Betrug und Wahrheit

Die „Gebetsoktav für die Einheit der Christen“, die morgen wieder beginnt und heutzutage mit großem Eifer im Sinne des falschen „Ökumenismus“ begangen wird, hat ursprünglich eine ganz andere Bedeutung. Sie geht zurück auf eine Initiative, die vor allem um die Rückkehr der Anglikaner zur katholischen Kirche bemüht war, wurde vom heiligen Papst Pius X. 1909 approbiert und von Papst Benedikt XV. 1916 auf die ganze Kirche ausgedehnt. Worum es den Initiatoren ging, zeigen schon die Daten, denn die Gebetswoche reicht vom 18. Januar, dem – von „Johannes XXIII.“ später „abgeschafften“ – Fest der Stuhlfeier Petri, bis zum 25. Januar, dem Fest der Bekehrung des heiligen Apostels Paulus.

Der Sinn ist also die Bekehrung der von der Kirche getrennten Christen zur Einheit der wahren Kirche unter dem Statthalter Christi und Nachfolger des heiligen Petrus, dem römischen Papst – genau das, was man heute verächtlich als „Rückkehr-Ökumene“ abtut. Und doch ist es der einzige Weg zum Heil, denn es gibt nur diese eine wahre Kirche, in der wir gerettet werden. Wenn uns am Seelenheil der getrennten Christen etwas liegt, können wir nicht anders als darum beten, daß sie zur wahren Kirche zurückfinden. Das ist heute dringender und prekärer denn je, da die wahre Kirche „verfinstert“ ist und eine Betrügerin ihren Platz eingenommen hat, weshalb auch die sog. Katholiken der Bekehrung und Rückkehr bedürfen. Daher besteht für uns die unabweisbare Notwendigkeit, den Seelen, soweit wir es vermögen, Licht zu geben und ihnen zu zeigen, wo sie auf dem stürmischen Meer und in der Finsternis den sicheren Hafen finden, wo sie vor Anker gehen können um nicht unterzugehen: die Kirche Christi.

Leserzuschrift

Louie Verrecchio hat eine Leserzuschrift erhalten, in der er gefragt wird: „Warum bemühen Sie sich so sehr, die Menschen davon zu überzeugen, daß die ‚konziliare Kirche‘ nicht wirklich die katholische Kirche ist? Das scheint reine Zeitverschwendung zu sein. Selbst wenn Sie recht haben, müssen Sie zugeben, daß die Täuschung so geschickt ist, daß die meisten guten Menschen darauf hereinfallen. Christus wird dies bei unserem besonderen Gericht klären. Die Menschen kommen nicht in die Hölle, weil sie getäuscht wurden. Also noch einmal: Warum bemühen Sie sich so sehr?“

Das ist sicherlich eine ganz gute Frage, die eine vernünftige Antwort verdient. So sah das auch Mr. Verrecchio und machte sich daran, eine Antwort zu formulieren, die er veröffentlichte, weil sie vielleicht für den einen oder anderen Leser nützlich sein könnte. Das denken wir auch und wollen die Früchte dieser Bemühungen mit unseren Lesern teilen.

Die wahre Religion zu erkennen ist nicht schwer

Louie beginnt mit der Enzyklika „Immortale Dei“ von Leo XIII., in welcher der Papst schreibt: „Welche aber die wahre Religion sei, dies zu erkennen ist nicht schwer für den, der aufrichtigen Herzens und nach reiflicher Überlegung urteilt. So viele und so lichtvolle Beweisgründe, die Wahrheit der Weissagungen, die häufigen Wunder, die äußerst schnelle Verbreitung des Glaubens mitten in einer feindlichen Welt und unter den größten Hindernissen, das Zeugnis der Märtyrer, und so manches ähnliche geben Klarheit darüber: Jene ist die allein wahre Religion, welche Jesus Christus selbst gestiftet und sie Seiner Kirche zu behüten und weiter auszubreiten übergeben hat.“

Verrecchio stellt diese Worte in ihren historischen Kontext und weist darauf hin, daß sie 1885 geschrieben wurden, knapp ein Jahr, nachdem der Heilige Vater eine Vision dämonischer Geister gehabt haben soll, welche eine große Offensive gegen die Kirche planten, was ihn veranlaßte, das Gebet zum heiligen Erzengel Michael zu verfassen. Im darauffolgenden Jahr 1886 setzte der Papst die „Leoninischen Gebete“ fest, die nach jeder stillen Messe zu beten sind und ebenfalls ein Michaels-Gebet enthalten. Auch wenn es keine eindeutige Dokumentation gibt über die mystische Erfahrung des Heiligen Vaters, so ist die verbreitete Darstellung die, daß er ein Gespräch zwischen Satan und Unserem Herrn hörte, in welchem der Teufel in seiner Anmaßung behauptet, er könne die Kirche zerstören, wenn man ihm genügend Zeit dafür gebe.

