Zum Fest des heiligen Namens Jesu finden wir das Beispiel des heiligen Ignatius von Antiochien, den „den Namen Jesu im Herzen“ trug, wie Prof. Franz Spirago in seiner „Beispielsammlung“ schreibt.
Der hl. Ignatius, dessen Gedenktag am 1. Februar gefeiert wird, sprach sehr gern den Namen „Jesus“ aus. Von ihm wird folgendes erzählt: Als sich die Apostel untereinander stritten, wer von ihnen der größte im Himmelreiche sein werde, kam Christus mit ihnen nach Kafarnaum, rief dort einen bei seiner Mutter unter der Haustür stehenden 4jährigen Knaben zu sich, nahm ihn bei der Hand und sprach zu den Aposteln: „Wenn ihr euch nicht ändert und wie die Kinder werdet, so werdet ihr in das Himmelreich nicht eingehen. Wer sich demütigt, wie dieses Kind, der ist der größte im Himmelreiche.“ (Matth. 18. 3 ff.) Dieser Knabe namens Ignatius lief in späteren Jahren sehr oft an jenen Ort, wohin ihn der Heiland gerufen hatte, küßte dort den Boden und sprach zu seinen Kameraden: „Seht, hier an diesem Orte hat mich Jesus in die Arme genommen.“
Ignatius wuchs heran, wurde später Priester und dann Bischof in der großen Stadt Antiochia, wo zuvor der hl. Petrus 7 Jahre gewirkt hatte. Antiochia wurde bald christlich. Als nun der römische Kaiser Trajan auf seinem Kriegszuge nach Antiochia kam und dort die Götzentempel leer fand, fragte er den Statthalter, wer daran schuld sei, daß die Tempel leer stehen. Der Statthalter sprach: „Der Bischof der Christen, Ignatius, ist daran schuld.“ Da ließ der Kaiser den greisen Bischof vor sich kommen und fragte ihn: „Bist du der böse Geist, der in dieser Stadt so großen Aufruhr stiftet?“ Ignatius antwortete: „Der ist kein böser Geist, der Gott im Herzen trägt.“ Der Kaiser sprach: „Du meinst wohl Jesum von Nazareth?“ Der Bischof bejahte und belehrte den Kaiser über die Torheit des heidnischen Götzendienstes. Darüber wurde dieser aufgebracht und sprach zu den Soldaten: „Ad leonem“, d.h. für den Löwen. Ignatius war also zum Tode verurteilt; er sollte in Rom den Löwen vorgeworfen werden.
Die Soldaten brachten ihn auf ein Schiff und führten ihn nach Rom. Die Christen in Rom wollten ihn befreien und seinen Tod verhindern; doch Ignatius schrieb ihnen einen Brief und bat sie, ihm die Märtyrerkrone nicht zu entreißen. In Rom angekommen, wurde er im Amphitheater vor einer ungeheuren Volksmenge zwei hungrigen Löwen preisgegeben. Zuvor verrichtete der hl. Ignatius ein lautes Gebet und sprach: „Der Name Jesus kann aus meinem Munde nicht weichen; und wenn auch, so kann er nicht ausgelöscht werden aus meinem Herzen.“ Alle heidnischen Zuschauer wunderten sich über die Standhaftigkeit und den freudigen Tod dieses Greises. Die Löwen zerrissen ihn und ließen nur einige Gebeine und das Herz übrig. Im Herzen war zu lesen der Name Jesus, von blauen Adern gebildet.
Die Reisegefährten des hl. Ignatius holten nachts aus dem Amphitheater dessen Reliquien und nahmen sie mit nach Antiochien, wo sie auf dem Altare aufbewahrt und hoch in Ehren gehalten wurden. Dies geschah im Jahre 107. Der liebe Gott hat also diesen Heiligen ausgezeichnet, weil er den Namen Jesus hoch in Ehren gehalten hat.
Soweit der Bericht von Spirago. Über den heiligen Ignatius von Antiochien hat das „Bistum Augsburg“ einige interessante Informationen: „Einer Legende des 4. Jahrhunderts nach war Ignatius das Kind, das Jesus in die Mitte seiner Jünger stellte und als Vorbild empfahl, um in das Himmelreich zu gelangen (Mt 18,2).“ Davon haben wir eben gehört. „Beständiger kirchlicher Überlieferung nach war er ein Schüler des Apostels Johannes, der ihn im Jahr 69 mit dem Bischofsamt von Antiochien (heute Antakya, Türkei) betraute, der drittwichtigsten Metropole des Römischen Reichs, wo zum ersten Mal die Bezeichnung ‚Christen‘ aufkam (Apg 11,26).“ Diese „beständige kirchliche Überlieferung“ ist für uns ein wichtiges und vollkommen verläßliches Zeugnis.
Antiochien, damals die „glänzende Hauptstadt Syriens“, nimmt bei der Entstehung der Kirche eine herausragende Stellung ein. Sie war „nach Rom und Alexandria die größte Stadt des römischen Reiches“ (Buchbergers LThK, 1. Band, Freiburg i.Br. 1930, Sp. 491). Neben der Judenchristengemeinde, die vom heiligen Petrus gegründet wurde, „hatte sich hier die erste heidenchristliche gebildet, die herrlich gedieh durch das Wirken der hll. Paulus und Barnabas. Hier wurden zuerst die Glieder der neuen Gemeinschaft als Christianoi [Christen] bezeichnet.“ Hier hatte der heilige Petrus für mehrere Jahre seinen Sitz, bevor er nach Rom ging. Hier spielte sich der „Antiochenische Zwischenfall“ ab, der von den „Traditionalisten“ gerne für ihre Sache ausgeschlachtet wird, als es zwischen den beiden Apostelfürsten, dem heiligen Petrus und dem heiligen Paulus, zu einer Auseinandersetzung über die jüdischen Speisevorschriften kam.
