Zustand der Suspension

Nachdem Jorge „Franzl“ Bergoglio partout nicht so will, wie sie wollen, haben die Tradis sein „Lehramt“ kurzerhand „suspendiert“. Einer jener stets in der römischen Gerüchteküche herumwühlenden und das Gras wachsen hörenden „Vatikanisten“ hat nämlich festgestellt, daß „Papst Franziskus in seinem Regierungsstil persönliche und amtliche Formen vermischt und damit versucht, ein streng zentralistisches – andere nennen es ‚despotisch‘ – Regiment auszuüben“. Sowas! „Summorum Pontificum“, der Blog für authentisches „traditionalistisches“ Empfinden, der darüber berichtete, zieht daraus die Konsequenz: „In Anschluß an Fr. John Hunwicke – der sich dabei auf keinen Geringeren als den hl. John Henry Newman stützen kann – gehen wir davon aus, daß durch den von Gagliarducci zutreffend beschriebenen Regierungsstil des Argentiniers das päpstliche Lehramt sich derzeit in einem Zustand der Suspension befindet.“ Logisch, oder?

Das hat der Heiland wohl noch nicht gewußt, als Er Petrus und dessen Nachfolger zum Fels machte, auf welchen er Seine Kirche errichtete, und uns verhieß, in diesem fortlebenden Felsenamt bei uns zu bleiben „bis ans Ende der Welt“ (Mt 28, 20). Da wußte Er noch nicht, daß der „Regierungsstil“ eines Papstes ausreicht, dieses Felsenamt schlicht in einen „Zustand der Suspension“ zu versetzen. Aber die Tradis wissen das und haben auch gleich reagiert. „Der Papst redet und schreibt viel“, bemerkt der Blog abfällig, und man meint die Folgerung herauszuhören: doch was geht uns schon an, was so ein Papst redet und schreibt? Zwar sagte der Heiland einst zu den Aposteln und namentlich zu ihrem Oberhaupt, dem heiligen Petrus und dessen Nachfolgern: „Wer euch hört, der hört mich, und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat“ (Lk 10, 16). Aber da wußte Er ja eben noch nicht, daß man nicht nur hören oder verachten, sondern auch „suspendieren“ kann.

Auf ein „suspendiertes“ Lehramt braucht man nicht zu hören, man muß es aber auch nicht verachten, jedenfalls nicht zur Gänze. Denn immerhin stimmt nach dem Urteil unserer Tradis „manches“ von dem, was ihr „Papst“ da so viel „redet und schreibt“, „mit dem traditionellen Lehramt der Kirche überein“. Das ist doch mal ein schönes Lob für den armen „Papst“! „Anderes“ hingegen, so belehren die Tradis ihren „Papst“ mit erhobenem Zeigefinger, widerspreche „ihm direkt“, „und wieder anderes“ entziehe sich „wegen der ihm innewohnenden Inkohärenz einer unmittelbaren Einordnung“. Sie stören sich nicht im geringsten daran, einen solchen „Papst“ zu haben, dem sie ständig Nachhilfe erteilen müssen, sondern finden: „Mit dieser Situation umzugehen ist für Katholiken zwar ungewohnt und höchst irritierend, aber keinesfalls unmöglich…“

Nachdem er sein Lehramt „suspendiert“ hat, ist nun eben der „Traditionalist“ sich selber die Glaubensregel. Das schaut dann so aus: „Sehr verkürzt gesagt: Wenn Franziskus etwas wiederholt, was die Kirche seit jeher lehrt, hören wir das gerne, ohne darin ein eigenes Lehramt dieses Papstes zu erkennen. Es ist nichts als die ungebrochene Tradition.“ Hier „hört“ der Tradi, sogar „gerne“, aber nicht auf das Lehramt, sondern auf seine eigene „Tradition“, wie er sie halt mag. „Wo er etwas sagt, was dem überkommenen Lehramt und der Tradition direkt widerspricht, nehmen wir das bekümmert als seine persönliche Ansicht zur Kenntnis – eine Meinung, die Katholiken jedoch in keiner Weise bindet.“ Wo der „Papst“ anderer Meinung ist als der Tradi, kann man ihn demnach getrost „verachten“. „Und wo er etwas sagt, das unverständlich oder widersprüchlich erscheint, werden wir darin – im besten Fall – einen Anstoß zum Nachdenken erkennen.“ Wie ja auch die Modernisten ihren „Päpsten“ bisweilen für die „Impulse“ und „Denkanstöße“ danken, die diese in die „Diskussion“ werfen.

Wir könnten die Tradi-Doktrin noch etwas verkürzter darstellen: Wenn der „Papst“ etwas sagt, was uns gefällt, hören wir es wohlgefällig, wenn es uns nicht gefällt, hören wir einfach weg, wenn‘s interessant erscheint, denken wir vielleicht ein wenig darüber nach, und im übrigen interessiert es uns herzlich wenig, was er sagt. Denn, wie ein hochmögender „Traditionalist“ einst ihre Haltung mit den angeblichen Worten eines schwäbischen Bauern charakterisierte: „Der Papst kann sagen was er will, ich bleibe doch katholisch.“ Das ist die kürzeste Formel für das „suspendierte“ Lehramt der Tradis.