Lügengebäude

Die armen „Tradis“. Ärger über Ärger! Nun hat doch glatt „der Liturgieminister des Papstes und künftige Kardinal Roche behauptet, das 2. vatikanische Konzil habe eine ‚neue Liturgie angeordnet‘“. Frechheit! Dabei weiß doch, wie der Blog für „traditionalistisches“ Empfinden „Summorum Pontificum“ anmerkt, ein „jeder, der lesen kann und will, daß in Sacrosanctum Concilium zwar eine Reform im Sinne einer Überarbeitung des Bestehenden beauftragt wurde, aber ausdrücklich keine ‚Neue Liturgie‘“. Ist doch wahr!

Doch ach! - „denen, die für heute die Deutungshoheit über ‚DAS KONZIL‘ an sich gerissen haben, ist die Wahrheit völlig gleichgültig“. Man stelle sich das vor! Wie schrecklich! „Sie haben sich dem Wahn ergeben, selbst bestimmen zukönnen (sic!), was Wahrheit ist, weil sie von sich aus erkennen, was gut und was böse ist.“ Was für Abgründe tun sich da auf! Aber wir können getrost sein: „Ihr Lügengebäude kann und wird keinen Bestand haben.“

Nun ist es einmal in der Kirche Gottes so, daß Papst und Kurie tatsächlich die „Deutungshoheit“ haben über das, was die Konzilien gesagt und gewollt haben. In der Tat hat insbesondere der Papst den unablässigen Beistand des Heiligen Geistes, um „bestimmen zu können, was Wahrheit ist“, und „zu erkennen, was gut und böse ist“. Überdies wird ein jeder, „der lesen kann und will“, feststellen, daß in “Sacrosanctum Concilium“, der „Liturgiekonstitution“ des „II. Vatikanums“ sehr wohl eine „neue Liturgie angeordnet“ wurde.

Das Wort oder der Wortteil „neu“ kommt in dieser „Konstitution“ 34 mal vor. Allein das ist schon auffällig, denn es dürfte kaum einen echten kirchlichen Text geben, der so vom „Neuen“ durchdrungen ist. Bereits im Vorwort ist zweimal von „Erneuerung der Liturgie“ die Rede (SC 1 u. 3) und einmal davon, daß die Riten „mit neuer Kraft ausgestattet“ werden sollen (SC 4). Im weiteren Verlauf des Textes wird weitere sieben Mal die „Erneuerung der Liturgie“ thematisiert, in Nr. 23 wird ausdrücklich von „neuen Formen“ gesprochen (auch wenn diese angeblich „aus den bestehenden organisch herauswachsen“ sollen, während gleich im nächsten Abschnitt, Nr. 24, gefordert wird, „Erneuerung, Fortschritt und Anpassung der Liturgie voranzutreiben“, was jedes „organische Wachstum“ ad absurdum führt).

Ausdrücklich genannt werden ein „neuer Konzelebrationsritus“ (SC 58), eine „neue Ausgabe des Römischen Rituale“ (SC 62) und die Schaffung „neuer“ Riten bei der Taufe (SC 69). „Neue Sakramentalien“ soll es geben (SC 79), das Stundengebet soll „neu geordnet“ und „neu gefaßt“ werden (SC 88 u. 90) und ebenso soll das liturgische Jahr „neu geordnet“ werden (SC 107). Um die Bestimmungen der „erneuerten Liturgie“ anzupassen, sollen alte „geändert oder abgeschafft“ und andere „neu eingeführt“ werden (SC 128). Im Anhang wird auf den „neuen Kalender“ Bezug genommen. Die Neurerer hatten ihre Neuerungssucht damit ausreichend genug zum Ausdruck gebracht, und Montini, der einer von ihnen war, wußte sehr gut, was er daraus machte, als er als Ergebnis seine „Neue Meßordnung“ präsentierte.

In diesem Fall hat „der Liturgieminister des Papstes und künftige Kardinal Roche“ die Wahrheit gesagt: „das 2. vatikanische Konzil“ hat tatsächlich „eine ‚neue Liturgie angeordnet‘“. Die „Traditionalisten“ sind es, die hier eigenmächtig „die Deutungshoheit über ‚DAS KONZIL‘ an sich gerissen haben“, denen die „Wahrheit völlig gleichgültig“ ist und die sich „dem Wahn ergeben, selbst bestimmen zukönnen (sic!), was Wahrheit ist“. Doch wir trösten uns mit ihren eigenen Worten: „Ihr Lügengebäude kann und wird keinen Bestand haben.“