Das Licht von La Salette - 8

Um die Botschaft von La Salette besser zu verstehen, müssen wir die Hintergründe beleuchten und haben deshalb einen Exkurs begonnen über Frankreich, „älteste Tochter der Kirche und Sorgenkind“. Diesen wollen wir hier fortsetzen und beenden. Stehengeblieben waren wir bei Ludwig XIV., dem „abstolutesten Monarchen“, und den „gallikanischen Artikeln“.

„Neue Philosophie“

„Hatte Gallikanismus und Jansenismus die Kraft der katholischen Kirche in Frankreich bedeutend geschwächt, so machten sich noch andere Einflüsse zur Vernichtung der Religiosität geltend, welche in kurzer Zeit so schnell alles Leben zerstörten. Die Regentschaft des sittenlosen Herzogs von Orleans war ein Unglück für die Religion des Landes. An seinem Hofe herrschte die gemeinste Sinnlichkeit, wobei alle religiösen Übungen als leere Zeremonien und Formen mitgemacht wurden. So kam der Geist der Unlauterkeit und Geringschätzung alles Religiösen in weitere Kreise und allmählich ins ganze Land“ (Sp. 1782). Gleichsam wie in einem Labor sehen wir in Frankreich den Prozeß ablaufen, der die Religion eines Landes zerstört. Dazu gehört politisches Machtstreben, Schisma, Häresie, Sittenlosigkeit mit „Geringschätzung alles Religiösen“. Die Folge: „Aus diesem frivolen Leben und Denken entwickelte sich bald auch eine frivole Wissenschaft, welche von England aus noch Nahrung erhielt“ (Sp. 1782-1783). Diese Verfinsterung des Denkens nannte man „Aufklärung“ bzw. „Lumière“, „Licht“.

„Diese Philosophie trat bald offen mit der Bekämpfung alles Offenbarungsglaubens hervor und wurde noch gehässiger, als die Geistlichkeit sich ihrer Gegner durch gesetzliche Mittel zu entledigen suchte“ (Sp. 1783). Sie erwies damit ihren naturalistischen Charakter, welcher per se der Übernatur und damit der Kirche und dem Christentum feindlich ist, und offenbarte ihren Urheber, der sich gerne als „Lichtbringer“ gibt, während er in Wirklichkeit mit Finsternis und Nebel das wahre Licht zum Erlöschen bringen will, das Christus ist. „Anfangs wählte man die unschuldige Form von Reisebeschreibungen, in welcher man dem Publikum die neue Philosophie bot.“ Der Böse Feind arbeitet immer gerne mit Tarnung und Tricks, denn hinter dieser Fassade zeigte sich: „Alle diese Schriften verhöhnten die kirchlichen Institutionen. Der Historiker Bayle aber dehnte diese Verspottung auch auf die Heilige Schrift aus und behauptete, die menschliche Gesellschaft könne auch ohne Religion leben. Hierdurch wurde für weitere Unternehmungen gegen die Kirche der Weg geebnet“ (ebd.).

„Écrasez l’infâme“

Bald brach sich der wahre Geist dieser Bewegung Bahn. „Der Verein der Enzyklopädisten, mit Voltaire an der Spitze, war vom tiefsten Hasse gegen das Christentum erfüllt und machte die Vernichtung desselben unter dem Losungsworte Écrasez l’infâme zu seiner Aufgabe. Während Voltaire mit beißendem Spotte das Thema variierte, daß die christliche Religion eine Erfindung und ein Betrug der Priester sei, predigten und verbreiteten andre, wie Diderot, Condillac, Helvetius, Julien Offroy de la Mettrie, den nacktesten Atheismus und Naturalismus. So wurden alle gebildeten Kreise mit dem Gifte des Unglaubens und der Religionsverachtung infiziert, und um die Wirkung desselben desto sicherer zu machen, mußte noch Rousseau (gest. 1778) die atheistischen Grundsätze in die Pädagogik einführen“ (ebd.). Welchen Erfolg dieses Unternehmen hatte, können wir heute nicht nur in Frankreich, sondern weltweit erleben.

