Geist der Kontinuität

Gerade einmal eine „Meldung am Rande“ war dem Blog „Summorum Pontificum“ gestern der fünfzehnte Geburtstag jenes namengebenden großartigsten Motu aller proprios, dieser unsterblichen Heldentat des glorreichen „Katechon“, des Lieblings aller Tradis, ihrer strahlenden Leitfigur „Benedikt XVI.“, vulgo Ratzinger, wert. Dieses „Motu proprio“ Ratzingers, so der Blog für authentisches „traditionalistisches“ Empfinden, sei „inzwischen von seinem Nachfolger wieder weitgehend kassiert“ worden, doch wirke „der Geist der Kontinuität … nach wir vor stark in der Kirche“. Was für eine „Kirche“ das wohl ist, in welcher nicht der Heilige Geist, sondern der „Geist der Kontinuität“ wirkt?

„Der Kampf darum, ob die katholische Kirche mit sich selbst identisch bleibt, oder ob die Jahre ab 2013 zur Zeit der Neugründung einer Spalterkirche werden, ist noch lange nicht entschieden“, munkelt der „Blog“ ahnungsvoll. Welche „Spalterkirche“ – früher hätte man schlicht „Schisma“ gesagt – ist da wohl gemeint, die sich seit 2013 in „Neugründung“ befindet? Die „Rituskirche“ der „Tradis“? „Und wie die Entwicklung in Deutschland vermuten läßt, wird der Geist der Neuerer das, was sie vielleicht ereichen (sic!), nicht zu einer erneuerten Kirche, sondern zu einer Abspaltung führen, die ebenso wie die ‚Reformation‘ vor 500 Jahren letztlich ins Nirgendwo geht.“ „Abspaltung“ wovon? Von der „Tradi-Kirche“? Dürfen wir diese rätselhaften Sätze so interpretieren, daß wir in den Jahren „ab 2013“ der „Neugründung“ einer „traditionalistischen“ „Spalterkirche“ beiwohnen, während die parallel dazu ablaufende „Entwicklung in Deutschland“ nicht „zu einer erneuerten Kirche“ führt, sondern zu zu einer „Abspaltung“, die „letztlich ins Nirgendwo geht“? Bei soviel „Spaltung“, „Neugründung“ und „Erneuerung“ fragen wir uns, wo der „Geist der Kontinuität“ bleibt, der in dieser „Kirche“ weht.

Doch Ernst beiseite. Darüber, daß „die katholische Kirche mit sich selbst identisch bleibt“, brauchen wir uns jedenfalls keine Sorgen zu machen und auch nicht darum zu „kämpfen“. Die katholische Kirche wird immer die katholische Kirche sein und bleiben, bis ans Ende der Welt. Dafür haben wir die Garantie des göttlichen Heilands. Zum Glück wirkt in ihr der Heilige Geist, nicht der „Geist der Kontinuität“. „Abspaltungen“ und „Spalterkirchen“ hat es zu allen Zeiten viele gegeben. Die größte und verhängnisvollste „Neugründung“ dieser Art erfolgte in den Jahren 1962-1865 auf dem „II. Vatikanum“. Das haben die Tradis nur bis heute nicht begriffen. Stattdessen bilden sie sich ein, daß erst seit 2013 von den „Neuerern“ (gemeint sind die „progressistischen“ Kräfte des „synodalen Wegs“), wenigstens „in Deutschland“, die „Neugründung“ einer „Spalterkirche“ betrieben wird, während sie, die Tradis, den „Geist der Kontinuität“ bewahren und darum kämpfen, daß „die katholische Kirche mit sich selbst identisch bleibt“ – ein Kampf, der „noch lange nicht entschieden“ ist (und auch nie entschieden sein wird).

„Tradis“ gegen „Neuerer“, „Konservative“ gegen „Progressive“. Das alte modernistische Modell. Dieses beruht, wie wir wissen, auf dem ewigen Widerstreit, dem „Kampf“, zwischen den „bewahrenden“ und den „fortschreitenden“ Kräften, die seine Dynamik bewirken. Tradis und „synodaler Weg“, sie alle sind nur systemerhaltende Kräfte innerhalb der großen modernistischen „Spalterkirche“ des „II. Vatikanums“. Aufgabe von deren Führung ist es, diese Kräfte zu regulieren, bald aufs Gaspedal, bald auf die Bremse zu drücken, um die kontinuierliche Entwicklung (den „Geist der Kontinuität“) derselben in Gang und nicht abreißen zu lassen. Es darf nicht zu schnell voran, aber auf gar keinen Fall rückwärts gehen. Nachdem Ratzinger ein wenig die Bremse getreten hatte, steht Bergoglios Fuß auf dem Gaspedal. Das ist alles. Dabei kümmert es ihn wenig, ob ein paar Tradis bei seiner rasanten Fahrt ein wenig durcheinandergerüttelt werden. So lange sie nur dem System seiner „Synodalen Kirche“ erhalten bleiben. Und das tun sie ja. Sie sind fest entschlossen, weiter die Bremse zu spielen, damit diese modernistische „Kirche“ „mit sich selbst identisch bleibt“ und ihr Weg nicht „letztlich ins Nirgendwo geht“.