diesmal sogar mit „päpstlichem Mandat“ und allem Drum und Dran, nachdem seine Gemeinschaft den „vollen“ Anschluß an das „konziliare“ Rom vollzogen hatte.
Ein Bruderzwist mit Folgen
Danach gab es einige Jahre Ruhe, bis der damalige „Pius“-Vorsitzende, einer der vier „Weihbischöfe“, aus Eifersucht auf die Idee kam, einen seiner Bischofskollegen am 24. Oktober 2012 aus der Bruderschaft zu werfen. Ein Bruderzwist mit Folgen. Denn dieser – es war der „umstrittene“ Bischof Williamson – zeigte sich sofort sehr weihefreudig und konsekrierte jeweils am Josefstag 2015 und 2016 einen Bischof für die aus der „Piusbruderschaft“ hervorgegangene „Resistance“. Zwischen 2017 und 2022 weihte er mindestens vier weitere Bischöfe. So genau weiß man es nicht, weil er seit „Corona“ dazu übergegangen war, die Weihen „geheim“ zu vollziehen. Er soll auch „Erzbischof“ Vigano „heimlich“ nachgeweiht haben. Williamson verstarb im Jahr 2025, weshalb seine Weihetätigkeit versiegte. Ob einer seiner „Bischofssöhne“ inzwischen einen „Bischofsenkel“ hervorgebracht hat, ist uns nicht bekannt.
Lefebvre- und Thuc-Linie vereint
Dafür erwies sich die um Williamson gescharte „Pius-Resistance“ ihrerseits als fruchtbarer Nährboden für Bischöfe. Ein junger Brasilianer, geboren im Jahr der ersten „Pius“-Nachfolgeweihen 1991, der ursprünglich ein Diözesanseminar besucht hatte, schloß sich schließlich dem „Pius-Widerstand“ an und wurde am 23. Dezember 2017 von Williamson in Nova Friburgo zum Priester geweiht. Kurz darauf „bekehrte“ sich der junge Mann zum „Sedisvakantismus“ und nahm Kontakt zu Bischof Dolan auf. Daniel Lytle Dolan war in frühen Jahren Seminarist in Ecône gewesen und von Erzbischof Lefebvre zum Priester geweiht worden. 1983 war er unter den berühmten „Neun“, jenen neun amerikanischen „Pius“-Priestern, die Lefebvre wegen angeblichen „Sedisvakantismus“ mit einer unwilligen Kopfbewegung aus seiner „Bruderschaft“ warf und die dann tatsächlich – mehr oder weniger – „Sedisvakantisten“ wurden.
Zehn Jahre später, am 30. November 1993, ließ sich Dolan von Bischof Pivarunas aus der „Thuc-Linie“ zum Bischof weihen und rühmte sich, als erster die beiden Linien von Lefebvre und Thuc zu verbinden. Später folgte der mit ihm zusammen aus der „Piusbruderschaft“ verwiesene Donald Sanborn seinem Beispiel und ließ sich 2002 ebenfalls zu einem Bischof der „Thuc“-Linie konsekrieren. Er betreibt heute ein Seminar in den USA und hat mit dem „RCI“ seinen eigenen Verein aufgemacht, der strikt „sedisprivationistisch“ ausgerichtet ist. Inzwischen hat er zwei Bischöfe für sein „Institut“ geweiht.
Die jüngere Generation
Als Dolan den jungen Brasilianer kennenlernte, war er so sehr angetan von diesem, daß er nicht lange zögerte, ihm die Bischofswürde anzutragen. Am 29. September 2021 legte er ihm die Hände auf, und das war sozusagen providentiell, denn wenig später, am 26. April 2022, verstarb Dolan ganz plötzlich, ohne einen Nachfolger vorgesehen zu haben. Da war es ein Glück, daß der Brasilianer, Rodrigo da Silva mit Namen, zur Verfügung stand und gleich am 18. Mai 2022 seinerseits die Bischofsweihe weitergeben konnte an einen von Dolans Männern. Einmal im Schwung vollzog er am 1. Mai 2023 zusammen mit seinem neuen „Sohn“ im bischöflichen Weiheamte gleich noch eine Bischofskonsekration in Ohio, diesmal an einem Nigerianer, der damit zugleich sein „Bischofssohn und -enkel“ ist.
Danach verzog er sich zurück nach Brasilien, wo er seinen eigenen „Club“ samt Seminar betreibt, blieb aber weiterhin äußerst rührig. U.a. tauchte er bei den „Klarissen von Belorado“ in Spanien auf, die durch ihren Kampf gegen die „Erzdiözese“ in die Schlagzeilen geraten waren. Vor allem hatte er Geschmack an der Weihe von Bischöfen gefunden, und so währte es nicht lange, bis er am 1. Januar 2024 zwei ehemaligen Kollegen aus der „Pius-Resistance“ die bischöfliche Würde weitergab. Einer dieser beiden, ein junger Kanadier namens Pierre Roy, zeigt sich besonders umtriebig und hat neuerdings eine Kampagne gestartet zur Veranstaltung eines „unvollkommenen allgemeinen Konzils“ mit dem Ziel einer Papstwahl.