Zwar machte der französische Klerus den König auf die Gefahr aufmerksam und schlug „Mittel zur Abwendung derselben“ vor, doch nachdem Ludwig XV. sich darüber Bericht erstatten hatte lassen, „begnügte sich das Parlament mit der kleinlichen Maßnahme, sieben anstößige Werke verbrennen zu lassen“ – natürlich sehr zum Vorteil der Schuldigen, die sich damit als ungerecht Verfolgte darstellen konnten. Die „Philosophen“, wie sie sich nannten, „wußten jetzt ihren Einfluß um so weiter im Lande zu verbreiten, die Minister Choiseul und Malesherbes in ihr Interesse zu ziehen und selbst auf die Erziehungsanstalten ihre Wirksamkeit auszudehnen“ (ebd.). Die möglichst frühzeitige Beeinflussung der Jugend war immer das vornehmste Ziel der kirchenfeindlichen Kräfte.

Wider die Jesuiten

Daneben richteten die „gemeinsamen Feinde der Kirche, Gallikanismus, Jansenismus, Philosophie und Unsittlichkeit“, ihre „Angriffe mit besonderer Ausdauer gegen die ersten Vertreter der katholischen Idee, die Jesuiten“ (Sp. 1784). Kein Gegner der Kirche hat es je unterlassen, gegen diesen Orden, der gleichsam seit seiner Gründung die Speerspitze des Papstes im Kampf für Glaube und Kirche, gegen Irrlehre und Schisma war, anzugehen und dessen Vernichtung anzustreben. „Mit den alten jansenistischen Feinden verband sich die Hofpartei unter Leitung der berüchtigten Pompadour und des Ministers Choiseul, dann die Enzyklopädisten. Voltaire schreib an Helvetius: ‚Haben wir einmal die Jesuiten vernichtet, dann haben wir mit der Infamen [der Kirche!] leichtes Spiel‘“ (ebd.).

Zwar traten die Bischöfe für die Jesuiten „auf einer Versammlung ein, das Parlament aber erklärte (6. Aug. 1762) die Gesellschaft Jesu als staatsgefährlich und hob sie für Frankreich auf. Der schwache Ludwig XV. genehmigte endlich 1764 den Beschluß, gestattete jedoch den einzelnen Mitgliedern, als Privatpersonen unter den Augen der Bischöfe im Lande zu leben (…). Mit der Vertreibung der Jesuiten hatten die Philosophen wirklich gesiegt“ (ebd.). Es war jedoch ein verhängnisvoller Sieg, denn: „Bald hatte sich die Gottlosigkeit mehr als verdoppelt; ein neues Geschlecht ohne Sinn für Religion und Frömmigkeit war herangewachsen. Wer seine religiösen Pflichten noch erfüllte, setzte sich der Spötterei aus; an die Stelle der Offenbarungswahrheit war die Vernunft und die Philosophie getreten“ (ebd.). Alles war bereit für die blutigen Schrecken der Revolution.

Umsturz von Thron und Altar

Wie es leider oft oder fast immer ist, hielten die Feinde der Kirche zusammen und bildeten eine gemeinsame Front, „aber die Katholiken entbehrten vor allen Dingen die geschlossene Einheit, um dem Unglauben siegreich entgegentreten zu können“ (ebd.). „Zur Beschleunigung des Umsturzes von Thron und Altar halfen die politischen Zustände des Landes wesentlich mit“ (Sp. 1784-1785). Wie sahen diese aus? „Die französischen Könige hatten bislang nach Erweiterung ihrer äußern und innern Macht mit großem Erfolge gestrebt. Bei der Thronbesteigung Ludwigs XV. war ganz Frankreich beinahe eine einzige Monarchie (…). Zur Stärkung der französischen Macht hatten die Könige seit Ludwig XI. ihre Politik stets auf die Schwächung Österreichs gerichtet“ (Sp. 1785). Diese Politik änderte sich durch Mme. Pompadour, und Frankreich wurde „in den kostspieligen und fruchtlosen siebenjährigen Krieg verwickelt und hatte außerdem noch einen siebenjährigen Seekrieg mit England zu bestehen“ (ebd.). Die Folge davon war, daß Frankreich in „kolossale Schulden“ geriet und die Steuerlast für das Volk „eine fast unerträgliche“ wurde.