Weiter mit der Bistums-Seite: „Ignatius wurde laut der Kirchengeschichte von Eusebius von Caesarea ‚nach Rom geschickt und wegen seines Zeugnisses für Christus den wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen‘. Der Bischof erlitt im Flavischen Amphitheater (dem Kolosseum) das Martyrium.“ Dazu wurde er nach etlichen Martern den Löwen vorgeworfen. „Seine Bedeutung hat Ignatius aber seiner sieben Briefe wegen, die er auf seiner letzten Reise durch Kleinasien nach Rom schrieb.“ Diese Briefe gehören zu den ältesten schriftlichen Zeugnissen des frühen Christentums, die wir besitzen. „In ihnen kommt zum ersten Mal die Bezeichnung ‚katholische Kirche‘ vor.“ So alt ist dieser ehrwürdige Name! „Er verband mit der Mahnung, sich vor den aufkommenden Häresien zu hüten, die dringende Empfehlung, nicht von der Überlieferung der Apostel und der Einheit mit den Bischöfen, vor allem mit dem römischen, abzurücken.“ Das ist für die heutigen „Traditionalisten“ ein vielleicht nicht unwichtiger Hinweis. Der heilige Ignatius stellt die „Überlieferung der Apostel“ nicht über die „Einheit mit den Bischöfen, vor allem mit dem römischen“, sondern für ihn ist beides untrennbar miteinander verknüpft.
„Bei Ignatius findet sich das Bekenntnis zum einen Gott sowie zur Trinität von Vater, Sohn und Geist, er hielt gegen Irrlehrer die wahre Menschheit Jesu Christi fest, ohne Abstriche von dessen wahrer Göttlichkeit zu machen, und hinterließ eine sehr präzise Eucharistielehre, die unter anderem einschärft, dass sie nur unter Vorsitz des Bischofs oder eines seiner Delegierten gefeiert werden darf.“ Die gesamte katholische Lehre und Disziplin war bei ihm im Grunde bereits vorhanden, und das ganz zu Beginn der Kirche vor gut 2000 Jahren. Seine „Intransigenz“ und „Intoleranz“ gegen die Häresie und die Häretiker macht ihn den Modernisten unsympathisch, sein Festhalten an der kirchlichen Hierarchie verleidet ihn den „Traditionalisten“. Man beachte: So wie der heilige Ignatius die „Tradition“ unauflöslich mit den Bischöfen und dem Papst verbindet, so strikt stellt er die Feier der Heiligen Messe unter den „Vorsitz des Bischofs oder eines seiner Delegierten“. Genau das ist es, was bis heute im von den Tradis (und sogar etlichen Sedis) so verschmähten „una cum“ im Kanon der Heiligen Messe geschieht: der Zelebrant bekennt sich feierlich als „Delegierten“ des Bischofs und des Papstes. Der heilige Ignatius fand das nicht so „lächerlich“ wie gewisse führende „Traditionalisten“. Von ihm stammt der Ausspruch: „Es ist klar, daß man den Bischof wie den Herrn selbst ansehen muß“, und: „Wer den Bischof ehrt, wird von Gott geehrt. Wer ohne den Bischof etwas tut, dient dem Teufel.“ Mögen sich das alle mit goldenen Lettern in ihr Lebensbuch eintragen, die glauben, katholisch sein zu können und gleichzeitig diejenigen zu mißachten, die sie für Bischöfe oder gar den Papst halten. Was katholisch ist, hat uns der heilige Ignatius gelehrt und hat es durch sein Blut bezeugt.
Der heilige Ignatius, der im römischen Meßkanon „gleich nach den Aposteln genannt wird“, wird von den „orientalischen Kirchen als ‚Vater der Orthodoxie‘ (Rechtgläubigkeit)“ verehrt, von der „koptische(n) Kirche (mit einer antirömischen Spitze) als ‚Nachfolger Petri‘“, die lateinische Kirche ehrt ihn als „Apostolischen Vater“. Ein interessantes Detail: „Die syrisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochien tragen ihm zu Ehren alle den Namen Ignatius.“ Und auch das ist bemerkenswert: „Als man der Legende nach seinen Leichnam barg und sein Herz gesondert entnahm, hatte sich darauf das griechische Christusmonogramm IHS eingebrannt. Eneko von Loyola nahm es sich zu eigen, als er sich in Ignatius umbenannte.“ Iñigo von Loyola hieß allerdings bereits von der Taufe an „Ignatius“ (denn das bedeutet der spanische Name), wenngleich nach einem anderen Patron, aber zweifellos nahm er sich den heiligen Ignatius von Antiochien zu seinem Vorbild und übernahm dessen besondere Verehrung Jesu und Seines heiligen Namens für sich und seinen Orden, den er die „Gesellschaft Jesu“ („Societas Jesu“) nannte und welchem er das Christusmonogramm als Zeichen gab. Auch diesen Heiligen und seinen Orden hat Gott „ausgezeichnet, weil er den Namen Jesus hoch in Ehren gehalten hat“. „Im Namen Jesu“ wirkten der heilige Ignatius von Loyola und der Jesuiten-Orden all das Große, was sie für die Kirche getan haben.
Für uns heute ist der heilige Ignatius von Antiochien ein sehr zeitgemäßes Vorbild und ein Helfer, um den Namen Jesu und damit den katholischen Glauben fest in unserem Mund und in unserem Herzen zu tragen.