Die falsche „Kirche“

Mag nun daran sein, was will, eines steht für Verrecchio fest: Auch wenn Satan nicht erfolgreich darin war (und auch nicht erfolgreich sein kann), die Kirche zu zerstören, so ist er doch offensichtlich mit allen Kräften dabei, es zu versuchen. Und er hat schon viel mehr erreicht, als Papst Leo XIII. und dessen Zeitgenossen sich hätten vorstellen können. (Obwohl die Pläne der Freimaurerei damals bereits bekannt waren, die im Grunde alles schon genau ausgemalt hatten.) Vieles, so Verrecchio, habe sich dank der teuflischen Bemühungen seither geändert. 1885 sei es zweifellos nicht schwierig gewesen, die wahre Religion zu erkennen. Dann aber sei einiges geschehen, zumal als es auf die 1960er Jahre zuging.

1958 starb Papst Pius XII., und Angelo Guiseppe Roncalli, der sich „Johannes XXIII.“ nannte, hatte nichts eiligeres zu tun, as das „Zweite Vatikanische Konzil“ einzuberufen. Nach seinem Tod im Jahr 1963 setzte Giovanni Battista Montini, genannt „Paul VI.“, das „Konzil“ fort und beendete es am 8. Dezember 1965. „Diese revolutionäre Versammlung der Bischöfe aus aller Welt brachte eine Reihe von mit Irrtümern behafteten Dokumenten hervor, die als Magna Charta der falschen Religion dienen, die daraus hervorgegangen ist – nennen wir sie die ‚konziliare Kirche‘ – eine Gesellschaft, die sich lediglich als Heilige Römisch-Katholische Kirche ausgibt und deren einziger Zweck darin besteht, die konziliare Religion zu verbreiten.“ Eigentlich müßte man genauer sagen: deren einziger Zweck darin besteht, die katholische Kirche zu verdrängen oder zu „verfinstern“, wie es bei einer Sonnenfinsternis geschieht, wenn der Mond sich davor schiebt.

„Diese falsche Kirche hält zahlreiche Lehren für unantastbar, die mit dem Glauben, wie er in den Jahrhunderten vor dem Konzil gelehrt wurde, völlig unvereinbar sind. So viel ist offensichtlich, d.h. jeder, der sich die Zeit nimmt, die zweitausendjährige Lehre der katholischen Kirche mit der Lehre des Konzils zu vergleichen, wird zwangsläufig zu dem Schluß kommen, daß sie nicht identisch sind und daß man auch nicht sagen kann, daß Letztere eine echte Weiterentwicklung in Kontinuität mit Ersterer darstellt.“ Das ist der entscheidende Punkt: Die offensichtlichen Widersprüche in Lehre und Disziplin zu dem, was jahrhundertelang in der Kirche gegolten hat, sind nicht zu übersehen. Da die Kirche sich nicht selber widersprechen kann, ist die Folgerung unausweichlich, daß es sich um verschiedene „Kirchen“ handelt, von denen eine falsch sein muß. Da die „alte“ Kirche nicht jahrhundertelang falsch gewesen sein kann, muß die „neue“ die falsche sein. Wohlgemerkt: Es geht nicht darum, daß wir irgendwelche „Neuerungen“ evaluieren und ablehnen, weil sie uns nicht gefallen. Es geht um die Feststellung des offenkundigen Widerspruchs und die einzig logische Schlußfolgerung daraus.