„Ludwig XV. hatte für diese Notlage kein Verständnis, ihn fesselten nur die Buhlerinnen. Als er sich schließlich ganz der Leitung einer gewöhnlichen Person überließ, welche er zur Gräfin Dubarry erhob, erschöpfte diese die Finanzen vollständig (…). Als der elende Weichling endlich starb (1774), wurde sein Enkel und Nachfolger Ludwig XVI. (1774-1792) als le désiré [der Ersehnte] begrüßt“ (ebd.). Doch leider enttäuschte er die Erwartungen. „Der sehnsüchtig Erwartete hatte nicht Klugheit und Kraft genug, um Heilung zu bringen. Dazu kam die Teilnahme am nordamerikanischen Freiheitskriege und der große Aufwand der Königin. Ein unheilbares Defizit von 140 Millionen Livres jährlich stellte sich heraus, welches im Verein mit den von den Philosophen angeregten und durch den nordamerikanischen Freiheitskrieg genährten Revolutionsideen den Ausbruch der Revolution herbeiführte“ (ebd.).

Die „Nationalversammlung“

„Nach vielen vergeblichen Versuchen, der Finanznot abzuhelfen, griff man zum letzten Mittel und berief auf den 4. Mai 1789 die seit 1614 nicht mehr versammelten Reichsstände nach Versailles. Es erschienen 308 Vertreter des Klerus, 285 des Adels, 621 des dritten Standes“ (ebd.). Der Klerus war also gut vertreten, sollte man meinen. Doch: „Kaum hatte die Versammlung den Anfang genommen, als die Vertreter des dritten Standes beschlossen, daß auch Klerus und Adel zu gemeinschaftlichen Beratungen mit ihnen zusammentreten sollten (…). Hiergegen protestierten Klerus und Adel, worauf der dritte Stand, hauptsächlich auf Sieyes’ Antrag, sich als ‚Nationalversammlung‘ erklärte (17. Juni). Dieser Beschluß ist der eigentliche Ausgangspunkt der Revolution“ (Sp. 1785-1786) – nicht der symbolträchtig gewählte und legendär ausgestaltete „Sturm auf die Bastille“.

„Der König befahl der Versammlung vergebens, sich aufzulösen; der Präsident Bailly führt dieselbe, als das gewöhnliche Sitzungslokal mit Wachen besetzt war, nach dem Ballhause und ließ alle Mitglieder schwören, nicht eher auseinander zu gehen, bis sie Frankreich eine Konstitution gegeben hätten“ (Sp. 1786). Wie reagierte der Klerus darauf? „Es gingen 152 Mitglieder des Klerus, unter ihnen die Erzbischöfe von Vienne und Bordeaux, die Bischöfe von Chartres, Coutances und Rodez und besonders Bischof Talleyrand von Autun, zum dritten Stande über. Talleyrand wurde der Führer dieser Klerisei“ (ebd.). Über Talleyrand werden wir noch hören. „Als der König in die Vereinigung der drei Stände einwilligte, erklärte sich die Versammlung als konstituierende Nationalversammlung (19. Juni 1789)“ (ebd.).

Enteignung der Kirche, Aufhebung der Orden und Zivilkonstitution

Kurz nach dem „Sturm auf die Bastille“ (14. Juli) „usurpierte die Nationalversammlung die politische Gewalt und trat mit der Absicht hervor, Klerus und Adel ihrer Rechte und Güter zu berauben“ (ebd.). Das Ziel jeder „Revolution“: Macht und Geld. „Der Klerus erklärte sich samt dem Adel zur Tilgung der Staatsschuld bereit“, doch war das den Revolutionären nicht genug. Talleyrand brachte dann „am 10. Oktober die Motion ein, alles Kirchengut für Nationaleigentum zu erklären und damit die Staatsschulden zu bezahlen“. „Am 2. November stellte die Nationalversammlung alle Kirchengüter der Nation zur Verfügung, versprach aber für den Unterhalt des Klerus und Kultus auf schickliche Weise Rat zu schaffen. Am 19. Dezember ward der Klerus seiner Güter und des größten Teiles seiner jährlichen Renten beraubt (…). Am 13. Februar 1790 wurden alle Mönchsorden aufgehoben“ (ebd.). Das typische und immer gleiche Vorgehen aller Kirchenfeinde.

