Licht und Finsternis

„Was anderes ersehnt denn die Seele stärker als die Wahrheit?“ fragt der heilige Augustinus zum Schluß seiner Predigt zum heutigen Quatember-Mittwoch in der Pfingstoktav. Die Seele des Menschen ist von Natur aus auf die Wahrheit ausgerichtet wie die Pflanze zum Licht. Und doch - warum finden nur so wenige Menschen die Wahrheit? Die übergroße Mehrheit verharrt im Dunkel und vegetiert vorf sich hin. Wie kann das sein?

Der Heiland selber hat es dem Nikodemus erklärt. Davon berichtet das Evanglium am Pfingstmontag: „Das aber ist das Gericht, daß das Licht [Christus] in die Welt kam, und die Menschen die Finsternis mehr liebten als das Licht; ihre Werke waren nämlich böse. Denn jeder, der Böses tut, haßt das Licht und geht nicht ans Licht, damit seine Werke nicht verraten werden. Wer aber die Wahrheit übt, geht ans Licht, damit seine Werke offenbar werden; denn sie sind in Gott getan“ (Joh 3, 19-21).

Die Menschen kommen deswegen nicht zur Wahrheit, weil sie nicht zur Wahrheit kommen wollen. Ja, sie hassen die Wahrheit und bekämpfen sie, weil sie die Finsternis mehr lieben als das Licht, und darum verkümmern ihre Seelen und gehen zugrunde, wie eine Pflanze verkümmern und zugrunde gehen müßte, die das Licht haßt und es bekämpft. „Wer aber die Wahrheit übt, geht ans Licht, damit seine Werke offenbar werden; denn sie sind in Gott getan.“ Eine solche Seele wird aufblühen als ein Baum im Paradies.