Sich täuschen und sich täuschen lassen

Trotzdem, stellt Verrecchio fest, gebe es viele Leute, durchaus intelligente und aufrichtig erscheinende Personen, die, wie es scheint, nichts anderes wollen als katholisch zu sein und zu bleiben und die dennoch darauf beharren, daß die „konziliare Kirche“ die wahre sei. Auch wenn unter diesen eine stattliche Anzahl sei, die anerkennen, daß viele der Anführer dieser „Kirche“, darunter als nicht der geringste der Mann in Weiß an ihrer Spitze, schuldig sind, die Herzen und Geister der naiven Gläubigen mit verdorbenen Glaubens- und Morallehren zu vergiften, so bestünden sie doch darauf, ihren Kurs beizubehalten und sich so zu verhalten, als sei diese falsche „Kirche“ der mystische Leib Christi und die einzige Arche der Erlösung, obwohl sie schwer beschädigt ist, mit Wasser volläuft und kurz vor dem Kentern steht.

Aber glauben sie das wirklich? Sind sie unwissende Opfer einer diabolisch-genialen Täuschung, oder sind sie in irgendeiner Weise mitschuldig an dieser List und somit schuldig für ihr Anhangen an eine Religion, die so offensichtlich falsch ist? Wurden sie nur getäuscht, oder haben sie sich auch täuschen lassen? Gott wird gerecht urteilen, aber nach Louies Ansicht gibt es zwar viele, die getäuscht werden, aber auch etliche, die es einfach bequemer, populärer oder profitabler finden, mit der Mehrheit zu laufen. Wir kennen dieses Phänomen, das schon der Heiland in das Bild vom breiten, bequemen Weg und vom schmalen, steilen Pfad gekleidet hat. Die Masse wird immer den ersteren bevorzugen und sich gerne täuschen lassen. Den schmalen Pfad finden nur wenige Mutige. Ihre „Zahl ist so klein, daß wir vor Schmerz erbleichen würden, wenn wir sie sähen“, sagt der heilige Ludwig Maria Grignion de Montfort.

Geistige Verderbnis

Wie auch immer, jedenfalls dünkt es Mr. Verrecchio so, als sei die Sache heute lange nicht so klar wie im Jahr 1885, als Papst Leo seine Enzyklika schrieb. Die eine wahre Religion sei längst nicht mehr so einfach zu finden, dank der intensiven, unausgesetzten Anstrengungen Satans zur Vernichtung der Kirche. Wir dürfen dabei nicht die jahrhundertelangen Vorarbeiten vergessen, die seit dem Ende des Mittelalters unablässig betrieben wurden, um ein völlig liberal durchtränktes Umfeld zu schaffen und das Denken der Menschen durch Skeptizismus, Agnostizismus, Naturalismus, Materialismus und andere „moderne“ Philosophien vollständig zu verderben.

Diese geistige Verderbnis hat in den letzten 150 Jahren noch einmal so rasante Fortschritte gemacht, daß man kaum mehr jemanden findet, der sich einen gesunden Menschenverstand bewahrt hat und sich auch dessen zu bedienen wagt. Andersen könnte das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern heute so gar nicht mehr schreiben, weil es entweder das Kind nicht mehr gibt, das ganz unvoreingenommen die Wahrheit sieht und auch sagt, oder weil dieses Kind sofort von den anderen zum Schweigen gebracht würde, die nicht dulden würden, aus ihrer Illusion geweckt zu werden.

Das Verstummen der lebendigen Stimme des Lehramts

Dennoch hält Verrecchio dafür, daß es nicht unmöglich geworden sei für aufrechte Sucher, die Wahrheit zu finden und selbst heute die eine wahre Religion zu erkennen. Zweifellos gewähre Gott gerne die nötigen Gnaden, um durch das Dickicht der diabolischen Täuschung zu dringen. (Es muß auch so sein, denn sonst würde Gott selber dem Betrug Vorschub leisten.) Dafür sei er, Verrechio, das lebende Beispiel. Tatsächlich hat er einen langen (Irr-)Weg hinter sich, der ihn von der Apostasie über die „konservative“ Seite der „Konziliaren Kirche“ und den „Traditionalismus“ der „Piusbruderschaft“ bis zum „Sedisvakantismus“ führte. Doch gebe es einige Schwierigkeiten zu überwinden, die es vor 150 Jahren noch nicht gab.