Doch damit nicht genug. Zwar stellte man den Pfarrern ein Einkommen von 1200 Franken „nebst Haus und Garten“ in Aussicht, doch: „Bevor noch dem Klerus sein Unterhalt gereicht wurde, stellte die Nationalversammlung für denselben eine Zivilkonstitution auf (12. Juni 1790)“ (Sp. 1787). Diese sah u.a. vor, daß die Bischöfe und Pfarrer „von den gewöhnlichen Wahlversammlungen der Departements ernannt werden, die Konfirmation [Bestätigung] der Bischöfe in Zukunft aber nicht durch den Papst, sondern durch die Metropoliten vollzogen werde“. „Obgleich die Bischöfe hiergegen protestierten, ward doch beschlossen, daß alle Geistlichen bei Verlust ihrer Ämter gehalten seien, diese Zivilkonstitution zu beschwören“ (ebd.). König Ludwig XVI., nachdem er aufgrund der Warnung des Papstes lange gezögert hatte, erteilte „gezwungen“ seine Genehmigung „endlich am 27. Dezember“.

Gewalt und Verfolgung

„Unter dem Klerus des Landes fanden sich über 50 000 Priester, welche ihrer Pflicht getreu den Eid verweigerten. Die konstitutionellen Geistlichen wurden durch Apostaten aus Deutschland und Holland vermehrt. Nun begann die Verdrängung der Treugebliebenen durch diese konstitutionellen Staatspfarrer; 10 Apostaten wurden mit Bistümern bedacht, und Talleyrand übernahm es, dem ersten die bischöfliche Konsekration zu erteilen“ (ebd.). „Pius VI. verwarf die Zivilkonstitution, erklärte die Wahlen der Bischöfe für ungültig und belegte die Konsekrierten mit der Suspension (13. April 1791). Hierfür rächte sich die Nationalversammlung durch Einverleibung von Avignon und Venaissin ins französische Reich (24. September). Eine Anzahl Männer, Frauen und Kinder wurden vor Avignon ermordet, der Papst in Paris öffentlich verhöhnt“ (Sp. 1787-1788).

„Als alle Vorspiegelungen, womit das treu gebliebene katholische Volk zur Anerkennung der konstitutionellen Pfarrer und Bischöfe gebracht werden sollte, nicht fruchteten, schritt man zur Gewalt. Die eidverweigernden Geistlichen und Bischöfe wurden eingekerkert oder verbannt. Die gesetzgebende Nationalversammlung (…) machte die Verfolgung noch schlimmer. Sie verbot das Tragen geistlicher Kleider und verurteilte alle Geistlichen, welche den Eid auf die Konstitution verweigerten, zur Deportation“ (Sp. 1788). Die Revolution zeigte ihr wahres Gesicht. „Sechshundert Priester wurden zu Avignon ermordet; während des allgemeinen Blutbades in den Tagen vom 2. bis 7. September folgten zu Paris weitere dreihundert Blutzeugen, unter denen sich ein Erzbischof und ein Bischof befand“ (ebd.).

Die Schreckensherrschaft der Jakobiner

Nach der Entmachtung des Königs trat am 21. September 1792 der Nationalkonvent zusammen, „um eine neue Verfassung zu machen“, in welchem sich die Parteien der Jakobiner und der Girondisten gegenüber standen. „Nach dem Sturze der letzteren begannen die Jakobiner unter Robespierre, Danton und Marat ihre bekannte Schreckensherrschaft (2. Juni 1793 bis 28. Juni 1794)“ (ebd.). „Alles Christliche wurde vernichtet; ja um jede Erinnerung an dasselbe zu verwischen, wurde eine neue Zeitrechnung mit Dekaden und republikanischen Festen eingeführt. Die Kirchen wurden niedergerissen oder zu sogenannten Vernunfttempeln umgewandelt. Am 7. November 1793 wurde der katholische Kultus für aufgehoben erklärt und an seiner Stelle der Götzendienst der Vernunft eingeführt“ (Sp. 188-189). Der „konstitutionelle Bischof“ von Paris „erklärte öffentlich, daß er sich dem Willen des Volkes, welches keinen andern Kultus als den der Freiheit und Gleichheit wolle, beuge, und warf zum Zeichen hierfür Stab und Ring zu Erde, welche mit Füßen getreten wurden; die Mitra vertauschte er mit der roten Jakobinermütze. Die satanische Bosheit und die menschliche Verrücktheit wurde immer größer: Gottes Dasein ward geleugnet, das Kreuz mit Füßen getreten…“ (Sp. 1789). Es war buchstäblich „der Teufel los“.