Von der einsamen Insel zum Bischof
Da er nun schon bald zweieinhalb Jahre Bischof ist und immer noch selber keinen Bischof geweiht hat, wollte er auch darin nicht untätig bleiben und plant nun für den Bischofs-Blüten-Monat Juli, da die „Piusbruderschaft“ das „Bischofs-Sommermärchen“ am 1. Juli eröffnet hat, ebenfalls eine Weihe am 25. Juli. Der auserwählte Kandidat dafür ist der Vorsitzende der „Transalpinen Redemptoristen“ aus dem schottischen Papa Stronsay. Diese Gemeinschaft hat eine bewegte Geschichte hinter sich, die gleichfalls mit der „Piusbruderschaft“ eng verbunden ist. Ihr Gründer, der jetzige Bischofskandidat, war zunächst bei den „konziliaren“ Redemptoristen eingetreten, ehe er sich von diesen abwendete und Erzbischof Lefebvre anschloß. Von diesem und von Kardinal Gagnon, der 1987 die Lefebvristen „visitierte“, ermutigt, machte er seine eigene „altrituelle“ „Redemptoristen“-Kongregation auf, deren Priesteramtskandidaten bei der „Piusbruderschaft“ studierten und von deren Bischöfen geweiht wurden.
„In den ersten Jahren wechselte die Gemeinschaft ihren Sitz mehrfach“, berichtet „katholisch.de“. „Ihr erstes Kloster war auf der Insel Sheppey im Süden Englands nahe Kent, sechs Jahre nach der Gründung zogen sie in ein französisches Kloster. Ihr heutiger Hauptsitz, die Insel Papa Stronsay in Schottland, besteht seit 1999. Die Ordensleute kauften gleich die ganze Insel im Archipel Orkney und gründeten dort ihr Kloster Golgotha.“ Um nicht mit den existierenden „konziliaren Redemptoristen“ in Streit wegen des Namensrechts zu gelangen, benannten sie sich „Transalpine Redemptoristen“. Als mit Ratzinger der „liturgische Frühling“ einkehrte, machten sie ihren „Deal“ mit Rom und wandten sich von der „Piusbruderschaft“ ab. Am 1. Juli 2008 konnten sie stolz die „Eingliederung in die Kirche“ verkünden. „Alle kanonischen Strafen wurden aufgehoben“, freuten sie sich. „Unsere Gemeinschaft freut sich nun sehr darüber, dass wir unzweifelhaft und harmonisch die Gemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl haben, weil unsere Priester jetzt kirchenrechtlich regulär sind.“ Ein Teil von ihnen soll allerdings dabei nicht mitgemacht haben.
Endlich wurden sie vom zuständigen „konziliaren Bischof“ als „Ordensgemeinschaft“ errichtet und erhielten den offiziellen Namen „Söhne des allerheiligsten Erlösers“. Auf ihrer Insel wurde es ihnen wohl zu einsam. Im Jahr 2017 „expandierten“ sie nach Neuseeland, doch kam es dort bald zu Konflikten mit dem Bistum. 2024 wurden sie von dort ausgewiesen, ein Rekurs nach Rom 2025 blieb erfolglos. Die „Harmonie“ war damit zu Ende. Fortan übten die „Redemptoristen“ harsche Kritik, nicht zuletzt an „Papst Franziskus“, dem Haßobjekt aller Tradis. Endlich, am 2. Mai 2026, erklärten sie in einem öffentlichen Schreiben, daß sie „die Päpste seit Paul VI.“ nicht mehr anerkennen. Von der „Piusbruderschaft“ hatte ihr Weg sie über die „konziliare Kirche“ zum „Sedisvakantismus“ geführt. Und schon winkt der Lohn: Ihr Chef wird Bischof! Hätten sie diesen Schwenk doch schon einmal früher vollzogen!
Geistig unfruchtbar
Wir sehen, wie (äußerlich) fruchtbar sich der Schoß der „Piusbruderschaft“ für künftige Bischöfe erweist. Aus den schismatischen Bischofsweihen durch Lefebvre vor 38 Jahren sind zunächst die vier „Pius“-Bischöfe, dann zwei „halbkonziliare“ Bischöfe für Campos, via Williamson mindestens sechs „Resistance“-Bischöfe und endlich vier neue „Pius-Mainstream“-Bischöfe hervorgegangen, das macht summa summarum nicht weniger als 16 Bischöfe, von denen 13 noch leben. Durch Transfer aus dem „Pius“- in das „Thuc-Lager“ bzw. aus einer Kreuzung der beiden entstanden zunächst zwei weitere Bischöfe, von denen der eine wiederum zwei, der andere einen Bischof hervorbrachte, macht insgesamt fünf. Da sind wir schon bei 21. Letzterer zeigte sich wieder überaus fruchtbar und zeugte vier neue Bischöfe, von denen einer bereits „schwanger“ geht, um demnächst den nächsten „Pius-Sedi-Bischof“ hervorzubringen. Dann sind wir bei 26 Bischöfen. 22 davon sind am Leben. Eine stolze Zahl!
Das wäre erfreulich, wenn sie denn allesamt katholische Bischöfe wären und nicht das ganze Durcheinander mit den diversen Clubs und ihren verschiedenen Sonderlehren wäre. Da sind die „Piusbrüder“, für die die „Partei“ alles ist. Da sind die „halb-konziliaren“ Campos-Leute. Da ist die „Pius-Resistance“ mit ihrem eingefleischten, beinharten und unerbittlichen Lefebvrismus. Da sind die „Sedisprivationisten“ mit ihrer absonderlichen semi-lefebvristischen „THESE“. Da sind die „Sedi-Lefebvristen“ mit ihrer „ersetzenden Jurisdiktion“. In allen steckt ein Stück Lefebvrismus. Der Apfel fällt eben nicht weit vom Stamm. Viele Bischöfe, aber letztlich ohne Nutzen für die Kirche. Parteiungen und Entzweiungen. Ewiger Bruderzwist. Äußerlich fruchtbar, geistig unfruchtbar. Das Erbe Lefebvres.