Zum einen und zuerst sei da das Verstummen der lebendigen Stimme des kirchlichen Lehramts. Die Lehrautorität unserer heiligen Mutter, der Kirche, schlummere heute in den Vatikanischen Archiven und müsse in den „vorkonziliaren“ Akten des Lehramts und den approbierten Schriften der Theologen aus jener Zeit erforscht werden. Zwar gebe es noch einige Priester und Bischöfe, welche den wahren Glauben predigen und sich Mühe geben, dessen zeitlose Prinzipien auf die gegenwärtigen Umstände anzuwenden, doch seien dies vereinzelte Stimmen des Rufers in der öden Wüste im Vergleich zur „Kakophonie“, welche die „klerikalen Scharlatane“ fortwährend auf allen Kanälen anrichteten. Vor allem aber, dürfen wir anfügen, fehlt diesen Stimmen letztlich die kirchliche Autorität, denn keiner dieser Priester und Bischöfe verfügt über eine amtliche Sendung.

Ausfall des Statthalters Christi und schändliches Surrogat

Der schmerzlichste Umstand unserer Tage ist zweifellos der Ausfall des Statthalters Christi, des Obersten Hirten, der im „Namen des Königs“ spricht und für uns in allen religiösen Fragen die unfehlbare Glaubensregel darstellt. (Noch schlimmer ist freilich, daß ein Talmi-Papst unterdessen ein häretisches Leeramt vorgaukelt.) In den „vorkonziliaren“ Jahrhunderten konnte selbst ein nicht-christlicher Sucher der Wahrheit nicht unbeeindruckt bleiben von der unerschütterlichen Festigkeit und Heiligkeit des Papstes. Allgemein sah man diese Männer als die moralische Autorität der Welt an, deren Gestalt die eines sogenannten „Welt-Führers“ weit übertraf, deren Einfluß in Lehre und Moral von Katholiken und Nicht-Katholiken gleichermaßen anerkannt wurde. „Die Kirche, das unveränderliche Bollwerk der Wahrheit, strahlte unter der Führung dieser Päpste selbst in den dunkelsten Zeiten als Leuchtfeuer der Hoffnung“, schwärmt Verrecchio mit einem Anflug von Poesie. Wahrhaft konnte man sagen, daß die wahre Religion leicht zu finden sei.

Ganz anders ist es mit der „Konziliaren Kirche“. Sie, die den heiligen Namen der Kirche „gestohlen“ hat, ging daran, mit den Feinden der katholischen Kirche zu verhandeln, ja zu kollaborieren. Es entstanden Allianzen mit Heiden, Häretikern, Schismatikern, es wurden Pakte mit Kommunisten und Liberalen geschlossen, der Unmoral im Klerus wurde kaum Einhalt geboten, aber viel Vorschub geleistet usw. Kurz, all die Anzeichen der wahren Religion, die Leo XIII. anführt, fehlen dieser „Kirche“ gänzlich. Es ist eine der übelsten Folgen jenes betrügerischen, schändlichen und lästerlichen Surrogats, daß es das Aussehen der Kirche in den Augen der Welt und damit ihr Ansehen und ihren Ruf dermaßen beschädigt hat, daß man kaum mehr nachvollziehen kann, wieso überhaupt noch jemand zu dieser „Kirche“ gehören oder konvertieren will.

Zwar ist dies einerseits von Vorteil, denn so werden viele, die es ernst meinen, abgehalten, sich dieser Sekte anzuschließen, andererseits aber ist es ein Hindernis für jene, die nach der wahren Religion suchen und sie nicht finden, weil die „konziliare“ Monsterkirche, die sie für die katholische Kirche halten, davon abschreckt. Andererseits wieder muß man sagen, daß es gerade die abstoßende Abscheulichkeit jener „Buhlerin Babylon“ ist, die zumindest klar und einfach erkennbar macht, daß sie NICHT die katholische Kirche ist. Die Schwierigkeit besteht darin, die wahre Kirche zu finden, die, durch diese in Dünkel prunkende und das „Blut der Heiligen“ trinkende Gestalt verdeckt und „verfinstert“, ein Schattendasein als „Kirche in der Zerstreuung“ führen muß. (Wobei, wie man einräumen muß, das Auftreten und Gehabe der Vertreter dieser „Kirche in der Zerstreuung“ in der Regel auch nicht gerade dazu angetan ist, Außenstehende zu überzeugen, daß hier die wahre Kirche sei.)