Es liegt zum Glück in der Natur des Menschen, daß solche wahnsinnige Raserei nicht allzu lange anhält. Die Leiter des Nationalkonvents selber sorgten „durch ihre wahnsinnigen und blutigen Taten“ dafür, „daß eine Abkühlung und Reaktion eintrat“. „Der Diktator Robespierre veranlaßte bereits 1794 den Konvent, das Dasein eines höchsten Wesens und die Unsterblichkeit der Seele zu dekretieren. Marat wurde ermordet, Danton enthauptet, und schließlich mußte Robespierre 28. Juli 1794 selbst das Schafott besteigen. Nun kam die wirkliche Vernunft allmählich wieder zur Geltung, Ein Dekret vom 30. Juni 1795 erlaubte wiederum die Ausübung des katholischen Kultus“ (ebd.).

Napoleon und Consalvi

1799 nahm Napoleon „als erster Konsul die Zügel der französischen Republik in die Hand“. Er hatte erkannt, „daß die Überzeugung der Jakobiner nicht die der großen Masse sei, und daß ein Volk ohne Religion sich nicht regieren lasse“. „In der Wiederherstellung des Katholizismus sah er daher eine mächtige Stütze für den Staat, für seine eigen Person aber hoffte er durch Wiedereinrichtung einer kirchlichen Ordnung den Klerus zu gewinnen und sich so den Weg zum Throne zu bahnen“ (ebd.). Es waren durchaus utilitaristische und eigennützige Motive, die ihn bewegten. „Weniger daher von eigener religiöser Überzeugung als von Politik geleitet, ließ er den Papst bitten, Bevollmächtigte zur Ordnung der kirchlichen Angelegenheiten zu schicken“ (ebd.). Papst Pius VII. entsandte endlich seinen Staatssekretär Consalvi zu den Unterhandlungen nach Paris.

Consalvi war Doktor beider Rechte und von Pius VI. 1783 mit dem Titel eines „Privatkämmerers“ und 1784 dem eines „Hausprälaten“ geehrt. „Als Mitglied verschiedener Kongregationen, so unter anderen der Apostolischen Signatur, der Rota Romana und der Militärkommission, bekämpfte er die Ideen der Französischen Revolution“ weiß „Wikipedia“ zu berichten. „Die Franzosen verbannten ihn zwar nach der Besetzung des Kirchenstaats (1798); aber Pius VII., der seine Wahl bei dem Konklave in Venedig 1799 hauptsächlich Consalvi zu danken hatte, erhob ihn 1800 zum Kardinaldiakon von Sant’Agata dei Goti und bald darauf zum Staatssekretär, als der er 1801 in Paris mit Napoleon Bonaparte das Konkordat von 1801 unterhandelte, wobei er sich geschickt und zugleich schmiegsam und nachgiebig zeigte (vgl. Consalvi-Paradoxon). Am 21. Dezember 1801 weihte Papst Pius VII. ihn zum Diakon. Von einer Priesterweihe sah Consalvi ab.“

Das Konkordat

Gemäß dem Konkordat mußte Papst Pius VII. „die noch lebenden und in verschiedenen Ländern zerstreuten Bischöfe zur Resignation auffordern, wogegen er aber auch die Entlassung der konstitutionellen ausbedang“ (Kirchenlexikon a.a.O., Sp. 1790). Trotz Widerstands auf beiden Seiten wurde das Konkordat sowohl vom Papst als auch von Napoleon ratifiziert. „Am 15. August 1801 erließ der Papst in einem Breve an die Bischöfe die Aufforderung zur Resignation. Von 81 noch lebenden Bischöfen kamen 45 der Bitte des Papstes nach, die übrigen 36 resignierten nicht (…). Ebenso mußten auch 59 konstitutionelle Bischöfe auf Verlangen sowohl des Papstes als auch der Regierung auf ihre Bistümer verzichten“ (ebd.).

„Pius VII.“, kommentiert „Wikipedia“, „der später, 1804, zur Mitwirkung an der Kaiserkrönung Napoleons genötigt wurde und im Streit mit dem Kaiser von 1809 bis 1814 in Gefangenschaft geraten sollte, beurteilte die Situation realpolitisch, weshalb er sich zu Verhandlungen bereit zeigte. 1801 kam es zur Unterzeichnung des Konkordats in Paris. In der Präambel wurde die katholische Religion als die ‚der großen Mehrheit der französischen Bürger‘ bezeichnet, ohne dass allerdings wie bisher von einer Staatsreligion die Rede war. Das Konkordat erkannte die Pluralität der religiösen Bekenntnisse, die Freiheit der Kultusausübung und die Republik als solche an. (…) Außerdem schuf es eine Ordnung des kirchlichen Lebens bis zur radikalen Trennung von Staat und Kirche 1905 und diente als Vorbild für andere Kirchen und Länder.“

Erneute „Mißstimmung“ und Gefangennahme des Papstes

„Die volle Wirkung des Konkordats wurde von Napoleon selbst durch Zufügung der sogen. Organischen Artikel unmöglich gemacht“ (Kirchenlexikon a.a.O.). Diese „folgten dem Konkordat als Ausführungsgesetz“ („Wikipedia“ a.a.O.). „Seine nicht mit der Römischen Kurie vereinbarten 77 Artikel sicherten abermals staatliche Prärogative, also die Notwendigkeit der staatlichen Zustimmung zu päpstlichen Dekreten“ (ebd.). „Vergeblich beschwerte sich der Papst über diese Zutat. Das alte Gift des Gallikanismus ist somit im Organismus der katholischen Kirche geblieben“ (Kirchenlexikon a.a.O., Sp. 1791), und das bis heute. „Indes war doch einmal durch Napoleon wieder eine kirchliche Ordnung geschaffen, so daß sich die segensreiche Tätigkeit der Kirche, wenn auch nur innerhalb eng gezogener Grenzen, entfalten konnte“ (ebd.).

Allerdings war bereits zu Paris zwischen Napoleon und Pius VII. „eine Mißstimmung eingetreten, welche alsbald zum offenen Zwiespalte wurde“. Denn: „Der Kaiser hatte die Kirche und ihr Oberhaupt nur zur Erhöhung und Festigung seiner Macht gebraucht, und als er sich am Ziele sah, wendete er seine Macht gegen die Kirche, um auch in dieser Herr zu sein“ (ebd.). Der alte „Cäsaropapismus“. „An der Person des Papstes kühlte er seinen Groll durch die Einnahme des Kirchenstaates und, als Pius VII. über den Usurpator die Exkommunikation anheften ließ, durch Gefangennahme desselben und Hinschleppung nach Grenoble“ (ebd.). Der Papst aber blieb trotz Gefangenschaft unnachgiebig, und nach „seinen unglücklichen Unternehmungen gegen Rußland suchte Napoleon mit dem Papste eine Aussöhnung und verhandelte fünf Tage lang persönlich mit ihm in Fontainebleau“ (Sp. 1792).

Erhebung der Liberalen

„Als Napoleon gestürzt war und die angestammte Königsfamilie auf den Thron zurückkehrte, besserte sich auch die Lage der Kirche. Zunächst wurde von Ludwig XVIII. die Abschließung eines neuen Konkordates eingeleitet, und am 11. Juli 1817 das früher mit Franz I. abgeschlossene wiederhergestellt“ (ebd.). „Unter Karl X. (1824-1830), welcher eifriger als sein Vorgänger entschlossen war, die katholische Religion zum Gemeingut des Volkes zu machen, erhob sich die glaubensfeindliche Partei der sogen. Liberalen gegen Thron und Altar“ (Sp. 1793). „Die Revolution im Juli 1830 endlich führte gleiche Greuel, wie die große Revolution von 1793, wenn auch in kleinerem Maßstabe, für die Kirche herbei und vertrieb den rechtmäßigen König. Der Herzog Ludwig Philipp bestieg als ‚Bürgerkönig‘ den Thron. Unter ihm wurde die katholische Religion nicht mehr als Staatsreligion, sondern nur als die der Mehrzahl der Franzosen anerkannt, weshalb viele seine Regierung als eine neue Epoche des Protestantismus in Frankreich beglückwünschten“ (ebd.).