Moralischer Anspruch

Verrecchio sieht einen weiteren Grund, warum die „Konziliare“ Monsterkirche verführerisch sein kann: Kam eine Person in früheren Zeiten zu dem Entschluß, daß die „papistische“ Kirche die wahre sei, und wollte sich ihr anschließen, so mußte sie einige moralische Forderungen erfüllen, die die katholische Kirche an ihre Mitglieder stellt, wie z.B. Verbot von Verhütungsmitteln und Ehescheidung, und die sie oft in Gegensatz zu ihrer liberalen Umgebung brachte. Das war für viele ein Stolperstein. Bei der „Konziliaren Kirche“ gibt es diesen nicht mehr. Man kann „konziliar katholisch“ sein, ohne irgendwelche moralischen Ansprüche erfüllen zu müssen. Die „Barmherzigkeitskirche“ macht’s möglich. „Wiederverheiratete Geschiedene“, „gleichgeschlechtliche Paare“, was auch immer – alles kein Problem. Sie alle sind in dieser „Kirche“ herzlich willkommen und empfangen die „Kommunion“ und den „Segen“ für ihre Lebensweise.

Auch dies ist natürlich eine zweischneidige Sache. Denn so sehr manche damit zufrieden sein mögen, anerkanntermaßen und ohne Beunruhigung in ihren Sünden dahinleben und trotzdem vorbildlich „katholisch“ sein zu können – oft sind sie sogar noch als „Lektoren“, „Kommunionhelfer“ etc. eingebunden –, so wird doch eine Seele mit auch nur ein wenig ernsthaftem religiösem Tiefgang sich von dieser Art „Religiosität“ kaum angezogen fühlen. Denn ehrlich: Warum sollte jemand sich überhaupt um Religion bekümmern, wenn er nur ein oberflächliches und bequemes Leben führen will? Eben das macht die Anziehungskraft vieler „traditionalistischer“ Gruppen gerade für junge Leute aus, die einen tieferen Sinn in ihrem Leben suchen. Darin liegt aber auch deren Verführungskraft, denn diese Gruppen sehen weit mehr nach katholischer Kirche aus, sind es aber nicht. Sie sind zwar nicht der „Mainstream“, gehören aber doch zur „Konziliaren Kirche“, und so ist der Betrug durch sie noch ärger.

„Reifliche Überlegung“ und „aufrichtiges Herz“

Immerhin geht es um das Heil der Seelen, das ewige Glück oder die ewige Verdammnis der Menschen. Denn die Zugehörigkeit zur wahren Kirche ist nun einmal heilsnotwendig. Darum ist und bleibt es von höchster Notwendigkeit, die wahre Kirche als solche zu erkennen. Trifft also auch heute noch zu, was Papst Leo XIII. sagt: „Welche aber die wahre Religion sei, dies zu erkennen ist nicht schwer für den, der aufrichtigen Herzens und nach reiflicher Überlegung urteilt“? Wir meinen ja. Es ist zwar schwerer als vor 150 Jahren, das ist richtig. Es verlangt mehr „reifliche Überlegung“ und ein noch „aufrichtigeres Herz“. Meistens mangelt es wenigstens an einem von beiden. Wenn aber beides vorhanden ist und die Gnade Gottes hinzukommt, die niemandem fehlen wird, der sich darum bemüht und betet, dann ist es nach wie vor möglich, die wahre Religion zu erkennen. Oft wundert man sich hinterher, wie verblüffend einfach es eigentlich war, wenn man erst einmal die Stolpersteine aus dem eigenen Herzen und die Trübungen des klaren Blicks aus seinen geistigen Augen entfernt hat.

Daß die „Konziliare“ Monsterkirche nicht die Kirche Christi ist, kann – nicht zuletzt dank Bergoglios Intermezzo – leicht eingesehen werden. Viele freilich, die diesen Schritt machen, werden dann zunächst durch die „traditionalistischen“ Varianten geblendet werden. Doch wer „aufrichtigen Herzens“ bleibt und sich weiterhin „reiflicher Überlegung“ widmet, wird feststellen müssen, daß diese Gruppen nicht wirklich im Gegensatz zur „Konziliaren“ Menschheitskirche stehen. Mögen sie „voll“ in diese integriert sein oder sich als „Schismatiker“ in deren Umfeld bewegen, ihnen allen ist gemeinsam, daß sie die Monsterkirche für die wahre Kirche Christi ausgeben und somit – gewollt oder ungewollt – als Helfershelfer der buhlerischen Betrügerin auftreten. Und noch eines haben sie gemeinsam: Sie bekämpfen alle denselben Feind, nämlich den „Hyperpapalismus“ oder „Ultramontanismus“ – genau das, was den wahren Katholiken ausmacht –, und sind daher strikt „anti-sedisvakantistisch“ ausgerichtet. Somit braucht man den Blick nur in jene Richtung zu lenken, vor welcher sie warnen und die sie am meisten fürchten, um die wahre Kirche zu finden.