„Manche Irrtümer traten jetzt ans Licht. Zunächst förderte Lamennais im L’Avenir und seinen Flugschriften manche Irrlehre zu Tage, sodann glaubte Abbé Chatel zur Stiftung einer Nationalkirche sich berufen, die Tempelherren und St. Simonisten traten wieder auf; letztere proklamierten offen ihre atheistisch-kommunistischen Irrlehren. Hierdurch wurde die Juliregierung zum Bunde mit der Kirche getrieben…“ (ebd.). Andererseits: „Frankreich hatte abermals das Glück, einen vortrefflichen Episkopat zu besitzen (…). Auch die wissenschaftlichen Studien lebten auf…“ (Sp. 1794). Das war die Situation im Jahr 1846, als die Erscheinung von La Salette sich ereignete. „Die Februarrevolution von 1848, welche von Frankreich ausging, brachte überall mehr politische Freiheit und wirkte auch auf die Kirche zurück. Auch in Frankreich fielen teilweise die Fesseln, in welche dieselbe geschlagen war, wenngleich die organischen Artikel nicht aufgehoben wurden“ (ebd.).

Napoleon III.

Infolge der Revolution von 1848 entstand in Frankreich die „Zweite Französische Republik“, die sich „zu den Prinzipien der Französischen Revolution: ‚Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit’“ bekannte („Wikipedia“). Zum Präsidenten wurde Louis Napoleon Bonaparte gewählt, ein Neffe von Napoleon I. „Den Sieg verdankte Bonaparte vor allem Wählern aus ländlichen Gebieten und dem noch immer weiter wirkenden Nimbus von Napoleon I. Für eine Wende nach Rechts spricht, dass die Republik im März 1849 eine Armeeexpedition nach Rom befahl, um den von den Revolutionären der römischen Republik vertriebenen Papst Pius IX. wieder einzusetzen. Nach der Belagerung von Rom mussten die Verteidiger am 30. Juni kapitulieren“ (ebd.). Die französischen Truppen konnten „nach einer anfänglichen Niederlage am 30. April schließlich am 2. Juli in Rom eindringen“ und den Kirchenstaat dem Papst zurückgewinnen. Unsere Liebe Frau von La Salette hatte jedoch Papst Pius IX. gewarnt, Napoleon nicht zu vertrauen, und das zu Recht.

Nach einem Staatsstreich im Dezember 1851 wurde in Frankreich im Januar 1852 eine neue Verfassung vorgelegt. „Diese sah einen extrem starken Präsidenten vor, der nur dem Volk gegenüber verantwortlich war.“ Dieser „Prince-President“ war Louis Napoleon Bonaparte. „Angesichts der bereits gesicherten Macht war die Annahme des Kaisertitels als Napoleon III. durch Senatskonsult vom 7. November und eine Volksabstimmung nur noch Formsache. Dabei stimmten 7,8 Millionen mit Ja, 200.000 mit Nein und 65.000 Stimmen waren ungültig.“ Damit war die „Zweite Republik“ bereits wieder Geschichte, und Napoleon wurde am 2. Dezember 1852 zum Kaiser ausgerufen. Der deutsch-französische Krieg von 1870 bereitete der Kaiserherrschaft Napoleons ein Ende, und am 4. September jenes Jahres wurde in Paris die „Dritte Republik“ ausgerufen.