Gefahren

Damit sind nicht alle Gefahren und Schwierigkeiten überwunden, denn aufgrund des Ausfalls der kirchlichen Autoritäten ist die wahre Kirche zu einer „Kirche in der Zerstreuung“ geworden. Das heißt wir finden keine eindeutig identifizierbare große Struktur, sondern nur verstreute Grüppchen. Dennoch gibt es klare Richtlinien, nach der alten Regel: „Ubi papa, ibi ecclesia“ (Wo der Papst, da die Kirche). Daher können beispielsweise solche, die einen falschen „Papst“ im Kanon der Heiligen Messe nennen, oder solche, die das in Ordnung finden oder den Besuch solcher Messen für zulässig erklären, nicht die wahre Kirche sein. Ebenso können solche, die sich trotz des Ausfalls der kirchlichen Autorität irgendeine Hirtengewalt oder „Jurisdiktion“ zuschreiben – außer der ersetzenden Jurisdiktion für die Sakramentenspendung – nicht zur wahren Kirche gehören. Auch dort ist größte Vorsicht geboten, wo eine andere Philosophie vertreten wird als die von den Päpsten empfohlene und vorgeschriebene scholastische Philosophie des heiligen Thomas von Aquin, oder wo besondere Thesen oder Sonderideen gelehrt werden, die nie von einem Papst gelehrt oder approbiert wurden, deren Bekenntnis aber gefordert wird für die Zugehörigkeit zu jener Gruppe oder den Empfang von Weihen.

Auch das sind klare Kennzeichen, die man beachten muß. Nie darf man die „reifliche Überlegung“ und das „aufrichtige Herz“ beiseite legen und meinen, nun sei man bei der richtigen Gruppe, der Oase der Seligen und in der wahren Kirche angekommen und könne sich sorglos ihr überlassen. Nur bei der Kirche mit ihrem Felsenfundament, dem Papst, haben wir diese Sicherheit, aber bei keiner noch so überzeugend erscheinenden Gruppierung, möge sie auch über eine große weltweite Organisation, einen oder mehrere Bischöfe, Kleriker und „Ordensleute“ etc. verfügen und großartig im „Internet“ vertreten sein. Im Gegenteil, je mehr davon vorhanden ist, desto mehr Mißtrauen ist angesagt, denn umso größer ist die Gefahr, einer „Ersatzkirche“ aufzusitzen, die jedenfalls nicht die wahre Kirche Christi ist; denn diese ist nicht zu „ersetzen“. Beten und warten wir geduldig, bis Gott uns wieder einen Papst gibt, und bleiben wir im übrigen wachsam, halten wir fest an der einen und wahren Kirche Christi, die es ohne Papst nicht gibt (auch wenn selbstverständlich Zeiten der Sedisvakanz vorkommen, in denen kein aktueller Papst vorhanden ist).

Antwort auf die Frage

Damit zurück zur Frage des Lesers vom Anfang, die wir nun beantworten können: „Warum bemühen Sie sich so sehr, die Menschen davon zu überzeugen, daß die ‚konziliare Kirche‘ nicht wirklich die katholische Kirche ist? Das scheint reine Zeitverschwendung zu sein.“ Es ist ganz und gar keine Zeitverschwendung, denn außerhalb der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche dann das Heil nicht gefunden werden. Darum ist es von allergrößter Wichtigkeit zu wissen, wo diese Kirche ist und wo sie nicht ist. Nichts weniger als unser ewiges Schicksal hängt an dieser Frage, Rettung oder Untergang der Seele, die viel mehr ist als der Leib. „Suchet also zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit; und dieses alles wird euch zugegeben werden“ (Mt 6, 33). Die Suche nach dem „Reich Gottes“ muß unsere allererste Aufgabe sein. Das Reich Gottes auf Erden aber ist die Kirche.

„Selbst wenn Sie recht haben, müssen Sie zugeben, daß die Täuschung so geschickt ist, daß die meisten guten Menschen darauf hereinfallen. Christus wird dies bei unserem besonderen Gericht klären. Die Menschen kommen nicht in die Hölle, weil sie getäuscht wurden. Also noch einmal: Warum bemühen Sie sich so sehr?“ Die Kirche ist heilsnotwendig. Außerhalb der „katholischen, apostolischen, römischen Kirche kann sich niemand retten, wie sich auch niemand außerhalb der Arche Noah, die ein Vorbild dieser Kirche war, retten konnte“, lehrt uns der Katechismus des heiligen Pius X. (Nr. 169). Allerdings gilt auch: „Wer sich ohne seine Schuld, das heißt im guten Glauben, außerhalb der Kirche befindet und die Taufe empfangen oder unausgesprochen wenigstens das Verlangen darnach hat, wer außerdem aufrichtig die Wahrheit sucht und den Willen Gottes erfüllt, so gut er kann, der ist, wenn auch getrennt vom Leib der Kirche, dennoch mit ihrer Seele vereinigt und daher auf dem Wege des Heiles“ (Nr. 171).

Wer also tatsächlich ohne eigene Schuld und obwohl er „aufrichtig nach der Wahrhaft sucht“ auf die Täuschung durch die „Konziliare Kirche“ (oder irgendwelche „Traditionalisten“) hereingefallen ist, „der ist, wenn auch getrennt vom Leib der Kirche, dennoch mit ihrer Seele vereinigt und daher auf dem Wege des Heiles“. Ob die betreffende Person tatsächlich ohne ihre Schuld die wahre Kirche nicht erkannt hat, wird in der Tat Christus beim persönlichen Gericht klären. In der Regel wird Gott freilich eine Seele, die wirklich aufrichtig nach der Wahrheit sucht, nicht in der Täuschung belassen, sondern ihr die nötigen Gnaden und Hinweise gewähren, damit sie auch an ihr Ziel gelangt. „Suchet, und ihr werdet finden“ (Mt 7, 7). Wir dürfen also nicht einfachhin davon ausgehen, daß alle, die sich täuschen lassen und in der Täuschung verharren, vollkommen schuldlos sind. Wenn es aber beim einen oder anderen so ist, dann wird derjenige deswegen selbstverständlich nicht in die Hölle kommen, womöglich aber anderer Sünden wegen, die er nicht begangen hätte, wenn er nicht nur mit der Seele, sondern auch mit dem Leib der Kirche vereinigt gewesen wäre. Schon deswegen ist es wichtig, die Seelen über die „konziliare“ Täuschung aufzuklären.

Liebe zur Wahrheit

Den seelenmörderischen Betrug durch die „Konziliare Kirche“ und jene, die dazu Beihilfe leisten wie die Tradis, aufzudecken, ist eine der allerwichtigsten Aufgaben unserer Zeit. Wer sich ihr widmet, wird vielleicht wenig sichtbaren Erfolg haben, darf aber sicher sein, daß für ihn gilt, was der heilige Jakobus sagt: „Meine Brüder! wenn einer von euch abirrt von der Wahrheit und es führt ihn jemand zurück, so wisse er, daß, wer einen Sünder von seinem Irrwege zurückführt, der wird dessen Seele vom Tode retten und eine Menge Sünden zudecken“ (Jak 5, 19-20). Wenn also nur ein einziger gerettet würde, hätte sich der Aufwand bereits tausendfach gelohnt.

Grundsätzlich gilt: Die Wahrheit ist es immer wert, sich um sie zu bemühen und alles für sie zu tun. Gott ist die Wahrheit. „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn in Geist und Wahrheit anbeten“ (Joh 4,24). Der Heiland sagt von Sich: „Ich bin dazu geboren, und dazu in die Welt gekommen, daß ich der Wahrheit Zeugnis gebe. Jeder, der aus der Wahrheit ist, höret meine Stimme“ (Joh 18, 37-38). Und an anderer Stelle: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14, 6). Die Wahrheit gehört untrennbar zur Liebe: „Denn die Frucht des Lichtes besteht in jeglicher Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit“ (Eph 5, 9). Die Liebe „freut sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber mit der Wahrheit“ (1 Kor 13, 6). Wenn wir den Heiland und die Seelen lieben, können wir gar nicht anders, als gegen Lüge und Betrug beharrlich an der Wahrheit festzuhalten und sie, so gut wir es vermögen, auch zu sagen und zu verbreiten. Für die Letzten Zeiten sagt der heilige Paulus voraus, daß viele „verloren gehen, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht aufgenommen haben, um errettet zu werden“ (2 Thess 2, 10). Wehe uns, wenn wir von der „Liebe zur Wahrheit“ ließen!