Vollständige Trennung von Kirche und Staat

Hatten in der verfassungsgebenden Nationalversammlung vom Februar 1871 noch die Monarchisten „eine deutliche Mehrheit“, so waren diese doch in drei Lager gespalten: die „Legitimisten“, die das Haus Bourbon wieder auf den Thron bringen wollten, die „Orléanisten“ „in der Tradition des ‚Bürgerkönigs‘ Louis-Philippe“, und die „Bonapartisten“. Anfangs war eine konstitutionelle Monarchie geplant, die jedoch nicht zur Ausführung kam. „Ab 1876 hatten die Republikaner die parlamentarische Mehrheit, nach den Wahlen 1881 sogar eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Sie zwangen den royalistischen Staatspräsidenten Mac-Mahon 1879 zum Rücktritt und schrieben die zunächst nur provisorische Republik 1883 dauerhaft als Staatsform fest.“ („Wikipedia“). „In der Dritten Französischen Republik war es wiederholt zu innenpolitischen Spannungen gekommen, weil mächtige konservativ-restaurative Kräfte in der französischen Gesellschaft der republikanisch-demokratischen Staats- und Gesellschaftsform grundsätzlich skeptisch gegenüberstanden. Sie erstrebten einen konservativen Umbau des Staates, bis hin zur Wiedereinführung der Monarchie. Besonderen Rückhalt hatten diese Kräfte in Militärkreisen, im Adel, bei radikalisierten Kleinbürgern und Teilen der katholischen Kirche. Eine extreme Ausprägung erhielten diese Ideen durch die Action française, die monarchistisch, antidemokratisch und antiparlamentarisch, nationalistisch, militant katholisch, deutschfeindlich und antisemitisch orientiert war.“ („Wikipedia“)

Die „Dreyfus-Affäre, die von 1894 bis 1905 das Land erschütterte“, wendete das Blatt. „1902 hatte im Gefolge dieser Affäre die politische Linke die Parlamentswahlen gewonnen. Von den Radikaldemokraten wurde insbesondere die katholische Kirche als Feind der Republik angesehen. Die bürgerlichen Liberalen kritisierten insbesondere ihre antimodernistische Haltung. Außerdem bestand in Frankreich eine lange Tradition des Antiklerikalismus, der schon auf die Zeit der Aufklärung und der Französischen Revolution zurückging. Die neue Regierung fasste den Entschluss, endgültig den Einfluss der Kirchen auf die Gesellschaft und insbesondere das Erziehungswesen zu beschränken.“ Nach mehreren Schritten von kirchenfeindlichen Gesetzen ab dem Jahr 1901 wurde schließlich am 9. Dezember 1905 „das Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat verabschiedet“. „Dieses Gesetz etablierte in Frankreich das heute noch geltende Prinzip des Laizismus, d. h. der vollständigen Trennung von Kirche und Staat. Das Gesetz galt zwar vor allem der katholischen Kirche, doch wurden aus Gründen der Neutralität in diese Regelung die anderen Konfessionen und Religionsgemeinschaften einbezogen.“ „Trennung von Kirche und Staat“ bedeutet immer soviel wie Herrschaft des Staates über die Kirche.

Beziehungen zwischen Frankreich und dem Heiligen Stuhl

„Die Gesetze wurden von Pius X. in der Enzyklika Vehementer nos verdammt und verschlechterten für viele Jahre das Verhältnis der französischen Republik zur katholischen Kirche. Zum Teil konnten die Gesetze nur gegen den erheblichen Widerstand kirchentreuer Bevölkerungsteile durchgesetzt werden. Am 28. Juli 1904 kam es zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und dem Heiligen Stuhl. Sie wurden erst 1921 wieder aufgenommen.“ In diese Phase fielen viele der Auseinandersetzungen um die Botschaft von La Salette, die in diesem politischen Streit eine besondere Bedeutung bekamen und beispielsweise von Monarchisten für ihre Sache gebraucht wurden. Sie wurden zum Politikum, was einiges von den Versuchen erklärt, sie zu unterdrücken, und gleichzeitig die oftmals sehr „diplomatischen“ Bemühungen des Heiligen Stuhls in dieser Sache nachvollziehbarer macht.

Wir mußten leider etwas ausführlicher auf die Geschichte Frankreichs eingehen, weil sie von großer Bedeutung für die beschriebenen Ereignisse ist und es sicher kein Zufall ist, daß die Muttergottes für ihre großen Erscheinungen im 19. Jahrhundert (Rue du Bac, La Salette, Lourdes) ausgerechnet Frankreich zum Schauplatz wählt. In der Botschaft von La Salette spielt Frankreich eine große Rolle.

Fortsetzung folgt